„Wir hängen in der Luft“

Förderverein ringt um Pachtvertrag für Generationenhof in Schenklengsfeld

+
Sind enttäuscht vom Vorgehen der Gemeinde: Fördervereinsvorsitzender Dr. Frank Klein und sein Stellvertreter Norbert Kottmann in der Kultur- und Feierscheune.

Seit über zwei Jahren ringt der Förderverein Generationenhof in Schenklengsfeld mit der Gemeinde um einen Pachtvertrag für das ambitionierte Projekt. 

 „Die Situation ist kaum noch auszuhalten. Wir hängen buchstäblich in der Luft“. Wenn es um das Thema Pachtvertrag geht, wählt Dr. Frank Klein, der Vorsitzende des Schenklengsfelder Fördervereins Generationenhof, inzwischen drastische Worte.

Eigentlich würden der Allgemeinmediziner, sein Stellvertreter Norbert Kottmann und ihre Mitstreiter gerne das tun, wofür der Förderverein im Juni 2016 gegründet worden ist: Den Generationenhof im Ortsteil Oberlengsfeld mit Leben füllen. Die ehemalige Hofreite ist zur Begegnungsstätte mit Kultur- und Feierscheue, Toilettenanlage, Seminar- und Übungsraum sowie Café umgestaltet worden – finanziert aus dem Regionalentwicklungsprogramm Leader und von der Gemeinde Schenklengsfeld, verwirklicht durch rund 4000 unentgeltliche Arbeitsstunden ehrenamtlicher Handwerker.

Bis zur Corona-Pandemie hat die Gruppe „Generationen treffen sich“ des Vereins dort auf Spendenbasis das Café Miteinander veranstaltet. Weitere Aktivitäten seien längst geplant: „Dorfhochschule“ nennt der Vorsitzende das Konzept aus Vorträgen, Veranstaltungen und Seminaren, bei denen die älteren Einwohner der jüngeren Generation beispielsweise traditionelle Handwerkstechniken vermitteln könnten.

Seit mehr als zwei Jahren warte der Verein jedoch auf einen Pachtvertrag. Die erste Bitte nach einem solchen Regelwerk habe die Gemeinde im Sommer 2017 mit Hinweis auf laufende Bauarbeiten abgelehnt. Ein im Juli 2018 vom Vereinsvorstand an die Gemeinde gesendeter Entwurf sei im darauffolgenden Dezember mit einigen Änderungen zurückgekommen. Knackpunkt: Die Verkürzung der Kündigungsfrist auf sechs Monate, was eine Jahres-Terminplanung unmöglich machen würde, verdeutlicht Frank Klein.

Kräftig zugepackt: Mehr als 4000 Arbeitsstunden haben ehrenamtliche Helfer aus dem Umfeld des Fördervereins Generationenhof bei der Umgestaltung der ehemaligen Hofreite geleistet. Unser Archivbild entstand bei einem Arbeitseinsatz im Frühjahr 2017. Foto: Mario Reymond

Auf eine weitere durch den Verein bearbeitete Fassung aus dem Januar 2019 habe die Gemeinde im Juni 2019 abermals mit einem Vertragsentwurf reagiert – der allerdings nicht an den Förderverein, sondern an die in dieser Fassung ebenfalls als Mitnutzer genannten übrigen örtlichen Vereine versendet worden sei. Zwischenzeitliche Irritationen um den Kirmesburschen zugesicherten Lagerflächen in der Festscheune seien letztlich innerhalb von sechs Wochen aus der Welt geschafft worden, indem ein anderer Lagerraum gefunden wurde, sagt Frank Klein.

Ein dem Verein von der Gemeinde im Februar 2020 vorgelegter Vertrag sehe die übrigen Vereine als Mitnutzer vor – obwohl diese daran gar kein Interesse hätten, betont der Vorsitzende und verweist auf ein entsprechendes Protokoll einer Zusammenkunft von Vereinsvertretern.

Niemand solle vom Generationenhof vertrieben werden, betonen Klein und Kottmann – im Gegenteil. Das im Gemeinde-Entwurf geforderte Einvernehmen aller Beteiligten berge aber die Gefahr einer gegenseitigen Blockade. Deshalb müssten Koordination von Raumbelegung, Schlüsselgewalt oder Reinigung in einer Hand beim Förderverein liegen, argumentieren die Vorstandsmitglieder.

Am 9. Juni habe der Vereinsvorstand schließlich erstmals mit dem Gemeindevorstand über die strittigen Punkte sprechen können. Einen danach in Aussicht gestellten überarbeiteten Vertrag habe der Verein noch immer nicht erhalten, dafür einen Protokollauszug, der den Gesprächsverlauf laut Norbert Kottmann jedoch nur unzureichend widerspiegele.

