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Friedewalds Bürgermeister Julian Kempka ist seit 100 Tagen im Amt

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Seit 100 Tagen an der Spitze von Friedewald: Julian Kempka vor dem Gemeindewappen in seinem Büro.
Seit 100 Tagen an der Spitze von Friedewald: Julian Kempka hat im Mai sein Amt als Bürgermeister angetreten. Unser Bild zeigt ihn vor dem Gemeindewappen in seinem Büro. © Jan-Christoph Eisenberg

Vor 100 Tagen hatte Julian Kempka (27 Jahre, SPD) seinen ersten regulären Arbeitstag als Bürgermeister von Friedewald. Wir sprachen mit ihm über seine ersten Monate im Amt.

Haben Sie Ihre Kandidatur während der ersten 100 Tage eigentlich schon bereut?

Nein, auf keinen Fall. Es macht unheimlich viel Spaß, Bürgermeister unserer schönen Dreienberggemeinde zu sein.

Wie haben Sie sich im Rathaus eingelebt?

Sehr gut. Die Mannschaft hat es mir leicht gemacht, mich einzuarbeiten. Wir haben die Verwaltung personell neu aufgestellt und umstrukturiert. So konnten wir als Team gemeinsam in die Zukunft starten.

Welche Themen liegen auf Ihrem Schreibtisch momentan ganz oben?

Da gibt es einige: Wir arbeiten weiter mit Hochdruck an der Ansiedlung von Aco Passavant. Die Erweiterung des Gewerbegebietes und der Firma Hermes stehen auf dem Plan. Mit der Betriebsführung der Wasserversorgung haben wir die EAM Netz beauftragt. Durch eine gezielte Leckagesuche wurden die Wasserverluste seither bereits um die Hälfte reduziert. Ich führe aktuell Gespräche zum Glasfaserausbau. Bei der geplanten Wasserverbindungsleitung von Friedewald nach Lautenhausen arbeiten wir an der einen oder anderen Stelle nach. Der Neubau der Kinderkrippe läuft. Der Ausbau des Radfernweges R7 steht bevor. Diese Aufzählung könnte ich jetzt noch eine Weile fortsetzen ...

Sind Sie schon auf eine sprichwörtliche „Leiche“ gestoßen, die Ihr Vorgänger im Keller hinterlassen hat?

Nein, so schlimm ist es nicht. Es gibt an dem einen oder anderen Projekt etwas nachzuarbeiten, aber da bin ich zuversichtlich.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den politischen Gremien?

Gut. Wir stehen seit Beginn meiner Amtszeit im engen Austausch, denn im Grunde genommen wollen beide Fraktionen für unsere Gemeinde das Beste.

In der Diskussion um die Gewerbegebiets-Erweiterung war der Ton zwischen Friedewald und den Nachbargemeinden zuletzt ziemlich rau. Was macht Sie so sicher, dass das RP die Pläne ohne interkommunale Zusammenarbeit genehmigt?

Jeder Bürgermeister vertritt die Interessen seiner eigenen Gemeinde. Da kann ich die Kollegen durchaus verstehen. Das Tischtuch ist deshalb aber nicht zerschnitten. Wir stehen trotzdem im guten Austausch und es ist bereits die nächste interkommunale Zusammenarbeit beim Onlinezugangsgesetz in Planung. Es handelt sich um die Erweiterung eines bestehenden Gewerbegebiets, dessen komplette Infrastruktur die Gemeinde Friedewald geschaffen hat. Darüber habe ich auch schon erste Gespräche mit dem Regierungspräsidium geführt und entsprechend werden wir auch argumentieren.

Auch in Friedewald regt sich Widerstand gegen ein zusätzliches Logistikzentrum. Ist ein „Weiter so“ bei der Gewerbeentwicklung der richtige Weg?

Bei Gewerbegebieten gibt es immer ein Für und Wider. Das müssen wir gemeinsam mit den politischen Gremien abwägen und schauen, wo die Reise hingeht. Klar ist auch, dass die Flächen für Ansiedlungen begrenzt sind und es sich unter Umständen um das letzte größere Projekt handelt.

Die Zusammenarbeit von Friedewald und Hohenroda bei der Gemeindekasse wurde aufgelöst, Philippsthal denkt über neue Strukturen für die gemeinsame Ortsjugendpflege nach. Steht Friedewald irgendwann isoliert da?

Nein, auf keinen Fall. Mit Hohenroda planen wir bereits die nächste Kooperation. Neben der Jugendpflege mit Philippsthal haben wir mit der evangelischen Ortsjugendpflege Kuppenrhön ja noch eine interkommunale Zusammenarbeit.

Beim Ersatz für die Kläranlage drängt die Zeit. Haben Sie einen Plan B, falls man in Schenklengsfeld zu keiner Lösung kommt?

Bad Hersfeld kann nur eine Spitzenlast von 75 Litern Abwasser pro Sekunde aufnehmen. Die EAM Netz erstellt deshalb aktuell einen Fahrplan, wie das Ziel gemeinsam erreicht werden kann. Ich gehe davon aus, dass sich danach dann beide Gemeinden richten werden. Letztlich muss die auf lange Sicht wirtschaftlichste Lösung gefunden werden.

Wie ist der Sachstand beim Gesundheitszentrum?

Es hat sich herausgestellt, dass das Rote Kreuz von den bisherigen Plänen, das Gebäude selbst zu bauen und komplett an die Gemeinde zu vermieten, abgerückt ist. Wir arbeiten aktuell mit Hochdruck an einer neuen Lösung, die für die Gemeinde auch ein geringeres finanzielles Risiko darstellen würde.

Was bedeutet das konkret?

Konkreter kann ich aktuell nicht werden, weil die Verhandlungen noch laufen.

Mit dem Amtsantritt hat sich vermutlich auch Ihr Alltag verändert. Haben Sie eine Balance zwischen Beruf und Privatleben gefunden?

Die ersten Tage im Amt sind sehr intensiv und dauern von früh morgens bis spät abends, weil man sich in sämtliche Themen einarbeiten will. Meine Verlobte und meine Familie haben dafür Verständnis und stehen da voll hinter mir. Ich denke, dass sich mit der Zeit eine Balance einstellt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass die Gemeinde sich weiter entwickelt und wir den Einwohnern weiterhin einen attraktiven Wohnort mit guter Infrastruktur bieten können. (Jan-Christoph Eisenberg)

Zur Person

Julian Kempka (26) ist in Friedewald aufgewachsen. Er hat eine Ausbildung zum Finanzwirt im Behördenzentrum der Frankfurter Finanzämter absolviert und nach seinem Abschluss in verschiedenen Bereichen der hessischen Finanzverwaltung gearbeitet. 2017 wechselte er zur Stadt Bad Hersfeld, wo er zuletzt im Standesamt tätig war. Mit 84,3 Prozent der abgegebenen Stimmen wurde er am 6. März als Bewerber der SPD ohne Gegenkandidaten zum Bürgermeister gewählt und trat am 1. Mai die Nachfolge von Dirk Noll an, der zum Jahresbeginn als Erster Kreisbeigeordneter ins Landratsamt gewechselt war. Julian Kempka ist verlobt und lebt in Friedewald. In seiner Freizeit stand der 26-Jährige bis vor Kurzem für die SG Ausbach/Friedewald im Fußballtor, pausiert derzeit aber aus beruflichen Gründen. (jce)

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