Die Kollegen von morgen schulen

Bickhardt Bau zeigt Schenklengsfelder Schülern Bauberufe

Ein Mann und eine Frauen stehen vor einem gelben Messgerät.
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Azubi Simon Ernst zeigt Schülerin Anastasia Kerber, wie ein Nivelliergerät funktioniert. Distanzen mit dem Vermessungsgerät zu bestimmen, ist aber gar nicht so einfach und erfordert Kopfrechnen.

Am Vereinsheim des TSV in Schenklengsfeld, probieren die Schüler der Gesamtschule Schenklengsfeld, Bauberufe, zusammen mit den Azubis von Bickhardt Bau aus.

Schenklengsfeld – Schülerin Josephine Mierau von der Gesamtschule Schenklengsfeld sitzt im Führerhaus eines orangen Baggers und lenkt die Baggerschaufel auf ein Metallrohr zu. Die 14-Jährige schaltet den Hebel nach hinten und die Baggerschaufel kippt nach innen. „Das ist gar nicht so einfach“, findet die Schülerin.

Bei den Azubi-Projekttagen der Bickhardt Bau AG sind die Schüler der Gesamtschule Schenklengsfeld ganz nah an den schweren Maschinen und der komplizierten Bautechnik. „Hier am Sportplatz des TSV Schenklengsfeld setzten unsere Auszubildenden Projekte um, und zeigen den Schülern gleichzeitig Praxisaufgaben aus den einzelnen Berufen“, erklärt Christian Heumüller, der bei Bickhardt Bau verantwortlich für die Ausbildung ist, das Konzept.

In der nächsten Woche werden dann auch Schüler der Geistalschule und der Lichtbergschule Eiterfeld das Trainingsgelände besuchen. Heumüller hätte gern noch mehr Schüler in das Projekt eingebunden. „In der Coronakrise war das einigen Schulen aber vermutlich zu riskant“, sagt Christian Heumüller.

Für die 16 Schüler der Gesamtschule Schenklengsfeld geht es trotz Corona, dafür in Gruppen und mit Maske, an die Baustationen.

Denise Reinhardt und Tim Rudolph zeigen Alltagsaufgaben eines Baustoffprüfers. „Wir prüfen hier gerade die Dichte des Bodens“, erklärt die 27-Jährige den Schülern.

Dass die Dichte hilft, zu entscheiden, ob eine Straße zum Beispiel auch viel Verkehr und schweren Fahrzeugen standhält, erläutern der Auszubildende und die Ausbilderin ihren Zuschauern.

Denise Reinhardt löst ein Metallgewicht, das an einer Stange befestigt ist. „Das ist eine Fallplatte, mit der überprüfen wir die Bodendichte mithilfe des aufgebauten Drucks“, erklärt Denise Reinhardt.

Auf den Beruf als Baustoffprüferin ist die 27-Jährige durch Zufall aufmerksam geworden. „Bevor ich hier angefangen habe, kannte ich den Beruf gar nicht, und ich glaube, das ist auch ein Problem. Denn wenn mehr Leute davon wüssten, würden ihn auch mehr lernen“, stellt Reinhardt fest.

Tim Rudolph ist Auszubildender und zuständig für die Baustoffprüfung. Hier zeigt er gerade, wie die Bodendichte mithilfe eines Radladers gemessen wird.

In Deutschland ist der Ausbildungsberuf Baustoffprüfer noch die Ausnahme, deshalb müssen die Auszubildenden Denise Reinhardt und Tim Rudolph bis an die tschechische Grenzen fahren, um dort, parallel zur Praxis, in die Berufsschule gehen zu können.

Neben dem Sportplatz stehen Simon Ernst aus Hainrode und Marie Hohmann aus Reulbach. Die Auszubildenden sind im zweiten Lehrjahr und zeigen den Schülern, wie ein digitales Nivelliergerät funktioniert. „Das ist ein Vermesser, damit stellen wir die Distanz bis zu der Messlatte dort drüben fest“, erklärt Simon Ernst und deutet auf das rote Maß, das Kollegin Marie Hohmann aufgestellt hat. „Ich habe mich für diese Ausbildung entschieden, weil man hier im Büro und auf der Baustelle arbeiten kann, ich wollte nicht nur drin sein“, erzählt die Auszubildende.

Und in einem provisorisch eingerichteten Klassenzimmer im Vereinsheim des TSV erklärt Christian Heumüller noch einen für ihn ganz entscheidenden Pluspunkt einer Ausbildung in der Baubranche. „Wenn ihr erst einmal etwas selbst mitgebaut habt, dann ist das etwas besonders“, sagt Heumüller zu den Schülern. Man vergesse keine der eigenen Baustellen, berichtet der Bickhardt-Bau-Mitarbeiter. Und wie es sich anfühlt, ein selbst gebautes Projekt in der Heimat aufzubauen, testen die Auszubildenden der Baufirma schon einmal vor. Der von ihnen gepflasterte Weg rund um das Vereinsheim ist nicht nur eine Übung, sondern darf bleiben. Auf zukünftige Projekte der Schüler und Auszubildenden in spe freut sich Christian Heumüller schon jetzt. „Immerhin haben wir ja bei diesen Projekttagen vielleicht schon die Kollegen von morgen vor Ort“, freut sich der Mitarbeiter.

Von Kim Hornickel

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