Umfangreiche Ausbildung

Jagdhunde: Allrounder auf vier Pfoten

Für die verschiedenen Jagdarten gibt es spezialisierte Hunderassen: Das Bild links zeigt einen „Bretonen“ im „Vorstehen.“ Rechts die junge Edelterrierin „Maggie“ und die Deutsch-Kurzhaar-Hündin Jara mit einer Übungsente. Foto: WILLI ROLFES/COrnelia Schmidt/NH

Schenklengsfeld. Jagdhunde brauchen eine umfangreiche Ausbildung, sagt Hundetrainerin Cornelia Schmidt aus Schenklengsfeld. 

Er soll dem Jäger ein treuer Begleiter sein und bei der Arbeit im Revier helfen: der Jagdhund. Damit die Vierbeiner die entsprechende Eignung erwerben, sind laut der erfahrenen Hundetrainerin Cornelia Schmidt schon im jungen Alter viele Trainingseinheiten notwendig: „Manche Hunde sind nach einem Jahr bereit für die Jagd, andere benötigen etwas länger“, sagt die 56-jährige Schenklengsfelderin, die seit 20 Jahren ausbildet.

Jagdhundeausbilderin Cornelia Schmidt. Foto: Maurice Morth

Die Jägerin empfiehlt ab der zwölften Woche mit der Ausbildung zu beginnen. Grundvoraussetzung sei der Gehorsam. Der beinhalte klassische Befehle wie „Sitz“, „Platz“ und den Gang an der Leine, die auch Familienhunden beigebracht würden. Neben den alle zwei Wochen stattfindenden Kursen sei außerdem wichtig, täglich zu Hause mit dem Hund zu üben, um die Prüfungen zu bestehen.

Auf ihrem Gebiet sind Jagdhunde Fachmänner, denn sie werden ganz individuell auf den späteren Jagdeinsatz spezialisiert. „Es gibt grundsätzlich drei Bereiche, in denen die Hunde eingesetzt werden. Die Nachsuche, die Stöberarbeit, die Wasserarbeit und die Baujagd“, sagt Cornelia Schmidt. Dafür gibt es Schweißhunde, Stöberhunde und Tiere für die Baujagd“, so Schmidt weiter (siehe Hintergrund). Mittlerweile würden viele Besitzer ihren Begleiter aber nicht mehr strikt nach einem der drei Typen wählen: „Immer mehr Jäger bauen auf vielseitig einsetzbare Allrounder“, sagt Cornelia Schmidt.

Ein kurzer Blick in die Prüfungsordnung für Jagdhunde in Hessen genügt, um die hohen Anforderungen zu erkennen. Über allem stehe deswegen laut Schmidt, dass die jungen Hunde im Training nicht überfordert würden. „Zukünftige Besitzer sollten sich aus diesem Grund bereits im Vorfeld Gedanken darüber machen, was der Hund im Revier erledigen soll“, sagt die 56-Jährige. Grundvoraussetzung für alle Prüfungsfächer sind der Gehorsam und die „Schussfestigkeit“. Bei Letzterem wird begutachtet, wie sich der Hund beim Knall eines abgefeuerten Schusses verhält. „Zeigt er keinerlei Reaktion, dann ist er bestens geeignet“, sagt Schmidt. An dieser Stelle der Ausbildung würden ab und an Fehler gemacht werden, und die Junghunde zu früh und nicht mit genug Distanz mit dem ersten Schuss konfrontiert. „Ich bevorzuge, sich mit dem Schuss langsam an den Hund heranzutasten. Der erste wird weit entfernt abgegeben. Schritt für Schritt nähert man sich den Hunden dann im Lauf der Ausbildung“, sagt Schmidt.

Besonders sind die Hunde, die die sogenannte Verhaltensweise des „Vorstehens“ (Bild oben links) vorweisen. Beim Vorstehen verharren sie ohne Laut zu geben auf der Stelle und heben und winkeln den Vorderlauf an. Damit zeigen sie dem Jäger an, dass sie mit ihrem Geruchssinn Wild gewittert haben. Besonders erfahrene Hunde nähern sich dem Wild geräuschlos an und zeigen das „Vorstehen“ noch mehrfach an.

Die Brauchbarkeitsprüfung stellt den Abschluss der Ausbildung dar. Sie kann von einem Hund nur einmal wiederholt werden. Erst nach dem Abschluss dieser Prüfung wird der vom Gesetzgeber vorgeschriebene Jagdhund als solcher anerkannt.

Im vergangenen Jahr hat Cornelia Schmidt neun Jagdhunde ausgebildet. Ein Welpe würde zu Beginn 800 bis 1600 Euro kosten, im Endeffekt sei bei den Jagdhunden die Kaufsumme aber nach oben vollkommen offen. Vom Kauf eines bereits fertig ausgebildeten Tieres rät Schmidt aber ab: „Auf meinen Hund muss ich mich bei der Jagd verlassen können, denn er ist mein Gehilfe bei der Jagd. Dieses Vertrauen sollte im Optimalfall von klein auf wachsen“, sagt Schmidt. Außerdem sollte beim Kauf unbedingt berücksichtigt werden, einen Jagdhund zu wählen, der einen erfahrenen Stammbaum vorzuweisen habe.

Von Maurice Morth

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