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BMW Z4 im Fahrtest: Das Cabrio mit Spaß-Garantie

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Von: Rudolf Bögel

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BMW Z 4 Front
Hier macht das Fahren Freude - der Z 4 hat hält auch als Vierzylinder das Markenversprechen von BMW. © BERNHARD_LIMBERGER / BMW

Die Welt der Cabrios wird immer kleiner. Mit dem Z4 hat BMW noch einen Zweisitzer im Programm. Wie schneidet er im Vergleich zu seinem Vorgänger ab?

Leider ist der Buchstabe Z seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine in Verruf geraten. Früher stand er für Z wie Zorro, den berühmten Rächer der Unterdrückten, oder für mehr oder minder legendäre Roadsters von BMW. Der Z1 zum Beispiel. Das einzige Cabriolet der Welt, bei dem die Türen versenkbar sind. Nur 8.000 Mal gebaut in Handfertigung. Und teuer wie Gold. Für einen der mittlerweile mehr als 30 Jahre alten Oldtimern mit 10.000 Kilometern Laufleistung werden heutzutage schon mal 80.000 Euro aufgerufen. Oder der Z8. Der Luxusliner ohne Dach debütierte bei James Bond („Die Welt ist nicht genug“) und kostet mittlerweile ab 200.000 Euro aufwärts. Zwischen diesen Alpha-Tieren hat BMW kleine, wendige und auch erschwingliche Cabrios auf die Straßen gebracht. Den Z3 zum Beispiel oder den Z4. Letzteren gibt es mittlerweile in der dritten Generation. Für Fans hat er allerdings einen Geburtsfehler. Der neue Z4 wurde gemeinsam mit Toyota entwickelt. Ein Sündenfall – oder doch ein echter BMW?

BMW Z4 Seitenansicht
Donnerkeil aus Bayern. Der Sound des BMW Z 4 ist dezent aber laut genug, um das typische Roadster-Feeling zu erzeugen. © BERNHARD_LIMBERGER / BMW

In 5,4 Sekunden von 0 auf 100 – das ist ordentlich

Zugegeben. Wir sind skeptisch. Wir hatten einen Z4 im persönlichen Besitz. Den mit einem ordentlichen Sechszylinder, drei Liter Hubraum und 306 PS. Das war eine wirklich feine Maschine. Und jetzt steigen wir um auf einen 2,0-Liter-Vierzylinder. Der Kabarettist Gerhard Polt hat so einen Motor in einem Sketch mal als Nähmaschine bezeichnet. Auch übertrieben, weil der Bi-Turbo zwar nur zwei Liter Hubraum und zwei Brennkammern weniger hat, aber immerhin 258 PS auf die Straßen schickt und damit in den Z4 in 5,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100 bringt. Und damit um ganze zwei Zehntelsekunden schneller als der von uns so gelobte Vorgänger.

BMW Z4 Armaturenbrett Cockpit
Typisch BMW. Das Cockpit ist konsequent auf den Fahrer ausgerichtet, Klima und Radio lassen sich auf analoge Weise bedienen. © BERNHARD_LIMBERGER / BMW

Viel Drehmoment über einen langen Zeitraum

Zahlen sind das eine, Gefühle das andere. Den alten Sechszylinder im Herzen, starten wir den neuen Z4. Und sind gleich schon mal positiv überrascht. Der Auspuff klingt richtig gut, zurückhaltend, aber trotzdem kernig. Satt und rund. Besser als beim Vorgänger. Im Cockpit findet man sich sofort zurecht, da hat sich von der Aufteilung nicht viel geändert, nur der Bildschirm ist größer geworden. Doppelkupplungsgetriebe und Hinterachsantrieb – auch das sind zwei alte Bekannte. Nur beim Aussehen hat sich der Z4 gewaltig verändert. Aber das ist eine reine Geschmacksfrage. Dazu später. Gangwahlhebel rein, rauf aufs Gas – Überraschung. Der Vierzylinder ist agil und trotzdem geschmeidig. Ein munteres Kerlchen werkelt da unter der lang gestreckten Motorhaube und wer da glaubt, dass ihm irgendwann die Luft ausgeht, der irrt. Sein Drehmoment von 400 Newtonmetern (Nm) hält er von 1.550 bis 4.400 Umdrehungen pro Minute (min) über einen erstaunlich langen Bereich. Dass wir bei so viel Spaß kaum mit den angegebenen Verbrauchswerten von 7,1 Liter hingekommen sind, ist ja schon fast eine logische Folge. In Wahrheit waren es neun Liter.

