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Wüstfelder Ortsbeirat sorgt sich um Wahrzeichen des Dorfs

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Der Ortsbeirat von Wüstfeld sorgt sich um das Wahrzeichen des Schenklengsfelder Ortsteils.

Sorgen sich ums Wüstfelder Wahrzeichen: Die Ortsbeiratsmitglieder (von links) Jutta Reinhardt, Nadine Reinhardt, Julia Bock, Carsten Faust und Christian Wenzel hoffen, dass durch eine Reparatur schlimmere Schäden am Wassertrum verhindert werden. Weil das Bauwerk nur über Privatgrundstücke zugänglich ist, wurde im Jahr 2009 eine Infotafel zur Geschichte am Straßenrand aufgestellt.
Sorgen sich ums Wüstfelder Wahrzeichen: Die Ortsbeiratsmitglieder (von links) Jutta Reinhardt, Nadine Reinhardt, Julia Bock, Carsten Faust und Christian Wenzel hoffen, dass durch eine Reparatur schlimmere Schäden am Wassertrum verhindert werden. Weil das Bauwerk nur über Privatgrundstücke zugänglich ist, wurde im Jahr 2009 eine Infotafel zur Geschichte am Straßenrand aufgestellt. © Jan-Christoph Eisenberg

Auch wenn es im ersten Moment paradox klingt: Der im Jahr 1932 gebaute und Anfang 1933 eingeweihte Wasserturm hat einen Wasserschaden.

Wüstfeld - Dabei waren Fassade und Dach des 22 Meter hohen Bauwerks erst in den Jahren 2007/2008 umfangreich erneuert worden – mit tatkräftiger Unterstützung in Form von Spenden und rund 500 unentgeltlichen Arbeitsstunden der Einwohner, die unter anderem den kompletten Anstrich in Eigenleistung übernahmen. „Wir hatten eigentlich gehofft, dass der Trum damit in Ordnung ist und in den kommenden Jahren keine größeren Arbeiten mehr anfallen“, sagt Ortsvorsteherin Julia Bock. Rückblickend habe sich jedoch die von der Gemeinde gewählte Dacheindeckung aus Bitumenschindeln für ein Gebäude dieser Höhe als wenig geeignet erwiesen.

Das Dach sei bereits wieder undicht. Wasser gelange ins Turminnere, dringe in die porösen Steine am Ring des Turmaufbaus ein und lasse diesen ausbrechen. Auf die Schäden habe der Ortsbeirat die Gemeindeverwaltung erstmals im Jahr 2018 hingewiesen. Behoben worden sei das Problem bislang jedoch nicht, wenngleich im Haushalt der Kommune in den beiden vergangenen Jahren bereits Geld für die Arbeiten bereitgestanden habe. „Je länger man wartet, desto größer werden die Schäden“, warnt Ortsvorsteherin Julia Bock. Hinzu komme die allgemeine Baukostensteigerung, ergänzt Ortsbeiratsmitglied Carsten Faust. Der Ortsbeirat befürchtet deshalb, dass sich die Reparatur mit jedem Jahr Aufschub weiter verteuern wird. Im schlechtesten Fall stehe am Ende eine Summe im Raum, die für die Gemeinde nicht mehr leistbar ist.

Das allerdings möchte das Gremium verhindern. Es hat Kontakt zu den Baubehörden und dem Landeskonservator aufgenommen. Im vergangnen Sommer habe bereits ein Ortstermin mit Vertretern der Denkmalpflege stattgefunden. Hoffen lässt Julia Bock und ihre Mitstreiter die jüngste Auskunft aus dem Rathaus, dass eine Sanierung vorbereitet werde und dafür eine finanzielle Förderung aus zwei Programmen in Aussicht stehe. Für die Wüstfelder, betonen die Mandatsträger, habe das technische Baudenkmal einen hohen Stellenwert – wenngleich der Turm seine Funktion als Wasserspeicher schon 1984 verloren hat. Das Bauwerk, das in diesem Jahr 90. Geburtstag feiert, präge aber als Identifikationsmerkmal und weithin sichtbares Wahrzeichen die „Skyline“ des Dorfes. Deren Silhouette haben längst auch örtliche Vereine und Firmen in ihr Logo übernommen.

Das sagt der Bürgermeister: Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die vor 13 Jahren gewählte Art der Dacheindeckung die Ursache für die neuerlichen Schäden am Wüstfelder Wassertrum ist.

Das technische Baudenkmal sei 2007 für knapp 30 500 Euro saniert worden. „Bedauerlicherweise hat man sich damals für die Eindeckung des Daches mit Bitumenschindeln entschieden, obwohl ein Kupferdach genehmigt war. Diese haben sich aufgrund der Sonneneinstrahlung über die Jahre gelockert. Bei Sturm werden diese nun durch den Wind angehoben und es kann Wasser in das Baudenkmal eindringen“, erklärt der Rathauschef. Gewährleistungsansprüche für die vor 13 Jahren von einer Firma ausgeführten Arbeiten habe die Gemeinde geprüft. Diese Prüfung sei jedoch negativ ausgefallen.

Im Haushalt 2020 seien für die Reparatur 50 000 Euro veranschlagt gewesen und als Haushaltsrest in den Haushalt 2021 übertragen worden. Allerdings reiche diese Summe für die Arbeiten am Turm nicht aus. „Die Reparaturkosten belaufen sich auf rund 60 000 Euro, wobei das Gerüst, genau wie in 2007, den teuersten Kostenfaktor darstellt“, verdeutlicht Carl Christoph Möller. Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit sei die Gemeinde verpflichtet, in Frage kommende Förderprogramme zu prüfen. In Betracht gezogen worden seien sowohl eine etwa zehnprozentige Förderung als auch eine 90-prozentige Förderung. Parallel seien die Planungen veranlasst worden. Im vergangenen Dezember habe die Gemeindevertretung beschlossen, die 90-prozentige Förderung für Projekte mit höherer Priorisierung einzusetzen. Das Gemeindeparlament hatte in dieser Sitzung Maßnahmen für das Programm Hessenkasse benannt (unsere Zeitung berichtete).

„Sofern der Haushaltsrest in Höhe von 50 000 Euro durch die Gemeindevertretung in das Haushaltsjahr 2023 übertragen wird, kann die Zehn-Prozent-Förderung beantragt werden und die Sanierungsarbeiten könnten nach Erteilung des Förderbescheides beginnen, wenn Handwerker verfügbar sind“, so der Rathauschef. Die Priorität der Gemeinde liege zur Zeit auf nachzuholenden Pflichtaufgaben, um Millionenstrafen zu vermeiden. „Die Pflichtaufgaben aus 2008 wurden in 2021 abgeschlossen. Nun folgen 2009 fortfolgende. Ich finde es schade, dass der Ortsbeirat mit dem Bürgermeister über die Presse kommuniziert. Allen Beteiligten ist die finanzielle Situation der Gemeinde Schenklengsfeld bekannt“, merkt Möller abschließend an.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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