Rückzug nach Spendenaufruf

Neuer Wirbel um Schwellenpatenschaft in Schenklengsfeld

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Begrüntes Gleisbett: Wie hier am Straßendurchlass bei Wehrshausen erobert die Vegetation die Strecke der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn. Ein Verein aus Sachsen-Anhalt, der die Gleise freischneiden und Instandsetzen wollte, hat jetzt seinen Rückzug angekündigt.

Der Verein Bürgerbahnhof Güsen stellt seine umstrittene Suche nach Schwellenpaten für die ehemalige Hersfelder Kreisbahn in Schenklengsfeld ein. 

Weiterer Wirbel um die mögliche Wiederinbetriebnahme des Reststücks der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn: Der Förderverein Bürgerbahnhof Güsen aus der Einheitsgemeinde Elbe-Parey in Sachsen-Anhalt hat angekündigt, seine Aktivitäten auf der Strecke einzustellen.

Auf seiner Internetseite wirbt der Verein aus dem rund 300 Kilometer entfernten Landkreis Jerichower Land seit einigen Monaten für Schwellenpatenschaften zur Sanierung der Gleise von Schenklengsfeld nach Heimboldshausen. An der Seriosität dieser Spendenaktion waren jedoch Zweifel laut geworden – unter anderem, weil in Schenklenfsfeld noch ungenutzte Schwellen vorhanden sein sollen. „Wir, der Förderverein Bürgerbahnhof Güsen, geben bekannt, dass wir keine Schwellenparten mehr suchen und wir die Zusammenarbeit auf Eis gelegt haben“, heißt es nun in einer Pressemitteilung des Vereins.

Als Grund für den Rückzug nannte der Vorsitzende Daniel Groener auf Nachfrage unserer Zeitung Differenzen zwischen Bürgerbahnhof und dem Förderverein Werra-Fulda-Bahn als Eigentümer der Strecke. Auslöser dafür sei unter anderem die Schwellenpaten-Suche gewesen.

Von der Vereinshomepage wurde der Spendenaufruf bislang allerdings nicht entfernt. Das solle geschehen, sobald der Homepagebauer des Vereins wieder Zugriff auf die Seite habe, könne aber noch zwei bis drei Wochen dauern, so Groener gegenüber unserer Zeitung. Der Rückzug des Bürgerbahnhofsvereins wird auch in der öffentlichen Facebook-Gruppe Schenklengsfeld.info diskutiert. Auf die Frage einens Nutzers, was nun mit bereits von Schwellenpaten überwiesenem Geld passiere, antwortet Groener, dass die Kassenprüfung des Vereins keine Spende zu diesem Sachverhalt aufweise.

Eigentümer der Bahnstrecke ist seit dem Jahr 2009 der Förderverein Werra-Fulda-Bahn. Dessen Vorsitzender Jürgen Baumgardt wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht zum Ende der Kooperation mit dem Bürgerbahnhof äußern.

Im Juni hatten Baumgardt und Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller gegenüber unserer Zeitung beklagt, dass der Spendenaufruf des Vereins aus Güsen nicht abgesprochen gewesen sei. Der Kontakt zwischen beiden Gruppierungen war entstanden, nachdem die Schenklengsfelder Eisenbahnfreunde die Strecke im Jahr 2017 auf der Internetplattform Ebay Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten hatten. Ein zwischenzeitlich abgeschlossener Nutzungsvertrag erlaubte den Mitgliedern des Bürgerbahnhofsvereins das Freischneiden, Befahren und Instandsetzen der Gleise.

Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller betonte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Rückzug der Eisenbahnfreunde aus Sachsen-Anhalt keine Auswirkungen auf seine Bemühungen habe, die Strecke für den Güterverkehr zu reaktivieren. Für dieses Vorhaben gebe es bereits einen „anderen vielversprechenden Partner“, so der Rathauschef.

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