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Fahrtest Alpina XB7: Super-Schlitten mit 621 Ren(n)tieren

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Von: Rudolf Bögel

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Alpina XB7 Front
Herr der Autobahn. Der Alpina XB7 ist ein komfortabler Cruiser, kann aber auch abgehen wie ein Sportwagen. © Alpina

Stattliche 621 PS, Platz für sieben, edles Leder und Kristallglas. Wie fährt sich der mindestens 158.900 Euro teure Alpina XB7?

Ein heißer Schlitten mit 621 Ren(n)tieren: Dürfte sich der Weihnachtsmann ein zeitgemäßes Gefährt für die Auslieferung wünschen – er würde zu einem XB7 von Alpina greifen. Geländetauglich, pfeilschnell, mit Riesenplatz. Eine Reiselimousine von einem anderen Stern. Ein himmlisches Gefährt, das aber auch seine höllischen Seiten hat. Ein bisserl (bisschen) mehr geht immer - dieses Motto ist quasi die DNA von Alpina. Der Sportwagenbauer aus dem bayerischen Buchloe ist prosaisch gesprochen der Haus-Tuner von BMW. Basis ist immer das Topmodell der Serie - obendrauf setzen die Allgäuer nicht nur ein, sondern drei M. Mehr Leistung, mehr Komfort, mehr Luxus. 

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Alpina XB7 Seite Garage
Eleganz in der Garage. Aber das kostet. Der Alpina XB7 startet bei knapp 160.000 Euro Grundpreis. © Alpina

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Alpina XB7: In 14,9 Sekunden von 0 auf 200 km/h

Im Fall von Santas Wunschauto ist es ein X7 also dem größten und mächtigsten SUV der Bayerischen Motorenwerke. Als M50 i ist er mit seinem 530 PS schon nicht gerade ein Waisenknabe. Aber mit dem „bisschen was mehr“ holt der Alpina aus dem V8-Motor jetzt 621 PS, packt 800 Nm Drehmoment auf die Achsen, wuchtet die 2,7 Tonnen aus dem Stand in 4,2 Sekunden von 0 auf 100: Und wer gleich auf der Autobahn durchstarten will, der landet in 14,9 Sekunden bei 200 km/h. Damit liegt der XB7, wie er nach der Kraftkur heißt, auf Augenhöhe mit dem Bentley Bentayga (14,6 Sekunden), muss sich aber dem Lamborghini Urus deutlich geschlagen geben: Der Italiener bewältigt die gleiche Distanz in brachialen 11,9 Sekunden. 

Alpina XB7 Cockpit
Das Cockpit des XB7 sieht von wenigen Kleinigkeiten abgesehen so aus wie bei einem herkömmlichen BMW..jpg © Alpina

Alpina XB7: In einer Liga mit Rolls Royce, Bentley und Maybach

Womit wir schon in der Liga sind, in der Alpina mit diesem Schlitten mitmischt. Bentayga und Urus auf der sportlichen Seite, Rolls Royce Cullinan und Mercedes Maybach GLS 600 bei den Luxuslinern. Ein wahrlich erlauchter Kreis - in dem der Alpina jedoch eine exklusive Nische besetzt hat. Denn in der Kombination seiner Vorzüge hat der Allgäuer SUV-Express eine echte Alleinstellung. Selbst bezeichnet man sich als „Hersteller exklusiver Automobile“ – das klingt ein wenig angestaubt nach 60er Jahre, trifft aber immer noch den Kern. Wo andere Fabrikanten sowohl bei Leistung als auch bei Luxus mit einem groben Säbel rasseln, fechten die Techniker und Ausstatter aus Buchloe mit einem feinen Florett.

Alpina XB7 Heck
Mächtiges Heck, mächtige Auspuffrohre. Vor allem in den USA ist der XB7 ein Renner. © Alpina

Sanftes Bollern statt rotzigem Röhren

Das fängt bei der Umsetzung der Leistung an. 621 PS kann man pubertär auf die Straße bringen oder so wie Alpina. Da röhrt kein Auspuff, da rotzt kein Rohr – mit einem satten Bollern der Auspuffanlage, die mit den tiefen Tönen einer ganzen Kontrabass-Batterie arbeitet, rollt man mit einem sanften Donnergrollen über die Autobahn. Bei Bedarf natürlich blitzschnell. Ein Blick auf die Kraftentwicklung zeigt die wahren Qualitäten des überarbeiten Bi-Turbo-Triebwerks. Schon bei 2000 U/min erreicht der Motor, der im Vergleich zum Serienmodell andere Lader und ein größeres Kühlsystem besitzt, sein höchstes Drehmoment von 800 Newtonmetern (Nm) und hält dieses Niveau auf diesem Plateau bis 5000 U/min. Damit ist man jederzeit souverän unterwegs. Sei es auf der Autobahn oder beim schnellen Überholen auf der Landstraße.