BMW Z4 Detail digitales Cockpit
Das Grafik-Desing beim digitalen Tacho ist zweckmässig aber trotzdem lässig. Hier die Ausführung beim Spitzenmodell M 40i. © BMW

Tiefer Schwerpunkt, Gewichtsverteilung 50:50

Verbrenner bauen – das können sie bei BMW. Fast schade, dass diese Disziplin sukzessive verloren gehen wird und im Jahr 2035 dann vor dem endgültigen Aus steht. Zumindest in Europa. Die Frage ist: Wo soll dann die Freude am Fahren herkommen, wenn auf Elektromotoren umgestellt wird, die, abgesehen von der Leistung, kaum mehr Überraschungen zu bieten haben. Wer Autos wie den Z4 testen darf, hat jetzt schon eine Antwort auf die Frage. Dann ist das Fahrgefühl entscheidend. Also die gute alte Straßenlage. Und da setzt das Cabriolet ein echtes Ausrufezeichen. Durch die optimale Gewichtsverteilung von 50:50 auf Vorder- und Hinterachse und den tiefen Schwerpunkt liegt dieser BMW auf der Straße wie ein Brett. Komfortabel, wenn man will. Hart, wenn man den so genannten „Fahrerlebnisschalter“ auf Sport oder Sport plus einstellt. Ist es nicht herrlich, die Straßen direkt am Hinterteil zu spüren und sich den lauen Abendwind um die Nase wehen zu lassen? Feinfühlig, aber trotzdem mit einer präzisen Rückmeldung reagiert das Lenkrad, das Ein- und Ausschwingen in die Kurven erinnert an den perfekten Slalom auf der Skipiste. Im Gegensatz zum Vorgänger ist das Handling viel einfacher. Der alte Z4 konnte manchmal schon ein bockiger Zeitgenosse sein, mit einem starken Drang, das Heck in den Kurven kommen zu lassen. Für Feinschmecker ein Genuss, für Otto Normalfahrer immer ein Tick zu sportlich.

BMW Z4 Detail Mittelkonsole Gangwahlhebel
Startknopf und die wichtigsten Fahrfunktionen sind in der Mittelkonsole untergebracht ebenso wie der Wählknopf fürs Infotainment. © BERNHARD_LIMBERGER / BMW

Wo ist der dezente Charme des Vorgängers hin?

Einen noch deutlicheren Unterschied zwischen den zwei Z-Generationen entdeckt man beim Aussehen. Was heißt entdecken? Da stolpert man beim ersten Anblick schon darüber. Denn alles, was beim alten Z4 rund war, ist hier eckig. Freundlich ausgedrückt: Der neue Z4 ist ein echter Expressionist. Übersetzt heißt das so viel wie „die Kunst des gesteigerten Ausdrucks“. Das fängt bei der Frontpartie an, die zwar eine flach gezeichnete Niere besitzt, die aber von massiven Lufteinlässen darunter fast zum Statisten degradiert wird. Und das hört am Heck auf, das mit seiner barocken Formensprache ziemlich angeberisch wirkt. Der dezente Charme des Vorgängers ist dabei verloren gegangen und damit auch die feine Eleganz, mit der sich BMW so viele Fans erarbeitet hat. Schön hingegen, dass BMW das alte Blechdach mit einem Stoffverdeck ersetzt hat. Das sieht nicht nur besser aus, sondern passt einfach besser zu einem echten Cabriolet. Abgesehen davon, dass das ziemlich viel Gewicht spart. Der neue Z4 ist um 150 Kilogramm leichter, obwohl er mehr Technik an Bord hat.

BMW Z4 Heckansicht
Skulptural zerklüftet präsentiert sich das Heck des BMW Z 4. Ein moderner Barockengel aus München. © BERNHARD_LIMBERGER / BMW

Unser Fazit zum neuen Z4 – schlägt er den Vorgänger?

Soll man sich den neuen Z4 als Cabrio-Fan anschaffen oder nicht? Abgesehen vom nicht gerade günstigen Preis (der 30i startet bei stattlichen 52.000 Euro) ist diese Entscheidung eine reine Geschmacksfrage. Wem das expressive Design gefällt, dann nur zu. Der Z4 ist ein echter BMW mit eingebauter Spaß-Garantie. Und wer mit den skulpturalen Formen hadert, dem sei der Gebrauchtwagenmarkt empfohlen. Den Z4 sDrive 35 i kann man mit wenigen Kilometern ab 30.000 Euro erwerben. Rudolf Bögel

Technische Daten BMW Z4 sDrive30i

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