Carl Christoph Möller

Schenklengsfelder Neu-Bürgermeister vom Vorgänger enttäuscht

Keine Zeit für Nebensächlichkeiten: Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller hat viel zu tun. Sein Büro ist daher noch nicht vollständig eingerichtet. Foto: Reymond

Schenklengsfeld. Carl Christoph Möller hat im Mai seinen Dienst als Bürgermeister von Schenklengsfeld aufgenommen. Wir haben mit ihm über seine ersten 100 Tage im Amt gesprochen.

Die ersten 100 Tage als Bürgermeister sind um. Wie lassen sie sich kurz in einem Satz beschreiben?

Carl Christoph Möller: Das kann ich mit einem Wort bezeichnen: „Sportlich“.

Es hat den Anschein, als habe Ihr Vorgänger Ihnen mit der Rathaussanierung eine harte Nuss hinterlassen, die es zu knacken gilt?

Möller: Das ist korrekt. Ich hätte mir eine ordentliche, tief gehende Einarbeitung gewünscht. Bei der hätten auch die anstehenden Probleme der Gemeinde besprochen werden können. So hätte man viele Kosten sparen und sich über die Zukunft unterhalten können.

Wie viel Geld hat denn die gestoppte Rathaussanierung, die mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt war, bisher verschlungen?

Möller: Für die Planung des Projekts sind bereits zwischen 140 000 und 150 000 Euro angefallen.

Mehr noch nicht?

Möller:Das ist nur so, weil ich mit vielen Firmen verhandelt habe und die auf ihre Regressansprüche gegen uns verzichten.

Gibt es noch mehr Altlasten zu bewältigen?

Möller: (lacht) Das wüsste ich auch gerne. Ich finde jeden Tag neue Ostereier.

Wie kann das denn sein?

Möller: Das Problem ist ganz einfach, dass die Einarbeitung nicht gut gewesen ist. Und so werden die Probleme, die hier noch existieren, und nicht abgearbeitet wurden, mir erst nach und nach bekannt.

Richtige Unterstützung durch Ihren Vorgänger haben Sie also offensichtlich nicht erfahren, oder?

Möller: Nicht so, wie ich mir das gewünscht hätte. Ich war halt mal bei zwei, drei Terminen dabei.

Hat das vielleicht mit Ihrer Person zu tun?

Möller:Nein. Ich nehme an, dass er ganz einfach amtsmüde gewesen ist.

Wer hat Sie denn in der ersten Zeit unterstützt?

Möller: Der Gunter Rexroth (Anm.: Erster Beigeordneter der Gemeinde). Und dann die Mitarbeiter der Verwaltung.

Wie fühlen Sie sich heute in ihrem Job?

Möller: Ich fühle mich gut. Ich arbeite von morgens bis abends, und versuche die Probleme hier in den Griff zu kriegen.

Was sind denn die nächsten Aufgaben, die anzugehen sind?

Möller: Wir müssen ganz dringend die Eigenkontrollverordnung bis zum Jahr 2020 erfüllen. Dann müssen wir die Kläranlage Malkomes sanieren, beziehungsweise über die Lösung der Entsorgung in der Bad Hersfelder Kläranlage nachdenken. Es muss jetzt abgewogen werden, welche Lösung kosteneffizienter für uns ist.

Gibt es Projekte, die Sie wegen der angespannten Kassenlage lieber nicht auf der Agenda hätten?

Möller: Derartige Projekte gibt es tatsächlich. Ich sehe keinen Sinn darin, irgendwelche Plätze zu gestalten. Das sind doch alles Statussymbole. In diese kann und will ich kein Geld investieren, wenn die Finanzen knapp sind. Wir müssen unser Geld gewinnbringend für die Gemeinde einsetzen. So würde ich gerne das erweiterte Projekt Lindenplatz mit der Schaffung weiterer Parkplätze gerne in abgespeckter Form umsetzen. Weil es in meinen Augen auch ein Statussymbol ist, für das wir viel Geld verblasen würden. Und dieses Geld brauchen wir wirklich an anderen Stellen.

Wie gestaltet sich die Arbeit mit den politischen Gremien?

Möller: Sehr gut. Ich war zunächst ein bisschen skeptisch, als neuer Mann hinzuzukommen, aber die Arbeit gestaltet sich sehr gut.

Aber sowohl Bürgerliste als auch SPD hätten ja gerne jeweils einen anderen Bürgermeister im Amt gesehen?

Möller:Ich habe da noch nichts Negatives festgestellt. Mir geht es einfach nur darum, die besten Lösungen für Schenklengsfeld zu finden. Über Ansätze wird diskutiert und wir versuchen dann fernab von Parteipolitik, die es bei mir ohnehin nicht gibt, einen Konsens hinzubekommen.

Wie geht es für sie als Bürgermeister weiter?

Möller: Die ersten hundert Tage kommen mir vor wie eine Woche. Ich habe einfach nur durchgearbeitet. Ich bin noch nicht einmal dazu gekommen, mir mein Büro einzurichten, weil ich mich bisher nur mit Altlasten beschäftigt habe. Ich würde jetzt gerne nach vorne gehen. Aber das kann ich nicht, weil noch zu viel aufzuarbeiten ist. All diese Dinge müssen erst einmal weggeräumt werden. Und dann geht es nach vorne.

Was sind das für Altlasten?

Möller: Wir haben neben dem Rathaus und den Abwassergeschichten noch viele Probleme, die gelöst werden müssen. Es wurden ganz einfach Projekte begonnen und nicht abgeschlossen. Mir persönlich ist es unbegreiflich, wie ich derart viele Projekte beginnen kann, ohne sie zu beenden. Dementsprechend gibt es noch viele Baustellen, die erst einmal erledigt werden müssen, bevor es weitergehen kann.

Zur Person

Carl Christoph Möller ist am 30. Mai 1978 in Fulda geboren. Nach der Grundschule besuchte er die Gesamtschule Schenklengsfeld. Mit Abschluss der Klasse 10 folgte ein einjähriger Schüleraustausch in Südafrika. Abitur machte er an der Herrmann Lietz Schule in Bieberstein. Auf vier Semester Jura-Studium in Erlangen folgte ein internationales Betriebswirtschaft-Studium in Zürich, am Lorange Institute of Business, und an der Ashridge Business School in England, mit zwei Master-Titeln in Marketing und Management. Im Anschluss baute er eine eigene Internet-Firma auf. Er begleitete Unternehmensgründungen und die Vermarktung von Patenten. (rey)

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