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Textsicherer Nachwuchs

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Noch einmal die Balkonszene, 29 Jahre später: Romeo (Christian Schiel) und Julia (Madeline Schneider) arbeiten an ihrer gestörten Beziehung. Szene aus der Premiere von „Es war die Lerche!“ am Freitagabend in Heringen. Foto: Lenz
Noch einmal die Balkonszene, 29 Jahre später: Romeo (Christian Schiel) und Julia (Madeline Schneider) arbeiten an ihrer gestörten Beziehung. Szene aus der Premiere von „Es war die Lerche!“ am Freitagabend in Heringen. Foto: Lenz

Heringen. Lang anhaltender Beifall eines begeisterten Publikums belohnte am Freitag die Akteure auf und hinter der Bühne nach reichlich zwei Stunden witziger Wortgefechte und kühner Vers-Konstruktionen im Stil William Shakespeares. Das junge Ensemble der Theater-AG an der Heringer Werratalschule überzeugte am Premierenabend im Bürgerhaus mit seiner Version des Lustspiels „Es war die Lerche!“ von Ephraim Kishon die zahlreich erschienenen Zuschauer. Wochenlange Probenarbeiten unter der bewährten Regie von Marlies Knoth fanden so ihren erfolgreichen Abschluss. Die Anerkennung für die spielerische und technische Leistung des Teams fasste der stellvertretende Schulleiter Gerhard Ferenzkiewicz in Worte.

Selbstmord überlebt

Für seine Satire auf Ehe und Familienleben hat Kishon Shakespeares klassisches Liebesdrama „Romeo und Julia“ weitergesponnen. Bei ihm haben Romeo und Julia den gemeinsamen Selbstmord überlebt und stehen nun, 29 Jahre später, vor den Trümmern ihrer Beziehung. Der mittellose Ballettlehrer Romeo Montague liebt nur noch seine Wärmflasche, die zänkische Julia will unbedingt ein Dienstmädchen haben und beiden geht die halbstarke Tochter Lucretia auf die Nerven.

Entsetzt von der Entwicklung seiner Figuren erscheint der Geist William Shakespeares, um die Geschichte doch noch nach seiner Vorstellung zu beenden.

Text- und posensicher und mit deutlicher Freude an den scharfzüngigen Dialogen spielten Madeline Schneider und Christian Schiel die beiden Hauptrollen. Während sie sich einer prosaischen Alltagssprache bedienten, blieb Shakespeare, gespielt von Kira Leuschner, seinem gedrechselten Versmaß treu - eine besondere Herausforderung für die junge Darstellerin, die von der Maske in ein verblüffendes Ebenbild des englischen Dichterfürsten verwandelt worden war.

Denise Strube als Julias Amme, Johanna Bach als Pater Lorenzo und Theresa Rimbach als phlegmatisch-verzogene Tochter Lucretia vervollständigten das Ensemble und sorgten für komödiantische Schlaglichter. Nicht zu vergessen der kleine Niclas Schneider, der als Hund der Montagues auf allen Vieren über die Bühne huschte. Florian Köhler deklamierte als Shakespeare II mit Schreibfeder und Bücherstapel am Bühnenrand die jeweils passenden echten Zitate aus dem Werk des Dichters.

Am Ende schien es für einen Moment, als hätten sich Romeo und Julia gegenseitig Gift in den Wein geschüttet. Doch kaum war der zufriedene Shakespeare verschwunden, erwachten die beiden wieder zum Leben und setzten ihren Streit darüber fort, ob denn nun damals in Verona die Nachtigall oder die Lerche den Morgen verkündet hatte.

Von Peter Lenz

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