„Augenmaß“ bei Tarifverhandlungen

Brexit bereitet Sorgen: Neujahrstreffen der IGBCE in Schenklengsfeld

+
Erkämpft und erstritten: In historischen Kostümen erinnerte der Bezirks-Frauenausschuss an die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren. 

Schenklengsfeld -  Gewerkschafter sowie Gäste aus Wirtschaft und Politik diskutierten beim Neujahrstreffen des IGBCE-Bezirks Kassel in Schenklengsfeld aktuelle Themen. 

Die Zukunft der Kali-Industrie, ökonomische Risiken durch eine Energie- und Klimapolitik ohne klare Orientierung, mögliche Auswirkungen von Brexit und zunehmendem Nationalismus auf die Zukunft Europas, soziale Gerechtigkeit sowie die anstehenden Tarifrunden – das waren die großen Themen beim Neujahrstreffen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) in der Schenklengsfelder Großsporthalle.

Friedrich Nothhelfer, Bezirksleiter der IGBCE Kassel, dankte den Bürgermeistern und Landtagsabgeordneten für die Unterstützung der Kali-Region und versprach „Augenmaß“ für die anstehenden Tarifverhandlungen mit K+S. Bilder wie die vom Werk Sigmundshall, in dem die Kali-Förderung im Dezember 2018, möchte Landrat Dr. Michael Koch zumindest während seiner Amtszeit nicht erleben müssen. Er brachte seinen Wunsch zum Ausdruck, die anstehenden Tarifrunden ohne Streiks zu überstehen. Staatsminister Michael Roth legte in seinem Grußwort ein klares Bekenntnis zu Europa ab und warnte in Hinblick auf den Brexit vor nationalen Alleingängen: „Wer sich auf Nationalisten und Populisten verlässt, ist am Ende verlassen“, gab er zu bedenken und rief zu einer regen Beteiligung an den Europawahlen auf. Zwischendurch hatte der Bezirks-Frauenausschuss der IG BCE in historischen Kostümen an 100 Jahre Frauenwahlrecht erinnert.

Hauptredner: Francesco Grioli vom IGBCE-Hauptvorstand.

Hauptredner war diesmal Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IGBCE. Er bezeichnete den bevorstehenden Brexit sowie die Handelspolitik der USA unter Trump als die größten Risikofaktoren für die weitere wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere in den exportorientierten Branchen. Angesichts „sieben fetter Jahre“ und sprudelnder Steuereinnahmen müsse Deutschland in stabile Renten, Pflege und Gesundheit sowie in eine Grundsicherung investieren. Die gesetzliche Rente bleibt laut Grioli jedoch eine „Reformbaustelle“. Diese brauche ein „Signal der Verlässlichkeit“, das weit über 2025 hinausreiche. Die Gewerkschaft erwarte daher ein klares Bekenntnis zu einem stabilen Rentenniveau sowie eine Stärkung der Betriebsrenten. Hinsichtlich des Strukturwandels in der Energiewirtschaft und der Automobilindustrie und der Frage, wie man diesen sozial abfedern kann, bleibe, so Grioli weiter, die Politik Antworten schuldig. Diesen Strukturwandel will die Gewerkschaft mitgestalten, um unbillige soziale und ökonomische Nachteile zu vermeiden.

Für herzhafte Linsensuppe mit Bockwürstchen aus der Gulaschkanone hatte – wie auch in den vergangenen Jahren – das bestens eingespielte Team vom DRK Schenklengsfeld gesorgt. Vor dem Essen spielte die Bergmannskapelle Winterhall, die die Veranstaltung musikalisch begleitete, das Steigerlied, zu dem sich alle von den Plätzen erhoben und kräftig mitsangen.

Neujahrstreffen des IGBCE-Bezirks Kassel in Schenklengsfeld

Kommentare