BMW S 1000 R

Ein Motorrad mit zwei Gesichtern

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Im Trio der BMW-Reihenvierzylinder hat die S 1000 R vielleicht die größten Probleme, neben dem Supersportler RR und dem Sporttourer XR ein eindeutiges Profil zu zeigen.

Dabei ist es doch ganz einfach: Die Roadster kombiniert Sport und Alltag. Herausgekommen ist eine durchaus interessante Mischung.

Der erste Eindruck

Bei der ersten Sitzprobe stört jedoch der kleine Lenkereinschlag, der das Rangieren erschwert und das Motorrad wenig beweglich erscheinen lässt. Doch: stark getäuscht. Denn erst einmal in Fahrt entpuppt sich die S 1000 R bereits auf den ersten Kilometern als handliches, zahmes Zweirad, an dem allenfalls die in kaltem Zustand hakelige Schaltung stört. Dass da nach der Anpassung an die Euro-4-Norm nun eine Leistung von 165 PS in dem Vierzylinder schlummert, ist einem nicht bewusst – allerdings nur so lange, bis man bei freier Strecke und ohne Beschränkung Gas geben kann.

Die Fahrleistungen

Dann geht es los, und aus dem braven und vermeintlich biederen Dr. Jekyll wird die Bestie Mr. Hyde. Die Nadel des Drehzahlmessers schnellt nach oben, die Gänge flutschen dank Schaltautomatik (420 Euro Aufpreis) rein und aus dem Akrapovic-Auspuff brüllt der heisere Sound des Vierzylinders. In gerade einmal drei Sekunden erreicht die unverkleidete BMW aus dem Stand Tempo 100. Die wilde Hatz soll – so hat es der Hersteller in die Papiere geschrieben – erst bei 255 km/h ein Ende finden. Wer das schafft, hat einen Nacken wie ein Stier.

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Auf kurvigen Straßen hat man angesichts der Muskelpakete gut damit zu tun, die S 1000 R stets auf Kurs zu bringen und dabei die Kräfte so im Zaum zu halten, dass weder Mensch noch Maschine Unbill droht. Das benötigt viel Konzentration, denn irgendwie scheint der böse Mr. Hyde ständig den Fahrer herauszufordern, noch ein bisserl mehr Gas zu geben, das Bike noch etwas stärker in die Kurve zu legen oder vor der nächsten Kurve später zu bremsen. Das Gefährliche ist, dass die S 1000 R das alles super kann. Beim Fahrer ist das nicht immer garantiert.

Immerhin hat die BMW etliche elektronische Helferlein an Bord, mit denen sie wieder dem Gutmenschen Dr. Jekyll näher gebracht werden kann: Dazu gehören unter anderem abschaltbares Race-ABS, dynamische Traktionskontrolle, Schaltblitz, elektronisches Fahrwerk, Schlupfkontrolle, Wheelie Control, Schaltautomat und Tempomat.

Die Kosten

Das gibt es natürlich nicht umsonst. 13.850 Euro verlangt BMW für die Basisversion, die mit den jeweils 970 Euro teuren Sport- und Dynamik-Paketen aufgewertet werden kann. Der 17,5 Liter fassende Tank muss mit edlem Super plus befüllt werden. Unser Testverbrauch bewegte sich zwischen 6,1 und 7,0 Litern – das ist dem potenten Bike angemessen und verschafft dem Piloten die notwendigen Tank- und Atempausen, um sich wieder von Mr. Hyde in Dr. Jekyll zu verwandeln.

Fahrbericht: Kymco New People S 125i.

Fazit

Die BMW S 1000 R polarisiert mit ihrem Aussehen. Doch an ihrer Leistung und ihren Fahreigenschaften gibt es keine Zweifel. Dabei reicht das Spektrum vom zahmen Spaßbike bis hin zum brutalen Powersportler.

Volker Pfau

Technische Daten BMW S 1000 R

Motor

flüssigkeitsgekühlter Reihen-Vierzylinder mit 999 ccm Hubraum

Leistung

165 PS (121 kW) bei 11.000 U/min

Drehmoment

114 Nm (bei 9.250 U/min)

Höchstgeschwindigkeit

250 km/h

Radstand

1.439 mm

Sitzhöhe

814 mm

Gewicht (fahrfertig)

205 Kilogramm

Tankinhalt

17,5 Liter

Testverbrauch

6,8 Liter

Preis

Grundpreis: 13.850 Euro, Testmotorrad: 17.040 Euro

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