Parlament entscheidet

In Schenklengsfeld stehen die Signale auf Kauf der Bahnstrecke

Die Bahnstrecke von Schenklengsfeld nach Heimboldshausen.
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Seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf. Die Bahnstrecke von Schenklengsfeld nach Heimboldshausen.

Die Schenklengsfelder Gemeindevertretung entscheidet am 25. November, darüber, ob die Gemeinde vom Förderverein Werra-Fulda-Bahn das Reststück der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn erwirbt.

Schenklengsfeld – Dabei stehen die Signale offenbar auf Kauf.. Sowohl der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) als auch der Bau- und Planungsausschuss empfehlen dem Parlament jedenfalls einstimmig, beziehungsweise einstimmig bei einer Enthaltung, die Offerte anzunehmen.

Nachdem die Jahreshauptversammlung des Fördervereins Anfang Juli beschlossen hatte, die Strecke Schenklengsfeld-Heimboldshausen samt Lokschuppen den Anlieger-Kommunen Schenklengsfeld und Hohenroda anzubieten (unsere Zeitung berichtete), liegt der Kommune nun ein schriftliches Angebot vor, welches ursprünglich bis zum 30. November befristet war, inzwischen aber bis 31. März verlängert wurde. Der Kaufpreis wurde während HFA-Sitzung am vergangenen Donnerstagabend nicht öffentlich genannt, seinerzeit standen allerdings 35 000 Euro im Raum, eine Summe, die deutlich unter dem Wert von Grundstücken und Anlagen liegt. Bedingung des Vereins ist ein Nutzungsrecht für Strecke und Lokschuppen. Zudem soll der Mietvertrag mit dem Betreiber einer Solaranlage auf dem Dach des Gebäudes nach dem Eigentümerwechsel ordnungsgemäß auslaufen. Bürgermeister Carl Christoph Möller verwies während der Ausschusssitzung auf den Landesentwicklungsplan, der bahnorientierte Logistikkonzepte sowie die Sicherung nicht genutzter Strecken vorsehe. Seit die Gemeinde bei der Wirtschaftsförderung im Pool der Gewerbegebiete mit Gleisanschluss gelistet sei, verzeichne sie Anfragen „von denen wir bisher nur träumen konnten“. Mit dem Streckenkauf sichere sich Schenklengsfeld den direkten Zugriff und verhindere, dass diese wichtige Infrastruktur Dritten in die Hände falle.

Wilfried Erbert

Als externer Referent hatte Wilfried Erbert vor der Abstimmung des HFA Fragen der Mandatsträger zu einer möglichen Streckenreaktivierung beantwortet. Der 61-jährige Heringer ist stellvertretender Anschlussbahnleiter bei der Regiobahn Thüringen (RBT) für die Strecke Bad Salzungen-Unterbreizbach und Vorsitzender des an der Wiederinbetriebnahme dieses Schienenstrangs beteiligten Eisenbahnvereins „Interessenvereinigung Verkehrsgeschichte mittleres Werratal“ (IVmW). „Wenn es Brei regnet, muss man einen großen Löffel haben“, verwies Erbert auf die aktuell günstigen Förderkonditionen von Bund und Land – die Gemeinde erhofft sich eine 90-, bei Ansiedlung eines Staatsunternehmens sogar 100-prozentige Förderquote. Vorteil für eine Reaktivierung sei, dass die Strecke noch für den Eisenbahnverkehr gewidmet sei und aktuell ein Entwidmungsverbot bestehe. Ungleich schwieriger würde sich laut Erbert hingegen der kürzlich am Runden Tisch Werratalbahn aufgeworfene Wiederaufbau des entwidmeten Abschnitts Schenklengsfeld-Bad Hersfeld gestalten, weil es dafür eines Planfeststellungsverfahrens bedürfe.

Für den Streckenbetrieb könnte die Gemeinde als Eigentümer entweder ein eigenes Eisenbahninfrastrukturunternehmen gründen oder ein solches mit der Betriebsführung beauftragen. Wobei mit Betrieb die Bereitstellung und Unterhaltung der Gleisanlagen sowie die Fahrdienstleitung gemeint sind. Die Fahrten mit Lokomotiven und Waggons übernehmen wiederum Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU). Als öffentliche Anschlussbahn stünde die Strecke gegen Trassengebühr allen zugelassenen EVUs offen. Das vom Förderverein angestrebte Nutzungsrecht müsse sich dementsprechend im gesetzlichen Rahmen bewegen, so Erbert. Für Fahrten bräuchte der Verein also entweder selbst die mit hohen Anfordernden verbundene Zulassung als EVU oder ein müsste ein entsprechendes Unternehmen beauftragen. Der Lokschuppen könne für eine Vereinsnutzung hingegen eisenbahnrechtlich vom Rest der Strecke abgetrennt werden.

Der Kostenrahmen einer möglichen Sanierung blieb während der Ausschusssitzung offen. Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb nach der Reaktivierung seien Güterkunden, mit deren Trassengebühren die Unterhaltskosten gedeckt werden könnten, unterstrich der Eisenbahner. Was den Streckenkauf betrifft, war Erberts Botschaft an die Mandatsträger schon mit Blick auf das Verhältnis von Kaufpreis und Materialwert der Schienen eindeutig: „Sie machen damit keinen Fehler“. (Jan-Christoph Eisenberg)

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