Ergebnis der Lärmmessung liegt vor

Nach Glocken-Zank in Konrode: Behörde empfiehlt abschalten oder leiser läuten

Umstrittene Geräuschquelle: Der Glockenturm in der Ortsmitte des Schenklengsfelder Ortsteils Konrode.
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Umstrittene Geräuschquelle: Der Glockenturm in der Ortsmitte des Schenklengsfelder Ortsteils Konrode.

Nach Anwohner-Beschwerden über die Lautstärke des Glockengeläuts in Konrode liegt der Gemeinde nun das Ergebnis einer offiziellen Lärmmessung durch das Regierungspräsidium vor.

Schenklengsfeld - Das teilt Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Demnach habe das Dezernat Immissionsschutz und Energiewirtschaft des Regierungspräsidiums (RP) Kassel am 15. September einen Spitzenpegel von 89 dB(A) (Dezibel Bewertungskurve A) verzeichnet. Der in Mischgebieten zulässige Spitzenpegel von 90 dB(A) sei damit zwar um ein Dezibel unterschritten worden, allerdings habe die Messung bei Gegenwind stattgefunden. Eine Überschreitung des Spitzenpegels bei Mitwind halte das Immissionsschutzdezernat daher für wahrscheinlich.

Das Regierungspräsidium verweise zudem gegenüber der Gemeinde auf besondere Umstände: So sei der Abstand zum zulässigen Spitzenpegel sehr gering, die betriebstechnische Erfordernis des Glockengeläuts nicht erkennbar und die soziale Adäquanz der Geräuschemission im direkten Umfeld nicht gegeben.

Das RP komme deshalb zum Ergebnis, dass es sich beim Läuten in Konrode um eine schädliche Umwelteinwirkung handele und empfehle der Gemeinde als Betreiber des Glockenturms, das Läutwerk zu deaktivieren oder den Schallpegel auf einen Spitzenwert von maximal 75 dB(A) zu senken.

Die Lärmmessung durch das Regierungspräsidium Kassel wurde von der Gemeinde auf Empfehlung des Hessischen Städte- und Gemeindebundes veranlasst, nachdem eine Anwohnerin wegen der Lautstärke mit einer Klage gedroht hatte. Bereits zuvor waren bei der Gemeinde zwei Beschwerden eingegangen.

Ende August war das Geläut offenbar auf Anordnung des Bürgermeisters abgeschaltet worden, was in der Gemeinde für einigen Wirbel sorgte und eine Unterschriften-Aktion für den Erhalt hervorrief. Zu den genauen Umständen dieser Entscheidung äußerte Möller sich seinerzeit gegenüber unserer Zeitung nicht – mit der Begründung, er sei befangen, weil zu den Anwohnern, die sich gestört fühlen, auch seine Ehefrau gehöre. Auf Beschluss des Gemeindevorstandes wurde vier Tage später nach Abschaltung wieder mit dem Läuten begonnen (unsere Zeitung berichtete).

Mit dem Glockengeläut in Konrode befasst sich heute in seiner Sitzung ab 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Wippershain auch das Gemeindeparlament: Alle vier Fraktionen haben Anfragen gestellt und wollen vom Rathauschef unter anderem Auskunft zu den Umständen der Abschaltung und den Folgen für andere Ortsteile. (Jan-Christoph Eisenberg)

Gemeindevorstand beantragt zweite Messung

In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlicherweise, der Gemeindevorstand eine rechtliche Prüfung durch die Kommunalaufsicht beschlossen. Das beruhte auf einer missverständlichen Auskunft des Bürgermeistes. Tatsächlich hat Möller selbst die Kommunalaufsicht eingeschaltet, um zu klären, ob das Geläut eine Ordnungswidrigkeit darstellt. An der Beratung im Gemeindevorstand nahm er wegen Befangenheit nicht teil. Nach Auskunft der Ersten Beigeordneten Beate Lüders hat das Gremium in seiner Sitzung am Dienstag beschlossen, das Geläut vorerst nicht abzuschalten, da das Messergebnis unter dem gesetzlichen Grenzwert lag. Zudem soll beim Regierungspräsidium zweite kostenlose Messung beantragt werden, um eventuelle Lärmminderungsmaßnahmen einleiten zu können. 

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