1. Hersfelder Zeitung
  2. Lokales
  3. Schenklengsfeld-Friedewald
  4. Schenklengsfeld

Landhändler aus Schenklengsfeld kritisiert Vorgehen bei Bahnstrecken-Reaktivierung

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare

Direkt an der Strecke: An dieser Weiche zweigte früher vom noch vorhandenen Hauptgleis der Hersfelder Kreisbahn der Anschluss zum Landhandel Brenzel ab, dessen ehemaligen Gleiskörper das Unternehmen derzeit als Lagerfläche nutzt. Geschäftsführer Thomas Brenzel hat Interesse daran, künftig in Schenklengsfeld wieder Getreide auf die Bahn zu verladen.
Direkt an der Strecke: An dieser Weiche zweigte früher vom noch vorhandenen Hauptgleis der Hersfelder Kreisbahn der Anschluss zum Landhandel Brenzel ab, dessen ehemaligen Gleiskörper das Unternehmen derzeit als Lagerfläche nutzt. Geschäftsführer Thomas Brenzel hat Interesse daran, künftig in Schenklengsfeld wieder Getreide auf die Bahn zu verladen. © Jan-Christoph Eisenberg

Der Schenklengsfelder Landhändler Thomas Brenzel hat Interesse daran, künftig wieder Getreide auf den Zug zu verladen. Er kritisiert jedoch das bisherige Vorgehen der Kommunalpolitik.

Schenklengsfeld - Die Debatte der Schenklengsfelder Kommunalpolitik um den Kauf und die mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke nach Heimboldshausen hat Thomas Brenzel gleichermaßen interessiert wie irritiert verfolgt.
Interessiert wegen der Perspektive, wieder Waren auf den Zug verladen zu können. Irritiert, weil sein Unternehmen, das in dritter Generation direkt an den Gleisen nicht unerhebliche Gütermengen umschlägt, bei den Planungen bisher offenbar keine Rolle gespielt habe. „Es ist immer nur von Firmen die Rede, die sich in ein paar Jahren eventuell ansiedeln könnten“, wundert sich der 52-Jährige.

Als regionaler Landhandel erfasst die 1927 von Brenzels Großvater Hans gegründete Firma Getreide von Landwirten in Ost- und Nordhessen sowie Westthüringen in einem Umkreis von etwa 25 Kilometern um die beiden Betriebsstandorte Schenklengsfeld und Eiterfeld, um es sortiert und aufbereitet weiter zu vermarkten. Aktuell laufen alle Transporte über die Straße. Das war nicht immer so: Am Stammsitz zweigte von der Strecke der Hersfelder Kreisbahn früher ein Anschlussgleis ab, über das bis Ende der 1970er Jahre nicht nur Dünger und Kohle geliefert, sondern auch Getreide in Schüttgutwaggons verladen wurde, erinnert sich Thomas Brenzel. Bis irgendwann der Lkw die Nase vorn gehabt habe.

Ohne Lastwagen wird Brenzel auch in Zukunft nicht auskommen. Beim Mischfutter etwa seien die Zusammensetzungen zu individuell, die Teilmengen damit zu klein für den Zug. Anders beim Getreide: Der Landhandel habe sich dem Strukturwandel angepasst und damit eine Größe erreicht, die den Bahntransport wieder interessant mache. Hinzu komme ein Konzentrationsprozess auf der Abnehmerseite: „Mühlen verarbeiten heute teilweise 400 bis 500 Tonnen pro Tag und lassen ihre Rohware zunehmend in Ganzzügen per Bahn anliefern“, berichtet der 52-Jährige. 1000 Tonnen auf einmal übers Gleis zu transportieren, sei arbeitsökonomisch sinnvoller, als dieselbe Menge mit 40 Lastwagenfahrten und mit dem entsprechenden Personalaufwand zur Mühle oder zum Umschlagplatz im Hafen zu bringen, verdeutlicht der Unternehmer, der außerdem auf Umwelt-Aspekte und die zunehmende Lkw-Fahrer-Knappheit verweist.

Würde das Reststück der Ende 1993 stillgelegten Kreisbahnstrecke wieder in Betrieb genommen, könnte er 15 000 Tonnen Getreide pro Jahr in Schenklengsfeld auf den Zug verladen, betont der Landhändler, der einen möglichen Start mit 5000 Tonnen – fünf Ganzzügen à 1000 Tonnen – anpeilt. Dafür würde er in eine Verladeeinrichtung investieren, sagt Brenzel, zumal es dafür sogar Fördermöglichkeiten gebe. Auch Dünger könnte in kompletten Zügen über die Schiene geliefert werden, wenngleich Getreide den größeren Anteil seiner Transportmenge ausmachen würde.

Als direkter Anrainer ist Thomas Brenzel vor einiger Zeit dem Förderverein Werra-Fulda-Bahn als derzeitigem Streckeneigentümer beigetreten. Mit dessen Vorsitzenden habe er bereits ein Gespräch über die mögliche Wiederbelebung der Bahntransporte geführt. Dabei sei es dann allerdings auch geblieben. Abgesehen von vereinzelten Arbeitseinsätzen herrsche an der Strecke ohnehin seit Jahren Stillstand.

Zwar steht die Reaktivierung jetzt im Fokus der Gemeindepolitik, dass mit ihm als buchstäblich naheliegendem potenziellen Güterkunden bislang weder Bürgermeister noch Mandatsträger das Gespräch gesucht hätten, lässt Thomas Brenzel allerdings an der Substanz dieser Bemühungen zweifeln. „Es wird vor allem über Luftschlösser gesprochen“, lautet sein Eindruck. Der Landhändler appelliert deshalb an die Kommunalpolitiker, sich ernsthaft mit der Thematik auseinanderzusetzen und vor allem bestehende Betriebe im näheren Umkreis von Schenklengsfeld in die Gespräche einzubinden, deren Gütermengen die Grundlage für eine mögliche Wiederaufnahme des Bahnverkehrs bilden könnten. Um mit einem funktionierenden Gleisanschluss dann im zweiten Schritt, vielleicht auch neue Firmen in der Gemeinde ansiedeln zu können. (Jan-Christoph Eisenberg)

Auch interessant: Runder Tisch lotet Möglichkeiten für Werrabahn-Reaktivierung aus

Auch interessant

Kommentare