INTERVIEW Schenklengsfelderin rückt im September in den Landtag nach

Tanja Hartdegen (SPD): „Wiesbaden darf den ländlichen Raum nicht vergessen“

Das Foto zeigt die 50-jährige Tanja Hartdegen aus Schenklengsfeld, die für Torsten Warnecke in den Landtag nachrückt.
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Tanja Hartdecken (SPD) rückt für Torsten Warnecke in den Landtag nach.

Tanja Hartdegen aus Schenklengsfeld rückt für den neuen Landrat Torsten Warnecke im September in den Landtag nach. Wir sprachen mit ihr über ihre Ziele.

Hersfeld-Rotenburg – Der bisherige SPD-Landtagsabgeordnete Torsten Warnecke wird im September Landrat im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Er scheidet damit aus dem Landtag aus. Seine Nachfolgerin in Wiesbaden wird am 1. September für die dann noch ausstehenden zwei Jahre der Legislaturperiode Tanja Hartdegen (50) aus dem Schenklengsfelder Ortsteil Schenksolz. Wir haben mit ihr über die neue Herausforderung gesprochen.

Wie sehr haben Sie sich im Landratswahlkampf für Torsten Warnecke engagiert?

Unter Einhaltung der Corona-Bestimmungen war da nicht viel zu machen – leider. Wir haben die bei uns auf dem Hof gelagerten Bauzäune mit Wahltransparenten bespannt. Das war so ein Beitrag. Inhaltlich haben wir uns immer wieder bei Telefonkonferenzen abgesprochen.

Sein Erfolg bedeutet letztlich ja auch für Sie einen außergewöhnlichen Sprung in der Politik.

Das ist richtig.

Apropos Sprung: Wie hoch sind Sie persönlich nach dem Wahlsieg von Torsten Warnecke gehüpft?

(lacht) Aufgrund meiner momentanen gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht ganz so hoch (Anm.: Tanja Hartdegen muss sich einer Hüftoperation unterziehen). Wir haben uns aber natürlich sehr gefreut. Es war schon eine schöne Überraschung.

Sie treten Ihr Mandat Anfang September an. Wie bereiten Sie sich bis dahin auf Ihre neue Aufgabe vor?

Ich werde mich natürlich noch mit Herrn Warnecke besprechen, um die ganzen Einzelheiten zu erfahren, wie denn der praktische Ablauf in Wiebaden so ist. Natürlich werde ich auch mit der Landtagsfraktion Kontakt aufnehmen, um mich auf meine künftigen Aufgaben als Landtagsabgeordnete inhaltlich vorzubereiten. Durch meine aktuelle Tätigkeit im Unterbezirksvorstand bin ich, was die Kreispolitik anbelangt, schon auf dem Laufenden. Und der Wahlkreis ist nun mal das Wichtigste. Diesen will ich ja im Landtag vertreten. Punktuell werde ich mich dann – da wo ich noch Defizite habe – entsprechend vorbereiten.

Welche Schwerpunkte wollen Sie in Wiesbaden setzen?

Erst einmal möchte ich der verlängerte Arm der Wählerinnen und Wähler sein. Ich will mich dafür einsetzen, dass der ländliche Raum und unser natürlich unser Wahlkreis in der Landehauptstadt nicht vergessen werden. Ganz wichtig werden Themen sein, die uns alle beschäftigen. Da ist zuerst die Klinikdiskussion zu nennen. Da geht es ja auch um die Finanzierung, die über Wiesbaden kommen muss. Kali und Salz wird auch immer wieder Thema sein. Und nicht zuletzt der öffentliche Personennahverkehr samt Verkehrsinfrastruktur auf dem Lande. Das sind alles Dinge, die die Menschen in der Region bewegen. Da werde ich mich punktuell, so wie es erforderlich ist, mit Macht engagieren.

Torsten Warnecke ist bekanntermaßen ein Freund vieler Worte und war in Wiesbaden öfters am Rednerpult zu sehen und zu hören. Wie „lautstark“ werden Sie den Landkreis im Landtag politisch vertreten?

So wie es nötig ist.

Einen Teil Ihrer Arbeitszeit werden Sie künftig in Wiesbaden verbringen. Wie verträgt sich das mit Ihrem Lebensumfeld?

Das verträgt sich bestimmt ganz gut, da meine Kinder ja schon ein entsprechendes Alter haben und sehr selbstständig sind. Mein Mann ist ja auch noch da. Um die drei mache ich mir da keine Sorgen.

In Schenklengsfeld sind Sie sie bereits viele Jahre als Gemeindevertreterin mit für das Wohl und Wehe einer ganzen Kommune verantwortlich. Auch jüngst wurden Sie wiedergewählt. Und mit Verlaub, die finanzielle Situation Schenklengsfelds ist desaströs. Tragen Sie und die SPD, für die sie stehen, daran eine Mitschuld?

Vielleicht ein wenig. Wir haben dem Ex-Bürgermeister wohl nicht genau genug auf die Finger geschaut und uns immer wieder von seinen tollen Aussagen blenden lassen. Man kann uns vielleicht vorwerfen, bei gewissen Themen nicht tief genug gebohrt zu haben. Schlussendlich hat uns die mehr als prekäre Finanzsituation unserer Gemeinde doch sehr überrascht.

Werden Sie denn in Wiesbaden erfolgreicher agieren als in Schenklengsfeld?

(schmunzelt) Ich glaube nicht, dass wir in der Vergangenheit als SPD in Schenklengsfeld erfolglos agiert haben.

Sie könnten für das geplante Gewerbegebiet an der Autobahn bei Sorga, das auf Schenklengsfelder Gemeindefläche liegen würde, ja kräftig die Werbetrommel im Landtag rühren.

Bisher liegt für diese Fläche ja nur eine Machbarkeitsstudie vor. Jetzt müssen wir erst einmal die weiteren Voraussetzungen prüfen und abwarten, wie sich all das weiter entwickelt. Da gilt es in vielen Bereichen noch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Es wird noch sehr viele Jahre dauern, bis es da eine positive oder negative Entscheidung geben wird.

Auf jeden Fall wird nun im Landtag die Frauenquote durch Sie angehoben. Werden Sie sich auch für frauenspezifische Themen stark machen?

Natürlich. Ich war ja auch jahrelang Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen hier im Unterbezirk. Von daher werde ich mich auch im Landtag für uns Frauen einsetzen. (Mario Reymond)

Zur Person

Tanja Hartdegen ist 50 Jahre alt und in Kassel geboren. 1990 legte sie ihr Abitur am Beruflichen Gymnasium in Witzenhausen ab. Sie studierte Rechtswissenschaften in Marburg. Es folgte ein Referendariat am Landgericht Gießen mit Abschluss des 2. juristischen Staatsexamens. Sie arbeitete bis 2003 in Bad Hersfeld als angestellte Rechtsanwältin, dann als Tagesmutter. Von 2007 bis 2017 arbeitete sie für die Geschäftsführung der SPD-Kreistagsfraktion – neun Jahre davon als Geschäftsführerin. Parallel dazu arbeitet Hartdegen seit 2013 für den Verein Förderung der Bewährungshilfe in Hessen, für den sie die Projekte „Ehrenamtliche Mitarbeit in der Bewährungshilfe“ (2013 in Bad Hersfeld und 2014 in Fulda) und „Auftrag ohne Antrag“ (2017) aufbaute. Tanja Hartdegen ist verheiratet und Mutter zweier Söhne (14 und 17).

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