Ein viertes Buch des Schenklengsfelder Autors Dieter Schenk wurde jetzt übersetzt

Den Polen wohlbekannt

Dieter Schenk (rechts) bei einer seiner vielen Lesungen in Polen. Neben ihm sitzt Pawel Zarychta, der Übersetzer des Buches.

Lampertsfeld. Der politische Autor Dieter Schenk aus dem Schenklengsfelder Ortsteil Lampertsfeld dürfte in Polen bekannter sein, als er es in Deutschland ist. Das liegt wohl an der Tatsache, dass Schenk sich in Polen und der Ukraine auf die Spur von Nazi-Verbrechern gemacht hat. Und vieles über die dort während des 2. Weltkriegs begangenen Gräueltaten hat Schenk aufgeschrieben.

In akribischer Kleinarbeit machte er sich in vielen Archiven auf die Spurensuche. Jetzt ist wieder ein Buch von ihm auf polnisch übersetzt und in dem Land herausgegeben worden. Es handelt sich dabei um „Der Lemberger Professorenmord“ aus dem Jahre 2007. Darin hat er ein weiteres düsteres Kapitel deutscher Verbrechen in Polen während der Nazizeit thematisiert und in allen Einzelheiten beleuchtet.

Professoren erschossen

Anfang Juli 1941 holte im galizischen Lemberg (heutige Ukraine) ein Sonderkommando der SS 25 Professoren der örtlichen Universität, der Technischen Hochschule und anderer Institute aus ihren Wohnungen, dazu Familienangehörige und Personal. 45 von insgesamt 52 Festgenommenen wurden noch in derselben Nacht und am nächsten Tag erschossen – ohne dass auch nur ansatzweise ein juristisches Verfahren stattgefunden hätte.

Mit dem Fingerspitzengefühl des gelernten Kriminalisten, der sich auf Zeugenberichte, Tagebucheintragungen und Gerichtsprotokolle stützt, legt Schenk dar, dass dieser grausame Willkürakt zur Nazi-Strategie gehörte, die politische und wissenschaftliche Elite des polnischen Volkes auszulöschen.

Lese-Reise

Um sein Buch in Polen vorzustellen, war Schenk jetzt für 14 Tage zu Lesungen in Krakau, Lodz, Gleiwitz, Kattowitz, Breslau, Warschau. Natürlich besuchte er auch Lemberg. Dort nahm er an einer Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Ermordung der Lemberger Professoren teil. „Ich war doch sehr überrascht, dass ich während dieser Veranstaltung nicht sprechen durfte. Das wurde mit dem Hinweis auf das Protokoll abgelehnt“, berichtet Schenk. Jedoch hatte er diese Reaktion irgendwie erwartet: „In der Ukraine gab es damals selbst viele Nazis. Und auch heute gibt es dort noch extrem viel kriegsverherrlichende Literatur.“

In den polnischen Städten dagegen hingen die Teilnehmer der Lesungen förmlich an seinen Lippen. „Die Leute fanden es ungewöhnlich, dass sich ein deutscher Historiker so in diese Thematik hineinkniet und aufklärt. In meinen Büchern beschönige ich nichts, erfinde nichts und lasse auch nichts weg. Ich habe immer die Namen der Täter genannt“, erklärt der Mann aus Lampertsfeld seinen Arbeitsstil.

Dies scheint bei der polnischen Bevölkerung anzukommen. Zur Offenheit habe sicherlich in den 80er-Jahren die Solidarnosc-Bewegung beigetragen. Zuvor spielte Aufklärung in Polen nur eine untergeordnete Rolle. „Auch in Breslau wurde so lange Jahre ein Denkmal für die ermordeten Professoren verhindert“, erinnert sich Schenk. Der Aufklärer

Von Mario Reymond

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