Schenklengsfelder Spezialmarkt schließt

Traditionsunternehmen Ley stellt nach 86 Jahren mangels Nachfolger den Betrieb ein

Führt die Firma Ley in dritter Generation: Inhaber Wolfram Rexroth geht in den Ruhestand und schließt das Traditionsgeschäft. Derzeit läuft der Räumungsverkauf.
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Führt die Firma Ley in dritter Generation: Inhaber Wolfram Rexroth geht in den Ruhestand und schließt das Traditionsgeschäft. Derzeit läuft der Räumungsverkauf.

Das Wortspiel „Allerley“ drängte sich für die Firma Ley Spezialmarkt geradezu auf. Denn in dem Schenklengsfelder Traditionsgeschäft gab es fast nichts, was es nicht gab.

Schenklengsfeld - Haushaltswaren und Geschirr gehörten ebenso zum Angebot wie Geschenkartikel und Spielzeug, Werkzeuge, Eisenwaren, Heimwerker- und Gartenbedarf, Rasenmäher und Kettensägen, Gartenmöbel, Forstbekleidung, Reparaturservice, Postagentur, Kopiershop, Schlüsseldienst und eine Waschanlage. Bis 2011 war auch eine Baustoff-Abteilung angegliedert und bis 1980 wurden – zeitweise mit Filialen in Hünfeld und Heimboldshausen – Landmaschinen verkauft und gewartet.

„Als Nahversorger haben wir unser Sortiment immer nach den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet. Vergoldete Wasserhähne gab es bei uns nie“, betont Inhaber Wolfram Rexroth, der das Traditionsunternehmen gemeinsam mit seiner Frau Martina in dritter Generation führt. Nun allerdings endet die 86-jährige Firmengeschichte: Seit Montag läuft der Räumungsverkauf, bis spätestens Mai soll der Warenbestand mit Rabattaktionen unter die Kunden gebracht sein.

Im gesamten Landecker Amt und weit darüber hinaus war die Firma Ley über Jahrzehnte hinweg eine feste Größe. Den Grundstein dafür legte der Schmiedemeister Heinrich Ley im Jahr 1935. 1950 heiratete Wolfram Rexroths Vater Paul in Familie und Firma ein. Dessen Sohn, der heutige Inhaber, ist seit dem Jahr 1982 in dem Familienbetrieb tätig. Unter seiner Führung wurde das 1963 neu errichtete Ladengeschäft im Jahr 1989 zum „Einkaufspark Landeck“ ausgebaut, der auch einen Edeka-Markt des Kaufmanns Thorsten Hellwig beherbergt.

Grund für die Geschäftsaufgabe seien nicht etwa wirtschaftliche Gründe, betont Rexroth. Vielmehr fehle schlicht ein Nachfolger. „Meine beiden Söhne haben sich für einen anderen beruflichen Weg entschieden“, erzählt der 64-Jährige. Auch aus den Reihen der Mitarbeiter oder von außerhalb habe sich kein Interessent gefunden, der das Unternehmen weiterführen wollte. „Unser Sortiment ist auf dem Dorf auf Dauer wohl nicht mehr darstellbar und die Arbeitszeiten im Einzelhandel sind alles andere als attraktiv“, erklärt Rexroth. Hinzu komme die Konkurrenz durch den Online-Handel.

Wehmut sei bei ihm angesichts des bevorstehenden Endes bislang nicht aufgekommen: „Das Geschäft war 40 Jahre lang unser täglich Brot. Ich werde 65 – der richtige Zeitpunkt, um an den Ruhestand zu denken.“ Die meisten Stammkunden hätten mit Bedauern, aber auch Verständnis auf seine Entscheidung reagiert. „Weil ich viele von ihnen noch einmal sehe, macht der Räumungsverkauf sogar Spaß“, unterstreicht der 64-Jährige. Leichter falle ihm der Abschied aber auch, weil der Einkaufspark nicht verwaise, sondern es für einen Großteil der Räume bereits neue Nutzer gebe: Verkauf und Wartung von Motorgeräten und Gartentechnik etwa übernehme bereits im Frühjahr die Firma Tann & Zindel aus Ronshausen. Und in den ehemaligen Werkmarkt ziehe ein „namhaftes Unternehmen aus der Textilbranche“ ein, kündigt Wolfram Rexroth an.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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