Rot war die zentrale Farbe

Der Geist weht auch im Auto: Ungewöhnlicher Pfingstgottesdienst in Schenklengsfeld

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Die zentrale Farbe: Die Gottesdienstbesucher hatten, wie in der Einladung angeregt, rote Accessoires mitgebracht. Die Farbe steht sowohl die für Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht als auch für Gefahr.

Ein Gottesdienst im Auto, geparkt auf dem Supermarktparkplatz, wurde zu Pfingsten in Schenklengsfeld gefeiert.

Ein Gottesdienst im Auto, geparkt auf dem Supermarktparkplatz, auf dem leuchtendes Pfingstrot sowohl die Kleidung der Mitwirkenden und der Gottesdienstbesucher als auch die Kleidung der Besucher dominierte – vieles deutete darauf hin, dass sich das Pfingstfest 2020 in vielfacher Hinsicht deutlich vom Üblichen unterschied.

Mit Zündkerzen und lautstarken Hupkonzerten ließen die Gottesdienstbesucher den sprichwörtlichen Funken überspringen und begaben sich gemeinsam mit Pfarrerin Imke Leipold und Jakim Leipold auf die Suche nach dem Heiligen Geist, der nicht nur vorübergehend einparkt, sondern auf Dauer bleibt.

Schon die Ankunft der motorisierten Gottesdienstbesucher wurde mit einem Spektakel zelebriert: Den Empfang hatte sich die Clownin Ricarda Rimini, in deren Kostüm Pfarrerin Marie-Therese Eckart steckte, vorbehalten. Dafür, dass alle Abläufe reibungslos klappten, dass größere Fahrzeuge den Insassen der kleineren nicht die Sicht versperrten und dass versehentliche Karambolagen ausblieben, sorgte eine große Zahl an Helferinnen und Helfer, zu denen auch die Kirmesburschen und -mädels aus Oberlengsfeld gehörten. Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen war die ausgeklügelte Beschallung des Platzes, für die Stephan Weimar sorgte. Die Gottesdienstbesucher hatten, wie in der Einladung angeregt, rote Accessoires mitgebracht, mit denen sie ihre Fahrzeuge geschmückt hatten (von High-Heels auf dem Autodach bis hin zu Luftballons und einer Trainingsjacke der Fußballabteilung aus Wippershain und Rotensee gab es viel zu sehen) und mit denen sie eifrig winkten.

Auf der Suche nach dem heiligen Geist: Imke und Jakim Leipold erinnerten in ihrer Ansprache daran, dass die biblische Pfingstgeschichte Parallelen zur gegenwärtigen Situation aufweist.

Imke und Jakim Leipold erinnerten in ihrer Ansprache daran, dass die biblische Pfingstgeschichte Parallelen zur gegenwärtigen Situation aufweist: Auch damals hätten die Menschen sich voller Angst in ihren Häusern verkrochen und gebetet, ohne wirklich zu wissen, wofür. Begeisterung und Verwirrung seien damals die vordringlichen Gefühlsregungen gewesen. Es gehe – damals wie heute – vor allem darum, den Zusammenhalt zu stärken, sich gegenseitig Mut zu machen und nicht von allen guten Geistern verlassen zu sein.

Für Begeisterung sorgte auch der musikalische Rahmen. Auch wenn – wie derzeit in allen evangelischen Gottesdiensten in der Region – der Gemeindegesang fehlte, gab es hier, bei diesem Gottesdienst unter freiem Himmel, in der „Drive-In-Kirche“ ein opulentes Programm: Die Sängerin Franziska Trostmann bot Popsongs zum Thema Corona und der Posaunenchor hielt zwar sorgfältig ausgemessenen Abstand, spielte jedoch unter Leitung von Sabine Pilz neue und alte Bläsersätze. Hannes Brauer (Klavier und Gesang) heizte zusammen mit Sängerin Katrin Knott mit Stücken wie „Move Spirit, move“ ein. Katrin Knott bot außerdem eine beeindruckende Version des Chansons „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, das in die Botschaft des Gottesdienstes integriert wurde – die Farbe Rot, die sowohl die für Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht als auch für Gefahr steht spielte hier ebenso wie die Lust am Leben die entscheidende Rolle. uj

Auto-Gottesdienst zu Pfingsten in Schenklengsfeld

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