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Von wegen Winterschlaf

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Gelandet: Diese Biene hat sich auf einer Rapspflanze niedergelassen.  Foto: dpa
Gelandet: Diese Biene hat sich auf einer Rapspflanze niedergelassen. Foto: dpa

Malkomes. Wenn der Winter regiert, dann sind sie verschwunden: die Bienen. Aber was machen die kleinen Honigproduzenten, wenn nur noch Eisblumen blühen? Winterschlaf? Das Klima im Süden genießen? Antworten gibt Hobby-Imker Dieter Sandlos aus dem Schenklengsfelder Ortsteil Malkomes: „Die Bienen sind jetzt in der Wintertraube. Sie schlafen aber nicht, sie verhalten sich einfach ruhig.“

Die Hautflügler kuscheln sich ganz eng in ihren Nestern – bei Sandlos sind es Styroporkisten – aneinander. Pro Kasten ein Volk. Dabei bilden sie die sogenannte Wintertraube, die wie ein Kreis aussieht. Der Effekt ist, dass die Insekten dadurch Wärme produzieren. 34 Grad herrschen in der Traube. Bei dieser Temperatur überstehen die Bienen den Winter, ohne zu erfrieren.

„Es kommt aber auch mal vor, dass ein Volk nicht überlebt“, sagt der 62-Jährige. Doch bislang sieht die Bilanz bei seinen 100 Völkern gut aus. Als er seinen Bienenstand am Lämmertal mit 30 Nestern aufsucht, sind seine Schützlinge wohl auf. Kaum klappt Sandlos den Deckel einer Kiste auf, hört man sie schon summen und surren. Sie krabbeln übereinander und aneinander entlang und lassen sich sogar streicheln. Ganz warm und weich fühlen sich ihre pelzigen Körper an. „Die Königin legt jetzt schon Eier“, erklärt der Rentner.

Zucker als Ersatzfutter

Damit die Bienen die kalte Zeit überstehen, brauchen sie auch Nahrung. Im Frühjahr und im Sommer sammeln sie Nektar und machen daraus Honig, den sie im Winter essen. Da der Honig aber regelmäßig von Sandlos geerntet wird, wendet er einen Trick an: Statt des Honigs bekommen sie eine Zuckerlösung.

Wann die Bienen ihr Nest im März oder April verlassen, entscheidet das Wetter. Erst, wenn das Thermometer über zehn Grad anzeigt, werden sie wieder richtig aktiv. „Sie merken das ganz einfach automatisch“, sagt Sandlos, der schon als Jugendlicher mit der Bienenzucht begonnen hat.

Wer nun denkt, dass die fleißigen Tiere gleich nach Verlassen der Wintertraube wieder mit der Arbeit beginnen, der irrt. Schließlich haben sie seit Mitte November nur ihr Nest von innen gesehen und ordentlich gegessen. Wer kann es ihnen da verübeln, dass sie zuerst aufs Klo müssen. Sandlos weiß: „Beim ersten Flug des Jahres entleeren die Bienen ihre Kotblase. Erst danach suchen sie nach Blumen und Blüten.“ Informationen gibt es auf www.blumenbiene.de, Dieter Sandlos’ Internetseite. Dort kann man auch den Honig seiner Bienen bestellen.

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Von Dorothea Backovic

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