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Nahrung für die Pflanzen: Gülle ist wertvoller Dünger

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Moderne Technik: Mit dem Schleppschlauchverteiler werden Gülle oder Gärreste direkt auf den Boden geleitet. Das vermindert Geruchsbelästigung und Stickstoffverluste. Unser Bild zeigt (von links) Landwirt Stefan Böss, Dr. Daniel Laufer und Dr. Wolff-Günter Gebauer von der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft, Landwirt Klaus-Otto Reinhard und die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands, Anke Roß. © Eisenberg

Landershausen. Die Landluft riecht derzeit vielerorts in der Region besonders würzig. Was manchem Anwohner unangenehm in die Nase steigt, ist für die Landwirte ein wertvoller Nährstofflieferant.

Gülle oder Gärreste aus Biogasanlagen werden auf die Felder ausgebracht – als Grunddüngung vor der Aussaat des Maises oder als sogenannte Kopfdüngung auf das im Herbst ausgesäte Wintergetreide. Die Landwirte Stefan Böss und Klaus-Otto Reinhard aus dem Schenklengsfelder Ortsteil Landershausen arbeiten beim Nährstoffkreislauf zusammen: Reinhards Betrieb mit 220 Hektar Ackerland und 50 Hektar Wald wird viehlos bewirtschaftet. Auf seinen Feldern baut der Vollerwerbslandwirt Getreide und Mais an. Zum Hof von Stefan Böss gehören neben 160 Hektar Grün- und Ackerland auch 75 Milchkühe und deren weibliche Nachkommen. Gemeinsam betreiben beide Landwirte eine Biogasanlage. Rindermist- und Gülle, Mais auch geringe Mengen minderwertiger Grassilage werden hier vergoren.

Die beiden Blockheizkraftwerke leisten 220 Kilowatt und liefern damit rechnerisch Strom für 350 Haushalte. Mit der Abwärme werden mehrere Häuser und Ferienwohnungen sowie die Getreide- und Holztrocknungen der Höfe beheizt. Übrig bleibt der Gärrest als wertvoller Dünger. Er hat eine ähnlich dickflüssige Konsistenz wie Gülle, ist im Gegensatz zu den flüssigen Exkrementen der Nutztiere aber weniger geruchsintensiv. Klaus-Otto Reinhard beauftragt mit dem Ausbringen des Gärrestes einen Lohnunternehmer, der dafür ein Güllefass mit Schleppschlauchverteiler einsetzt. Anders als bei herkömmlichen Fasswagen wird die Gülle nicht breit auf die Fläche verspritzt, sondern durch Schläuche direkt auf den Boden geleitet. Dadurch lässt sich der Dünger gezielter ausbringen, Geruchsbelästigung sowie Stickstoffverluste werden vermindern. Die bodennahe Gülle-Ausbringung soll bis 2020 beziehungsweise 2025 Pflicht werden.

Für Stefan Böss, der bislang ein Fass mit Breitverteiler einsetzt, ist das ein zweischneidiges Schwert: Denn bei allen Vorteilen komme die Technik etwa an steilen Hängen an ihre Grenzen. Die Anschaffung sei zudem mit hohen Kosten verbunden und damit für den einzelnen Betrieb finanziell kaum leistbar. Deshalb bleibe nur, die Maschine gemeinsam anzuschaffen oder einen Lohnunternehmer zu beauftragen. Während ein Landwirt mit eigenem Fass den idealen Zeitpunkt fürs Düngen abpassen könne, müsse der Dienstleister seine Maschinen auch bei weniger günstigen Wetter- und Bodenverhältnissen fahren, um sie auszulasten. Neben dem für Pflanzen leicht verfügbaren Stickstoff enthalten Gärreste weitere Nährstoffe wie Phosphor, Kalium, Schwefel und Spurenelemente.

Der geschlossene Nährstoffkreislauf verringert den Mineraldünger-Aufwand der Landwirte. Wie viel und zu welchem Zeitpunkt Gülle auf den Feldern ausgebracht werden darf, ist in der Düngeverordnung geregelt. In der vergangenen Woche hat der Bundesrat einer Verschärfung zugunsten des Gewässerschutzes zugestimmt.

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