SOMMERINTERVIEW 2021

Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller: „Seit der Wahl ist vieles leichter“

An der Sitzgruppe im Schenklengsfelder Hydepark hat Bürgermeister Carl Christoph Möller für ein Interview mit unserer Zeitung Platz genommen.
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Keine Ruhepause: An der Sitzgruppe im Schenklengsfelder Hydepark hat Bürgermeister Carl Christoph Möller für ein Interview mit unserer Zeitung Platz genommen. Das Gelände war einst der Amtsgarten. Der heutige Name ist an das große Vorbild in London angelehnt.

Um die neuen Mehrheitsverhältnisse, die Zukunft des Rathauses und die Kläranlage geht es unter anderem im Interview mit Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller.

Schenklengsfeld - Den Hydepark vor dem Rathaus hat sich Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller für das Sommerinterview mit unserer Zeitung ausgesucht. Mit Jan-Christoph Eisenberg sprach er dort über die erste Hälfte seiner Amtszeit sowie über aktuelle und künftige Herausforderungen.

Sie sind jetzt seit drei Jahren Bürgermeister. Wie fällt Ihre persönliche Halbzeitbilanz der ersten Amtszeit aus?

Wir schließen in diesem Jahr die Pflichtausgaben aus dem Jahr 2008 ab. Das waren zehn bis zwölf Millionen Euro, die wir in Kanäle, Wasserleitungen, Regenrückhaltebecken und Staukanäle investiert haben. Dass diese Maßnahmen zwingend erforderlich waren, hat sich kürzlich bei den schweren Unwettern gezeigt. Anderenfalls wären auch bei uns die Schäden deutlich größer ausgefallen. Als Nächstes wollen wir die Pflichtaufgaben aus 2009 und 2011 nachholen – weitere zehn bis zwölf Millionen und dann nochmals vier bis sechs Millionen Euro. Diese Maßnahmen in der kurzen Zeit abzuschließen war eine Mammutaufgabe. Das Kreditvolumen von vier Millionen Euro pro Jahr haben wir vollkommen ausgereizt. Trotzdem ist es uns gelungen, die Tagespflege einzurichten und zwei Feuerwehrautos anzuschaffen, ohne merklich die Steuern zu erhöhen. Lediglich zur Anhebung der Wassergebühren waren wir gezwungen.

Die politische Landschaft der Gemeinde ist mit der Kommunalwahl bunter geworden. Was bedeuten die neuen Mehrheitsverhältnisse für Ihre Arbeit?

Für mich ist vieles leichter geworden. In den Gremien sitzen jetzt überwiegend junge Leute, die Schenklengsfeld nach vorne bringen wollen. Wir treffen uns regelmäßig zu interfraktionellen Sitzungen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Trotzdem gibt es noch zahlreiche offene Baustellen. Warum geht vieles in Schenklengsfeld so schleppend voran?

Die unerledigten Pflichtaufgaben binden sehr viel Personal. Hinzu kommen viele aktuelle Aufgaben. Alleine ich betreue über 20 Projekte, die ich deshalb immer nur Zentimeter für Zentimeter nach vorne bringen kann. Natürlich würde es schneller gehen, wenn wir priorisieren. Aber es ist ja alles wichtig und sämtliche Fachdienste wollen Ergebnisse sehen.

Nach der gestoppten Sanierung ist die Zukunft des Rathauses nach wie vor offen. Wie und vor allem wann soll es weitergehen?

Wir prüfen gerade ein Multifunktionsgebäude für Feuerwehr, Verwaltung und Bauhof. So könnten wir mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Im Moment warten wir auf die Ergebnisse der Feuerwehr-Gutachter. Sobald die vorliegen, können wir alle Möglichkeiten vergleichen und uns dann für die wirtschaftlichste Lösung entscheiden.

Auch für die Kläranlage Malkomes stehen seit geraumer Zeit die Alternativen Sanierung oder Anschluss an Bad Hersfeld im Raum. Woran hängt es jetzt noch?

Weil die Gemeinde ihren Pflichtaufgaben nicht nachgekommen ist, haben wir in der Kläranlage zwischen 700 000 und 1,3 Millionen Kubikmeter Fremdwassereintrag. Wenn wir diese Menge nach Bad Hersfeld leiten würden, müssten wir die Gebühren verdoppeln. Allerdings stellt sich diese Frage gar nicht, weil die Anlage dort dann havarieren würde. Das gilt auch für einen Neubau in Malkomes. Nachdem wir in den letzten drei Jahren die Einträge durch die erwähnten Baumaßnahmen bereits reduziert haben, wollen wir mit einer Kanalbefahrung jetzt noch die größten Löcher finden und schließen. Erst wenn feststeht, wie weit die Fremdwassermenge gesenkt wurde, können wir beide Optionen sinnvoll vergleichen.

