Veranstaltung mit "Generalin" Nancy Feaser

SPD im Kreis Hersfeld-Rotenburg würdigt Frauenwahlrecht

+
Erinnerten an die Einführung des Frauenwahlrechts: Die ASF-Vorsitzende Claudia Reiners, der Landtagsabgeordnete Torsten Warnecke und Christa Landsiedel dankten Nancy Faeser für ihren engagierten Vortrag.

Schenklengsfeld. Die SPD im Kreis hat mit einer Veranstaltung an die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 erinnert. Gastrednerin war Generalsekretärin Nancy Faeser.

„Hört endlich die Wahrheit! Lasst Euch aufklären!“ – so appellierte die Hersfelder SPD in ihrer Wahlwerbeanzeige, die am 11. Januar 1919 in der Hersfelder Zeitung erschien, gerichtet an alle wahlberechtigten Frauen und „Jungfrauen“ sowie an alle Dienstmädchen.

Am 19. Januar, dem 100. Jahrestag der ersten Nationalratswahl, bei der auch Frauen wahlberechtigt waren, erinnerte die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen gemeinsam mit dem SPD-Unterkreis Hersfeld im Tafelhaus Steinhauer in Schenklengsfeld an diesen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern.

Die hessische SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser betonte als Gastrednerin, dass die Einführung des Frauenwahlrechts zwar unzweifelhaft ein großer Schritt gewesen sei, dass es aber seit 1919 erst nach und nach weitere Schritte in Richtung Gleichberechtigung gegeben habe, und dass bis heute Frauen in mehrfacher Hinsicht benachteiligt würden. Zwar habe sich in den letzten 100 Jahren bereits vieles zum Besseren verändert, aber es bliebe, so Faeser, immer noch viel zu tun.

Lange wurde behauptet, dass Frauen wegen ihrer Stimme und ihrer „leichten Erregbarkeit“ grundsätzlich untauglich für die politische Arbeit seien. Zudem, so Faeser, hätte man Sorge gehabt, dass die Politik Frauen von ihrer „natürlichen Bestimmung“ entfremden könnte. Das Frauenwahlrecht sei jedoch nicht plötzlich eingeführt worden, sondern nach einem lang andauernden Prozess, in dem die SPD und die sozialistischen Frauen eine wichtige Rolle gespielt hätten. 

Bereits 1891 nahm die Partei auf Initiative von Clara Zetkin die Forderung nach dem Frauenwahlrecht in ihr Erfurter Programm auf und 1895 wurde ein diesbezüglicher Antrag August Bebels unter Gelächter im Parlament abgelehnt.

Aus der Geschichte ließe sich leicht erkennen, dass eine Errungenschaft wie das Frauenwahlrecht keine Selbstverständlichkeit sei: Die Nationalsozialisten verwehrten den Frauen nach 1933 faktisch das passive Wahlrecht. Und auch bis zur formalen Gleichberechtigung dauerte es noch, wie Faeser ausführte: Erst 1973 wurde die Position von Frauen im Familienrecht gestärkt und noch bis 1977 benötigten Frauen die Erlaubnis ihres Ehemannes, um einem Beruf nachgehen zu dürfen.

Und bis zur tatsächlichen Gleichstellung sei es auch jetzt noch ein weiter Weg. Immer noch gäbe es eine erhebliche Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Eine von mehreren wichtigen Maßnahmen sei, so Faeser, die Aufwertung der sozialen Berufe. Nancy Faeser warnte davor, Frauenrechte als Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Sie wies darauf hin, dass es auch heute Parteien und Kräfte gäbe, die die Rechte von Frauen einschränken wollten. Frauenrechte seien nicht nur Rechte für Frauen, sondern Menschenrechte.

Von Ute Janßen

Kommentare