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Winter in der Diaspora

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Hoffnung in der Diaspora: Der neue katholische Pfarrer für Heringen, Philippsthal und Friedewald, Samuel Rapu (rechts), freut sich über die acht Kinder, die in diesem Jahr die Firmung erhalten werden und die sich schon auf dem Plakat verewigt haben. Links Pfarrer Bela Horvath aus Schleid, der den Amtsbruder aus Afrika bei den Verwaltungsaufgaben unterstützt.  Foto: z
Hoffnung in der Diaspora: Der neue katholische Pfarrer für Heringen, Philippsthal und Friedewald, Samuel Rapu (rechts), freut sich über die acht Kinder, die in diesem Jahr die Firmung erhalten werden und die sich schon auf dem Plakat verewigt haben. Links Pfarrer Bela Horvath aus Schleid, der den Amtsbruder aus Afrika bei den Verwaltungsaufgaben unterstützt. Foto: z

Heringen. Der 41-jährige katholische Priester Samuel Rapu stammt aus dem tiefen Süden Nigerias. Seit vier Jahren wohnt er in Deutschland, einen Winter wie den gegenwärtigen hat er jedoch noch nicht erlebt. „Aber weil Menschen hier leben, glaube ich, dass man hier auch überleben kann“, sagt der Afrikaner lächelnd und in fast akzentfreiem Deutsch.

Samuel Rapu ist seit dem 4. Advent der neue katholische Pfarrer in Heringen, zuständig damit auch für die Katholiken in Philippsthal, Friedewald und im nördlichen Teil der Gemeinde Hohenroda.

Verwaltungshilfe

Bei der Verwaltung seines großen Bezirks mit den vergleichsweise wenigen Kirchenmitgliedern unterstützt ihn sein Amtsbruder Bela Horvath aus Schleid im Geisaer Amt. Pfarrer Horvath ist der Vorsitzende oder Moderator des katholischen Pfarrverbunds St. Elisabeth mit fünf Pfarrgemeinden und elf Kirchen im Ulster-, Felda- und Werratal. Mit dieser Konstruktion will die Kirchenleitung in Fulda das Überleben der Gemeinden in der Diaspora sichern.

Sein Bischof hat Samuel Rapu nach Deutschland geschickt, zu einem Aufbaustudium an der kirchlichen Hochschule St. Georgen in Frankfurt. Da war er schon seit acht Jahren Priester. „Ich konnte kein Wort Deutsch und hatte nur den Glauben an Gott“, erinnert sich der neue Pfarrer. Das Studium läuft parallel zum Gemeindedienst weiter, bis 2011.

Nach seinen bisherigen Wohn- und Wirkungsorten Frankfurt und Bad Homburg erlebt Samuel Rapu in Heringen so etwas wie seinen zweiten Kulturschock, nicht nur temperaturmäßig, auch wenn er selbst es nicht so nennt. Statt gut besuchter Sonntagsmessen zelebriert er nun Gottesdienste mit durchschnittlich zwanzig Besuchern in St. Robert gegenüber dem Heringer Rathaus, wenn man von den weihnachtlichen Christmetten absieht. Der Altersdurchschnitt der Katholiken im Werratal ist hoch, acht Anwärter auf die Firmung in diesem Jahr sind immerhin ein Zeichen der Hoffnung.

Andere Seite der Kirche

„So kann ich aber auch eine andere Seite der Kirche kennen lernen“, räumt Rapu ein. Er freut sich über hilfsbereite Gemeindemitglieder und dass ihn die Menschen in Heringen auf der Straße grüßen. Die Einladung des evangelischen Pfarrers Dr. Thorsten Waap, an der Gestaltung der Kirchschicht, des traditionellen Bergmanns-Gottesdienstes im Februar, mitzuwirken, hat er gerne angenommen.

Mit Diplomatie

Rapus Vorgänger Hans Stein hat nach etwas über einem Jahr Heringen wieder verlassen und ist nun in Eschwege eingesetzt. Spannungen innerhalb der Gemeinde über den richtigen Kurs führten zum Bruch. In den kommenden Wochen wollen die Pfarrer Rapu und Horvath behutsam und mit Diplomatie die innerkirchliche Gremienarbeit wiederbeleben. Eine Aufgabe, der sich Samuel Rapu mit dem ihm eigenen Gottvertrauen stellt.

Von Peter Lenz

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