Wurde das für die Zufahrt zum Gewerbegebiet im Kernort benötigte Grundstück mittlerweile erworben – und wer hatte es im ersten Anlauf verbockt?

Wir haben uns mittlerweile mit dem Eigentümer geeinigt und die Hessische Landgesellschaft (HLG) bereitet den Tausch gegen ein zukünftiges Baugrundstück vor. Danach kann die zweite Offenlegung beginnen. Interessenten für die gesamte Fläche haben wir bereits. Die HLG beruft sich als Ursache für den Fehler auf ein falsches Vermessungsergebnis. Wir haben aber Ergebnisse kontrolliert und konnten keinen Fehler feststellen. Das bedeutet, die HLG hatte die falschen Grundstücke erworben.

Liegen die Gutachten für die von Ihnen angestrebte Wiederinbetriebnahme der Kreisbahnstrecke nun vor?

Es gibt ein Gutachten der Regiobahn Thüringen zu den Kosten für Erwerb und Instandsetzung der Strecke. Wegen der laufenden Kaufverhandlungen werde ich mich zum Inhalt noch nicht öffentlich äußern. Für das Brückengutachten fehlen noch Unterlagen, die der Förderverein nicht mehr hat. Die haben wir jetzt im Staatsarchiv Marburg angefordert. Wenn diese vorliegen, können wir die Gesamtkosten beziffern.

Haben sich die ansiedlungswilligen Firmen in der Zwischenzeit nicht längst nach schneller verfügbaren Flächen umgesehen?

Es gibt keine schneller verfügbaren Flächen in dieser Größenordnung im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Die Machbarkeitsstudie für ein Gewerbegebiet im Wald an der A 4 hat massiven Widerspruch von Naturschützern und aus der der Nachbargemeinde Hauneck hervorgerufen. Halten Sie das Projekt noch für realisierbar?

Absolut. Wir haben uns für eine Förderung aus dem Programm Zukunft Kaliregion 2.0 beworben. Für die Flächen bestehen Vorstörungen durch die Autobahn und die Gewerbegebiete in Hauneck und Bad Hersfeld. Der Baumbestand ist durch Borkenkäfer und Trockenheit fast nicht mehr vorhanden. Und wir verfügen über Tauschflächen, auf die man stattdessen aufforsten könnte. Deshalb sehe ich nach wie vor eine realistische Chance für das Projekt.

Für die Erschließung müsste Schenklengsfeld zunächst massiv in Vorleistung gehen. Wie soll das mit Blick auf die Haushaltslage funktionieren?

Wir würden das Projekt über die HLG abwickeln. Weil es schon Interessenten für die Gewerbeflächen gibt, hat die HLG uns ihre Bereitschaft dazu signalisiert.

Gibt es eine Einigung mit dem Förderverein Generationenhof über den Pachtvertrag?

Der Förderverein hat einen Pachtvertrag. Nach der öffentlichen Auseinandersetzung im vergangenen Jahr haben wir uns geeinigt.

Ferienzeit ist Urlaubszeit. Wie verbringen Sie den Sommer?

Ich werde fünf Tage an die Ostsee fahren. Danach betätige ich mich zuhause beim Umbau meines Hauses auf der Baustelle.

Zur Person

Carl Christoph Möller (43) ist in Schenklengsfeld aufgewachsen. Nach dem Abitur an der Hermann-Lietz-Schule in Bieberstein und vier Semestern Jurastudium in Erlangen beendete er ein internationales Betriebswirtschaft-Studium in Zürich, am Lorange Institute of Business und an der Ashridge Business School in England mit zwei Master-Titeln in Marketing und Management. Im Anschluss baute er eine Internet-Firma für Unternehmensgründungen und die Vermarktung von Patenten auf. In einer Stichwahl setzte sich Möller im Oktober 2017 als unabhängiger Bürgermeisterkandidat mit 56,3 Prozent der Stimmen gegen Udo Langer (Bürgerliste) durch. Seine Amtszeit begann im Mai 2018. Möller ist verheiratet und lebt in Konrode. (jce)

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