Aussage gegen Aussage

Hund beißt Kaninchen tot - doch das Ordnungsamt sieht keinen Grund zum Handeln

Ein Hund blick mit offenem Maul in die Kamera
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Freilaufende Hunde sind ein Problem im Schenklengsfelder Ortsteil Wehrshausen

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg kommt es vermehrt zu Problemen wegen freilaufender Hunde. Die Anwohner sind verärgert und fordern Maßnahmen.

Wehrshausen - Freilaufende Hunde, die ohne Beaufsichtigung unterwegs zu sein scheinen, fallen zwei Einwohnerinnen aus dem Schenklengsfelder Ortsteil Wehrshausen schon seit längerer Zeit immer wieder auf. „Ich arbeite viel, aber wenn ich daheim bin, sehe ich die drei bis vier Hunde bestimmt dreimal pro Woche außer Sichtweite von ihren Besitzern herumlaufen“, beschwert sich Manuela Heyne, die seit etwa fünf Jahren dort wohnt. „Ich habe seit gut einem Jahr das Grundstück mit meinem Hund nicht mehr verlassen. Es gibt nur Schwierigkeiten“, erklärt Heyne weiter. In einem Fall habe Heynes Hund etwa einen freilaufenden Hund gebissen, der auf ihr Grundstück lief. Daraufhin wurde für Heynes Hund eine Wesensprüfung angeordnet, die noch ausstehe.

Kreis Hersfeld-Rotenburg: „Freilaufender Hund biss Kaninchen meiner Kinder tot“

Sabrina Birkenstock, die nicht weit von Heyne entfernt wohnt und in Wehrshausen aufgewachsen ist, berichtet von einer ähnlichen Erfahrung Anfang des Jahres: „Ein freilaufender Hund kam auf unser Grundstück und hat das Kaninchen meiner Kinder totgebissen. Die daraufhin entstandene Anzeige führte aber zu nichts, da der Hundehalter aussagte, sein Hund sei es nicht gewesen.“ Wie Birkenstock weiter erzählt, sollen sich die Bürger oft genug beschweren, erst dann könne sich etwas ändern. Diese Auskunft habe sie von Haupt- und Ordnungsamtsleiter Jens Trabert erhalten.

In Sorge: Sabrina Birkenstock (links) und Manuela Heyne beklagen sich über freilaufende Hunde auf den Straßen und Grundstücken des Schenklengsfelder Ortsteils Wehrshausen.

Freilaufende Hunde im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Mündliche Beschwerden reichen nicht

Mündliche Beschwerden genügen jedoch nicht, um dem Ordnungsamt triftige Gründe zum Handeln zu geben, erklärt Trabert auf Nachfrage. Bei Anzeigen sehe die Sachlage anders aus: „Eine Anleinpflicht kann erst erlassen werden, wenn konkrete Vorfälle als Anzeigen vorliegen. Das örtliche Handeln muss begründet und entsprechend verhältnismäßig sein“, klärt Trabert auf. Auf eine Anzeige hin werde der jeweilige Hundehalter angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten. „Wenn Aussage gegen Aussage steht, sind mir die Hände gebunden“, so Trabert.

Sie betreten regelmäßig fremde Grundstücke: Freilaufende Hunde im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Sabrina Birkenstock beklagt sich auch darüber, dass der freilaufende Hund, der das Kaninchen totgebissen haben soll, weiterhin regelmäßig das Grundstück betrete. Sie leine diesen dann an und bringe ihn dem Besitzer zurück. „In so einem Fall kann das Tier entweder mit einem Zeugen zurückgebracht oder aber direkt das Ordnungsamt verständigt werden, damit die Übergabe gemeinsam passiert und man etwas Handfestes hat“, verdeutlicht Trabert.

Gegen den Vorwurf aus Heynes Leserbrief vom 27. Oktober, die Gemeinde mache nichts, wehrt sich Trabert: Ihre Anzeige sei erst am 26. Oktober und ein ergänzendes Schreiben am 27. Oktober bei der Gemeinde eingetroffen. Der betreffende Hundehalter sei noch am 27. Oktober um Stellungnahme gebeten worden, was Heyne von der Gemeinde auch schriftlich bestätigt bekam.

Problem: Freilaufende Hunde im Kreis Hersfeld-Rotenburg - „Die verantwortliche Person muss in der Lage sein auf den Hund einzuwirken“

Auf erste mündliche Beschwerden ging am 21. September schon mal ein Schreiben der Gemeinde an alle Hundebesitzer des Ortsteils heraus. Darin heißt es: „Auch wenn es keine generelle Anleinpflicht für Hunde gibt, heißt das nicht, dass diese unbeaufsichtigt frei herumlaufen dürfen!“, sowie an anderer Stelle: „Die Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden (HundeVO) stellt klar, dass die für einen Hund verantwortliche Person jederzeit in der Lage sein muss, auf den Hund einzuwirken.“

Wenn es nach Birkenstock geht, muss es auch zu keiner Anleinpflicht kommen, wie sie kürzlich in Eschwege in einem Einzelfall verhängt wurde. „Es würde mir schon reichen, wenn sich die betroffenen Familien an die HundeVO halten“, betont sie. (Daniel Blöthner)

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