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Hygieneschleuse, Stempel im Safe

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Hier wird die Wurst gemacht: Sabine Stahl in ihrem neuen Schlachthaus, das den strengen EU-Richtlinien entspricht. Foto: z
Hier wird die Wurst gemacht: Sabine Stahl in ihrem neuen Schlachthaus, das den strengen EU-Richtlinien entspricht. Foto: z

Herfa. Weiße Kacheln und viel glänzender Edelstahl auf 80 Quadratmetern – so präsentiert sich das nagelneue Schlachthaus der Bauernfamilie Stahl im Heringer Stadtteil Herfa, ein Gegenentwurf zur industriellen Fleischfabrik gewissermaßen, aber trotzdem den strengen Hygiene-Bestimmung der Europäischen Union unterworfen. Die Schweine und Rinder, die hier zu Wurst verarbeitet werden, stehen gleich nebenan im Stall.

Sabine und Klaus Stahl begannen vor zehn Jahren mit der Direktvermarktung ihrer Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Produktion, seitdem ist die Nachfrage ständig gestiegen. Etwa 50 Rinder und 50 bis 60 Schweine schlachten die Stahls im Jahr.

Bis zum Herbst vergangenen Jahres konnten sie den Schlachtraum am Dorfgemeinschaftshaus nutzen. Als der im Zuge der Sanierung abgerissen wurde, standen sie vor der Entscheidung, selbst zu investieren, die Tiere auswärts zu schlachten oder aufzuhören. „Der Transport der Tiere zum Schlachten hätte ja auch Geld gekostet“, erklärt Sabine Stahl. Und auf dem eigenen Hof stand ein Garagen- und Werkstattgebäude als Umbau-Objekt zur Verfügung. Durch viel Eigenleistung und die Übernahme von Gerätschaften aus dem städtischen Schlachtraum konnten die Kosten mit rund 40 000 Euro in vertretbaren Grenzen gehalten werden.

Bei der Einrichtung ihres Schlachthauses wurden Stahls durch das Veterinäramt in Bad Hersfeld beraten, so dass die Zulassung durch den Regierungspräsidenten im Dezember kein Problem war. Wer hier arbeitet, muss sich in einer Hygieneschleuse desinfizieren und spezielle Arbeitskleidung anlegen. Eine Transportschiene an der Decke, in die die Tierkörper eingehängt werden, führt vom Tötungsraum durch die Wurstküche bis in den Kühlraum.

Der Stempel für die amtliche Fleischbeschau wird in einem kleinen Safe aufbewahrt. „Den Zahlencode kennt nur die Fleischbeschauerin“, erklärt Sabine Stahl.

Klaus und Sabine Stahl sind mittlerweile die einzigen aktiven Landwirte in Herfa. Mit ihren Weidetieren und durch den Anbau ihrer Futtermittel pflegen sie die umgebende Kulturlandschaft. Trotzdem arbeitet Klaus Stahl tagsüber noch als angestellter Heizungsbauer, damit die Kasse stimmt. Seine Frau kümmert sich um den Verkauf von Wurst und Fleisch ab Hof oder am Stand auf den Märkten in Heringen und Philippsthal.

In der Praxis gelernt

Im Sommer, wenn das Futter für den Winter eingefahren werden muss, sind Arbeitstage von morgens 6 Uhr bis spät in den Abend keine Seltenheit für die engagierten Selbstvermarkter.

Dabei kommt Sabine Stahl noch nicht einmal aus der Landwirtschaft. Sie ist gelernte Schneiderin und hat sich ihre Kenntnisse von Vieh und Fleisch ausschließlich in der Praxis angeeignet.

Von Peter Lenz

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