Fahrbericht

Mondial HPS 125i: Achtelliter-Scrambler nicht nur für Hipster

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Die Mondial HSP 125i ist nicht nur was für Hipster.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die italienische Marke Mondial gut im Geschäft. Doch auch zehn Weltmeistertitel konnten sie nicht vor dem Niedergang retten – nun steht sie vor einem Neuanfang.

Pier Luigi Boselli und Cesare Galli, Motorradliebhaber und traditionsbewusst, wagten vor Kurzem die Wiederbelebung der Marke Mondial. Diese war ursprünglich im Jahr 1948 gegründet worden und mit je fünf Fahrer- und Hersteller-WM-Titeln als Newcomer überraschend erfolgreich im Motorsport.

Doch in den 1960er-Jahren wollten zu wenige Kunden die hochmotorisierten und sündteuren Supersportler kaufen, es ging bergab und 1979 war Mondial in der Versenkung verschwunden. Bis sie im Jahr 2014 von Pier Luigi Boselli und Cesare Galli wiederbelebt wurde.

Nun steht als erstes Modell im deutschen Handel die F.B. Mondial HPS 125i parat. F.B. steht für Fratelli Boselli, gemeint sind die vier Brüder der Gründerfamilie. Pier Luigi ist ihr direkter Nachfahre.

Technik und Design

Zum Neustart haben die beiden Enthusiasten entschieden, eher klein anzufangen. Rund um das 14 PS starke Achtellitertriebwerk von Piaggio konstruierten sie eine Scrambler – übrigens die einzige in dieser Hubraumklasse. Dementsprechend verlaufen die beiden Auspuffrohre auf der rechten Motorradseite knapp unterhalb der Sitzbank.

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An den gebogenen Lenkern sind direkt an den Enden die beiden Spiegel befestigt. Das sieht cool aus, macht die Mondial aber ziemlich breit und erfordert bisweilen sorgfältiges Rangieren.

Das zentrale Cockpit-Instrument informiert vielfältig, das Display ist aber wegen der zu klein geratenen Anzeige schwer ablesbar und ob der Stil zum gesamten Rest des Motorrads passt, dürfte Stoff für lange Diskussionen abgeben. Die Sitzposition ist für größere Fahrer noch erträglich, aber längere Touren unternimmt man mit der kleinen Italienerin sowieso nicht.

Fahreindrücke

Allzugroße Erwartungen in Bezug auf die Fahrleistungen hat man realistischerweise nicht an die HPS 125i. Und wird überrascht. Denn das gerade mal 133 Kilogramm schwere Bike lässt sich bei flottem Griff am Gas und mit schnellem Schalten durchaus zügig bewegen.

Drehzahlen darf man nicht scheuen: Die Maximalleistung wird bei 9.750 U/min erreicht, der Begrenzer setzt bei rund 10.500 U/min ein. Man darf die Anzeige nicht unter die 7.000er-Marke fallen lassen, um nicht ins Leistungsloch zu fallen, aber dank leichtem und präzisem Gangwechsel erreicht man locker Tempo 100. Auf entsprechenden Straßen und mit langem Anlauf zeigte der Digital-Tacho gar eine Geschwindigkeit von über 120 km/h an.

Nur an langen Steigungen geht dem Achtelliter-Triebwerk ein bisserl die Puste aus, ansonsten kann man sogar mal ohne steigenden Pulsschlag einen Überholvorgang durchziehen.

Die Mondial HPS 125i ist überaus handlich zu fahren, sie reagiert absolut präzise auf Lenkbefehle und hält sauber die gewählte Spur. Die grobstolligen Reifen zeigen auch auf unbefestigtem Untergrund keinerlei Schwäche, das bevorzugte Fahrgebiet dürften jedoch auf Dauer ordentlich asphaltierte Straßen sein.

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Kombibremse statt ABS

Auch den Bremsen – statt ABS kommt eine Kombibremse zum Einsatz – kann man eine gute Verzögerungsleistung attestieren, sie sind gut dosierbar und greifen ordentlich zu. Die beiden nahezu vibrationsfreien Rückspiegel erlauben stets einen guten Blick nach hinten, nur der etwas fummelige Blinkerschalter stört den positiven Gesamteindruck.

Ursprünglich wurden die Café Racer ja gebaut, um innerorts auf den Boulevards schnellstmöglich von Lokalität zu Lokalität zu kommen. Das kann man sich mangels Leistung und dank strikterer Gesetzesüberwachung mit der Mondial HPS 125i natürlich abschminken. Dennoch macht sie eine gute Figur.

Stets wird man bei der Fahrt von anderen Motorradfahrern gegrüßt sogar Fahrer von Oldtimern winken dem vermeintlichen Klassiker fröhlich – wenn die wüssten, dass dieses Modell im Jahr 2018 gebaut wurde. Man kommt schnell ins Benzingespräch, sobald der Motor aus ist und erntet ungläubige Blicke, wenn man die Leistungsdaten aufzählt.

Gut und gerne einen halben Liter Hubraum und bis zu 50 PS attestieren etliche der Mondial. Bis dahin ist allerdings noch etwas Geduld gefragt. Erst einmal soll im Herbst dieses Jahres eine Version mit etwa 300 Kubikzentimetern und rund 25 PS Leistung für einen attraktiven Preis – die Rede ist von rund 4.300 Euro – an den Start gehen. Steht dann Mondial wieder auf einer soliden Basis, kann man schnell größere Modelle nachschieben.

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Kosten

Bei unseren Fahrten, die meist im hohen bis höchsten Drehzahlbereich stattfanden, erreichten wir einen Verbrauch von ziemlich genau drei Litern auf 100 Kilometern. Der Tank fasst 9,5 Liter – man muss also die Zapfsäulen also eher selten ansteuern.

3.495 Euro verlangt der deutsche Importeur für die HPS 125i. Obwohl das HPS für Hipster steht, darf man sie natürlich auch ohne langen Bart fahren. Mit gleicher Motorisierung gibt es noch die Enduro SMX 125i (3.495 Euro) sowie die 100 Euro teurere Supermoto

Fazit

Selten hat ein Achtelliter-Motorrad so viel Spaß gemacht wie die Mondial HPS 125i. Sie sieht toll aus, fährt sich vergleichsweise flott, ist ein sehr individuell gestaltetes Motorrad und wird für einen sehr attraktiven Preis angeboten. Ein frischer, frecher, kleiner Flitzer, der auch alten Bikern ohne Bart viel Spaß macht.

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Volker Pfau

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