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Fahrwerk senkt sich um 40 mm ab

Souverän und kultiviert präsentiert sich auch das überarbeitete Fahrwerk des XB7. Die Zweiachsluftfederung lässt keine Wünsche offen. Weder in der extrem bequemen Auslegung bei Comfort+, mit der man auch lange Strecken auf der Autobahn entspannt wie in einem Business-Class-Sessel bewältigen kann, noch im rassiermesserscharfen Sport+-Modus, bei dem sich das Niveau des Fahrwerks um 40 Millimeter absenkt, um durch den tiefen Schwerpunkt höchstmögliche Dynamik und Wendigkeit zu erzielen. Dabei hilft die intelligente Kraftverteilung zwischen den Achsen und den Rädern. Und natürlich auch die Hinterachslenkung. Damit lässt sich das 5,15 Meter lange Schiff, grundsätzlich als 7-Sitzer ausgestattet, leichtfüßig bewegen. Und das trotz der 2,7 Tonnen Lebendgewicht. 

Alpina XB7 hintere Sitzreihe
Blick nach vorne von der dritten Sitzreihe aus. Der XB7 hat mit sieben Plätzen sogar Bus-Qualitäten. © Alpina

Alpina XB7 ein seltener Gast in Deutschland

Womit wir schon bei der dunklen Seite des flotten Allgäu-Flitzers sind. Sowohl CO2-Ausstoß (311 g / km) als auch Verbrauch (13,7 Liter offiziell, 15,3 beim Test) weisen Werte auf, die nicht mehr so ganz in die Zeit passen, in der die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt steht. Allerdings - und das wird in der Diskussion oft vergessen - geht es hier um geringe Stückzahlen und um andere Märkte als den europäischen. Den XB7 wird man selten auf deutschen Autobahnen sehen - denn dieser SUV ist einer für die Amerikaner. Dort dürfte man mit einem Alpina an der Tankstelle eher zu den Geringverbrauchern zählen. Unter all den Pick-Ups und Town-Cars schrumpfen dort sogar die für europäischen Verhältnisse fast furchterregenden Dimensionen eines X7.

Alpina XB7 Detail Mittelkonsole Kristallglas
Blau beleuchtetes Kristallglas. Beim XB7 von Alpina sind solche optischen Spielereien Serie. © Alpina

Kristallglas und Lavalina-Leder

Auch bei Preis und Ausstattung spielt der Alpina-SUV in der Oberliga. Los geht es bei 158.900 Euro. Dem Limit sind kaum Grenzen gesetzt, vor allem wenn man sich das Interieur von der Alpina-Manufaktur individuell gestalten lässt. Zum Beispiel von der eigenen Sattlerei. Sie arbeitet mit feinstem Lavalina-Leder. Selbst Rolls Royce bestückt mit diesem Stoff, der schwererer ausbleicht und fettabweisender ist als andere Lederarten, seine Fahrzeuge. Zur Serie zählen beim Alpina XB7 hingegen die coolen Glasapplikationen auf der Mittelkonsole. Gangschalter, Laustärke-Regler, i-Drive-Controller und Start-Stopp-Knopf sind aus Kristall und werden teilweise von innen heraus beleuchtet. Natürlich mit dem klassischen Alpina-Blau.

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Einer für Santa? Unser Fazit zum Alpina XB7

Größer geht kaum, stärker auch nicht. So richtig überzeugt hat uns allerdings die Kultiviertheit und Souveränität des XB7, die im krassen Gegensatz zu seinem mächtigen Äußeren steht. Leider wird das beim Facelift, das zumindest bei BMW 2022 ansteht, nicht besser. Dann riskiert auch dieses Fahrzeug vermutlich die von vielen Fans so stark kritisierte dicke Lippe mit dem gefräßigen Kühlermaul. Ho, ho, ho - wären wir Santa Claus, dann würden wir uns den heißen Schlitten mit seinen 621 Ren(n)tieren noch schnell vorher auf die Wunschliste setzen.

Technische Daten Alpina XB7

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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