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Vater Hartz und Counterstrike

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Praktische Erfahrung mit Ballerspiel: Berufsfachschüler Fabian Reeh erklärt den Lehrerinnen Kirsten Sigl (rechts) und Claudia Fink , wie „Counterstrike“ funktioniert. Foto: z
Praktische Erfahrung mit Ballerspiel: Berufsfachschüler Fabian Reeh erklärt den Lehrerinnen Kirsten Sigl (rechts) und Claudia Fink , wie „Counterstrike“ funktioniert. Foto: z

Heimboldshausen. Gute Ideen, ein spielfreudiges Team, eine simple Digitalkamera mit Video-Funktion und ein Schnittprogramm auf dem Computer reichen aus, um Videoclips mit deutlichen Botschaften und einer eindringlichen Bildersprache zu drehen. Das bewiesen in den vergangenen beiden Tagen Schülerinnen und Schüler der zweijährigen Berufsfachschule für Sozialwesen und angehende Sozialassistenten an den beruflichen Schulen Heimboldshausen.

Perspektivenwechsel

Unter Anleitung der Medienpädagogen Beate Feyerabend und Helge Nynke von der Firma Kontextmedien absolvierten die jungen Leute ein medienkundliches Seminar, an dessen Ende auch ein Perspektivenwechsel stand: Jugendliche brachten ihren Lehrerinnen und Lehrern bei, wie man sich in den so genannten Social Networks des Internets bewegt, wie man bei Spielen wie „Counterstrike“ den bewaffneten Straßenkampf auf dem Bildschirm probt und welche Gefühle dabei freigesetzt werden.

Die Videoclips entstanden in kleinen Gruppen innerhalb eines Schultages – von der Ideensuche über Rollenbesetzung und Storyboard, Aufnahmen und Schnitt der Endfassung. Dabei ging es um Mobbing in der Schule, Standhaftigkeit gegenüber alkoholischen Verlockungen und um die Gefahr zwielichtiger Internet-Bekanntschaften.

Einen satirischen Ansatz wählte die einzige von Jungen dominierte Arbeitsgruppe. Deren Sprecher beugte bei der Präsentation gestern möglichen Missverständnissen vor: „Vater Hartz und seine IV Kinder“ – so der Titel des Kurzfilms – sei als Persiflage auf die Doku-Soaps im Fernsehen zu verstehen und nicht etwa als Diskriminierung von Unterschicht-Familien.

Mit dem Clip „Falle Internet“ gelang es dem betreffenden Team, das Thema Vergewaltigung umzusetzen, ohne den Übergriff selbst zu zeigen.

„Für mich fangen Medien bei den Höhlenmalereien an, mit denen bereits Menschen ihre Wünsche in Bildern ausdrückten“, erläuterte Seminarleiterin Beate Feyerabend. Heutzutage sei es angesichts der Flut von Bildern und Informationen wichtig, unterscheiden zu lernen: Was ist wahr, was ist Fiktion?

Die zweitägige Veranstaltung in Heimboldshausen wurde von mehreren hessischen Ministerien gemeinsam finanziert. Birgit Licht und Christoph Lau, Lehrkräfte an den Beruflichen Schulen in Heimboldshausen, waren während einer Fortbildungsveranstaltung auf das Angebot von Kontextmedien und die staatliche Förderung aufmerksam geworden und hatten sich darauf hin um den Termin bemüht.

Von Peter Lenz

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