Besonders ärgert den Vorsitzenden, dass vonseiten der Gemeinde zwischenzeitlich lange Funkstille herrsche: „Es wird nicht mit uns gesprochen, sondern über uns“. Die Pachtsumme von 120 Euro pro Jahr sei zwar nicht hoch, im Gegenzug fielen für die Gemeinde aber Verwaltungsaufwand, Energiekosten und Reinigung weg, argumentiert Klein. Zudem wolle der Förderverein den Generationenhof nicht als Vereinsheim für interne Zwecke pachten, sondern für regelmäßige öffentliche Veranstaltungen zum Wohle des Miteinanders in der Gemeinde. Die seien auch Voraussetzung für die Leader-Förderung.

Viele Vereinsmitglieder seinen längst frustriert. Komme keine Bewegung in die Sache, werde sich der Förderverein in letzter Konsequenz vermutlich auflösen. „Dann wäre die ganze Mühe vergebens gewesen“, merkt Frank Klein an.

Das sagt Bürgermeister Möller

Die Darstellung des Fördervereinsvorstandes spiegele nicht den gesamten Sachverhalt wider und rücke somit die gemeindlichen Gremien in ein schlechtes Licht, beklagt Bürgermeister Carl Christoph Möller auf Nachfrage unserer Zeitung. 

Mit dem Generationenhof, zu dem neben dem Café Miteinander und der Kulturscheune künftig auch eine Tagespflege gehören werde, sei unbestritten etwas Einzigartiges geschaffen worden. „Auch bin ich den vielen ehrenamtlichen Helfern, welche sich mit über 4000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit für unser Projekt engagiert haben, sehr dankbar“, führt der Rathauschef weiter aus. In die vom Verein betreuten Bereiche Café Miteinander und Kulturscheune habe die Gemeinde trotz nicht aufschiebbaren Investitionsstaus abzüglich Förderung rund 270 000 Euro investiert. Der im Vertragsentwurf des Vereins vorgeschlagene Pachtpreis in Höhe von zehn Euro pro Monat (120 Euro pro Jahr) sowie eine Abgabe an die Gemeinde von 10 Prozent bei Untervermietung – sofern diese nicht erlassen werde – bedeute bei einer Laufzeit von 30 Jahren für den Steuerzahler eine Kostendifferenz in Höhe von 8 882,96 Euro pro Jahr, rechnet der Rathauschef vor. 

Sein Versuch, diesen Fehlbetrag um 6720 Euro jährlich zu reduzieren, werde ihm nun als Untätigkeit ausgelegt. Die Übernahme der vom Förderverein geforderten jährlichen Versicherungsleistungen durch die Gemeinde in Höhe von 179,34 Euro führe den Pachtpreis vollends ad absurdum. Ein rechtskräftiger Pachtvertrag sei laut Möller erst mit Abschluss der Bauarbeiten im Juni 2019 möglich geworden. Dass vorher alle übrigen an der Nutzung interessierten Vereine angeschrieben wurden, bezeichnet Möller als „urdemokratischen Prozess“, mit dem zukünftiges Konfliktpotenzial untereinander vermieden werden sollte. Dabei sei unter anderem die Zusage eines Nutzungsrechts für die Kirmesburschen durch seinen Vorgänger zutage getreten. 

Nachdem im Februar 2020 ein Ausweichquartier gefunden gewesen sei, habe die Gemeinde dem Förderverein wie vereinbart einen unterzeichneten, rechtskräftigen Vertrag zugestellt, welchen dieser aber abgelehnt und weitere Änderungswünsche und Forderungen gestellt habe. „Aufgrund immer neuer Änderungswünsche, Forderungen und ausgiebigen Schriftverkehrs wollte der Gemeindevorstand in einer finalen Besprechung einen rechtskräftigen Pachtvertrag herbeizuführen. Im Anschluss an diese Sitzung habe der Verein sowohl den besprochenen Sitzungsinhalt als auch das Protokoll, welches durch alle anwesenden Gemeindevorstandsmitglieder bestätigt worden sei, angezweifelt und Ende Juli der Gemeinde wieder einen neuen Vertragsentwurf übersandt, in dem die Konditionen abermals zu seinen Gunsten abgeändert worden seien. Darüber habe der Gemeindevorstand in seiner jüngsten Sitzung am Dienstag beraten. Ergebnis: In einem Gespräch zwischen Bürgermeister und Vorsitzenden solle eine Einigung erzielt werden.

Die Gemeinde habe dem Förderverein auch ohne Pachtvertrag bei der Planung von Veranstaltungen nie Steine in den Weg gelegt, sondern versucht zu unterstützen. Er selbst habe für das Café Miteinander privat eine neue Industriekaffeemaschine im Wert von 1300 Euro gespendet, sagt Möller. „Der einzige Grund auf Dringlichkeit im Bezug auf den Pachtvertrag äußert sich meines Erachtens nach darin, dass nach Abschluss des Vertrages der Verein endlich auf die Einnahmen aus Untervermietung zugreifen kann, welche zur Zeit noch ins Gemeindesäckel fließen, und die Gemeinde ihr Mitspracherecht am Objekt verliert“, so der Rathauschef abschließend.

(Von Jan-Christoph Eisenberg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare