Kritiker fordern neues Gutachten

Windpark Waltersberg: Furcht vor Eilverfahren

Herfa/Friedewald. Ein neutrales naturschutzfachliches Gutachten für den geplanten Windpark Waltersberg fordert die Bürgerinitiative für ein l(i)ebenswertes Friedewald in einer Pressemitteilung.

Sie befürchtet, dass der Windpark zwischen Herfa, Unterneurode und Friedewald noch in diesem Jahr vom Regierungspräsidium Kassel im Eilverfahren genehmigt werden könnte. Und zwar gewissermaßen als Wiedergutmachung für die Ablehnung des Windparks Gaishecke. So zumindest ließen sich Aussagen deuten, welche die BI auf informellem Weg erhalten haben will.

Auf Überprüfung gehofft

Dabei, so argumentieren die Windkraftkritiker, hätten gerade viele Menschen in der Region gehofft, dass durch das Ergebnis des Rastvogelmonitorings für den Rhäden bei Obersuhl, das zu der Ablehnung für den geplanten Windpark Gaishecke geführt hat (unsere Zeitung berichtete), weitere Windkraftstandorte in der Nähe auf den Prüfstand kämen.

Insbesondere die Qualität der vorgelegten Gutachten der vom Investor Enercon beauftragten Gutachter Schmal und Ratzbor sei kritisch zu hinterfragen: Die Gutachter hätten immer wieder ihre Unterlagen nachbessern müssen, zudem sei ihnen im Nachbarland Thüringen im Jahr 2010 der Mangel an sachkundiger Kompetenz durch das Verwaltungsgericht in Gera bescheinigt worden, teilt die BI weiter mit. „Würde der Bauantrag jetzt noch durchgewunken, dann könnte sofort mit dem Bau beziehungsweise der Rodung der Flächen auf dem Waltersberg begonnen werden, trotz aller Widersprüche und Bürgerproteste sowie den aktuellen Erkenntnissen der Naturschützer“, heißt es in der vom zweiten Vorsitzenden Friedhelm Schönewolf unterzeichneten Erklärung.

Hintergrund

BI zweifelt an Bürgervotum

Der geplante Windpark Waltersberg mit zehn Anlagen zwischen Herfa, Unterneurode und Friedewald beschäftigt seit dem Jahr 2008 Anwohner und Kommunalpolitik. Die Heringer Stadtverordnetenversammlung hatte sich ursprünglich gegen eine Vorrangfläche ausgesprochen. Bei einem Bürgervotum im Februar 2009 stimmten 166 Herfaer für einen Windpark, 127 dagegen, sieben enthielten sich. Das Stadtparlament sprach sich daraufhin für eine Aufnahme in den Regionalplan aus. Nach Ansicht der im Jahr 2014 gegründete Bürgerinitiative Friedewald werfen die Umstände der zur Amstszeit des damaligen Bürgermeisters Hans Ries initiierten Umfrage allerdings Fragen auf. Die BI verweist auf eigene Um- und Nachfragen in der Bevölkerung in Lautenhausen und Herfa, welche die „alte Abstimmung“ wiederlegten, da sich die Befragten klar gegen den Bau des Windparks Waltersberg ausgesprochen hätten. Ausschlaggebend für den „Sinneswandel“ seien unter anderem die Erkenntnisse über den massiven Neubau von Windkraftparks rund um Friedewald, heißt es in der Pressemitteilung der Bürgerinitiative. (red/jce)

Die Antragsunterlagen für den Bau des Windparks lägen vollständig vor, teilte der Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel, Michael Conrad, auf Anfrage unserer Zeitung zum aktuellen Stand des Genehmigungsverfahrens mit. Die Fachbehörden seien jetzt bis zum 12. Dezember zur Stellungnahme aufgefordert, wobei die meisten Stellungnahmen bereits vorlägen. Ein Abschluss des Genehmigungsverfahrens noch in diesem Jahr sei durchaus möglich. „Das hat allerdings nichts mit einem von der BI unterstellten Eilverfahren zu tun. Auch der unterstellte Zusammenhang mit einem anderen Verfahren ist ausgeschlossen“, betont der Pressesprecher des Regierungspräsidiums.

Sämtliche der Behörde vorliegenden Informationen würden bei der Prüfung des Antrags einbezogen, erklärt Conrad. Dazu gehöre auch das Rastvogelmonitoring, welches ausschlaggebend für die Ablehnung des Windparks Gaishecke war. Ein weiteres Gutachten sei nach derzeitigem Stand nicht erforderlich, teilt Conrad mit.

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