Historischer Rundgang

Schenklengsfeld: Jüdische Geschichte ganz nah

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Die Teilnehmer am ehemaligen Standort des „Stürmerkastens“ unter der historischen Linde: Von links Landrat Dr. Michael Koch, Kersten Harth (Lehrer), die Schüler Celina Wittstock, Sören Buhles, David Mangold, Oskar Reymond, Leon Fiebig, die beiden Lehrerinnen Manuela Gillmann und Marlen Schale sowie der Heimatforscher Karl Honikel.

Schenklengsfeld – Über Generationen hinweg war Schenklengsfeld Heimat vieler jüdischer Familien. An sie erinnerten jetzt Schüler bei einem historischen Rundgang.

In der Nacht vom 16. auf den 17. März 1933 fiel deren Wohn- und Geschäftshaus an der Hersfelder Straße Brandstiftern – wahrscheinlich Angehörige der SA – zum Opfer. Zunächst kam die Familie in der ehemaligen Oberförsterei unter, bis sie nach einem Jahr in ihr neu erbautes Wohnhaus in der Landecker Straße umziehen konnte.

Schließlich wurden die Löwenbergs ins Rigaer Getto deportiert, ein Großteil der Familie wurde später in Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordet.

Im Rahmen der Gesprächsreihe „Begegnungen gegen Antisemitismus“, einer gemeinsamen Aktion des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz und des Landkreises Hersfeld-Rotenburg haben sich Schüler der Gesamtschule Schenklengsfeld intensiv mit den Spuren jüdischen Lebens in der Gemeinde auseinandergesetzt. Am späten Donnerstagnachmittag präsentierten sie ihre Ergebnisse vor zahlreichen Interessierten, darunter Landrat Dr. Michael Koch und Bürgermeister Carl Christoph Möller während eines historischen Rundgangs durch die Gemeinde.

An den Wohn- und Wirkungsorten der Familie Löwenberg ließen die Schüler anhand von Fotos, alten Zeitungsartikeln und fiktiven Tagebuchauszügen eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte lebendig werden.

Vor der ehemaligen Oberförsterei sowie vor dem „Kaminschen Haus“ an der Landecker Straße wurden Gedenktafeln zur Erinnerung an Bernhard und Emma Löwenberg (ermordet 9. Oktober 1944 in Auschwitz) sowie an Sally, Klara und die Zwillinge Fritz und Kurt Löwenberg (ermordet 2. November 1943 in Auschwitz) aufgestellt und Kerzen angezündet.

In seinem Grußwort hatte Landrat Dr. Koch vor der historischen Linde bekräftigt, dass die „Erinnerungskultur aufrechterhalten werden muß“ und darauf hingewiesen, dass unsere Region sich nicht wesentlich vom Rest Deutschlands unterschieden habe: Ein Drittel der hier lebenden Juden wurde von den Nationalsozialisten ermordet.

Auch Schulleiter Klaus Amlung hatte zu Beginn des Rundgangs betont, dass „wir in der Verantwortung stehen, dass sich diese Geschichte nicht wiederholt“. Nach Ende des Rundgangs bestand noch die Möglichkeit, das ehemalige jüdische Lehrerhaus, in dem sich heute ein Museum befindet, zu besichtigen. (tl)

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