Furcht vor Flickschusterei

Schenklengsfeld steckt bei Kanal- und Straßenbau in der Zwickmühle

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Die Sanierung der Raiffeisenstraße und der Bahnhofstraße in Schenklengsfeld war eigentlich beschlossene Sache und komplett geplant. Kostenpunkt: 1,24 Millionen Euro. Nun wird alles wieder auf Null gestell t, um eine „Billigvariante“ zu erarbeiten.

Die finanzielle Situation in Schenklengsfeld ist dramatisch, der Sanierungsbedarf hoch - eine schwierige Situation für die Politiker.

Wenn sich Kinder früher auf dem Lande bei einem Sturz die Hosen an den Knien aufgerissen hatten, dann wurde von der Oma ein sogenannter Flicken aufgenäht und schon war die Buxe wieder wie neu.

Ähnlich verhält es sich zurzeit in der Gemeinde Schenklengsfeld bei notwendigen Kanalbauarbeiten. Bisher wurden dort nach dem Austausch von Abwasserkanälen und Frischwasserleitungen die darüberliegenden Straßen ordentlich wieder hergerichtet. Doch so ein grundhafter Straßenbau ist kostenintensiv und in Schenklengsfeld das Geld knapp.

Das Problem: Aufgrund vieler Jahre politischen Stillstands sind zahlreiche Kanäle derart marode, dass kein weiterer Aufschub mehr möglich ist. Es muss dringend gehandelt werden. Das haben mittlerweile auch die Gemeindevertreter erkannt und einen Haushalt für das Jahr 2019 aufgestellt, der Investitionen von 11 443 450 Euro vorsah. 17,2 Prozent davon waren für die Erneuerung von Frischwasserkanälen, 38,16 Prozent für die Abwasserbeseitigung und 33,47 Prozent für den Straßenbau vorgesehen.

Dafür wollte die Gemeinde Kredite in Höhe von 5 473 647 Euro aufnehmen. Doch da setzte der Landrat als Finanzaufsicht den Rotstift an und kürzte den notwendigen Kreditrahmen um 1,5 Millionen Euro. Nun steckt die Gemeinde in der vorläufigen Haushaltsführung fest und die Gemeindevertreter in der Zwickmühle. Ja, die Kommunalpolitiker sind fast ratlos und fürchten, persönlich haftbar gemacht werden zu können, falls sie dringend notwendige Arbeiten noch weiter auf die lange Bank schieben sollten.

Eine vom Gemeindevorstand zur Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend in Wüstfeld vorgelegte Liste mit zu verschiebenden Kanalbauprojekten wurde daher nicht beschlossen. Da sie erst einen Tag vor der Sitzung erstellt worden war, forderten die Gemeindevertreter etwas mehr Zeit zur Entscheidungsfindung. Die Thematik soll nun in den Ausschüssen beraten und dann – notfalls in einer Sondersitzung – schnellstmöglich beschlossen werden.

Zuvor hoffen die Kommunalpolitiker, die Mitarbeiter der Bauverwaltung im Rathaus und auch Bürgermeister Carl-Christoph Möller auf Hilfe bei der Entscheidungsfindung. So soll es am 16. September einen Termin im Landratsamt mit den zuständigen Fachbehörden geben. Und für den 24. September werden dann noch einmal der Landrat selbst und Mitarbeiter der Fachbehörden mit dem Bürgermeister und seinen in Bau- und Finanzfragen zuständigen Mitarbeitern reden und nach Lösungen suchen. Spätestens dann sind die Gemeindevertreter am Zug.

Befürchtet wird aber schon jetzt, dass es in Zukunft Kanal- und Straßenbau nur noch in abgespeckter Form geben wird. „Straße aufreißen, alte Kanäle raus, neue rein und die Straße wieder zuflicken“, umschrieb Rainer Daube von der SPD den künftigen Straßen und Kanalbau in der Gemeinde. Und Flicken auf Hosen sind nun einmal ansehnlicher und praktischer als auf Straßen, die sich nach Bauarbeiten eigentlich glatt und eben wie ein Kinderpopo präsentieren sollten.

Von Mario Reymond

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