Verein stellt Sportplatzgelände zur Verfügung

Die guten Jahre sind vorbei: Zirkus Bügler überwintert in Motzfeld

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Der Zirkus ist ihr Leben: Trotz sinkender Besucherzahlen und schlechter Wetterprognose geben Zirkuschef August Bügler, sein Sohn Ricky und Enkel Alessio nicht auf. Wie aus einer anderen Zeit wirken die bunten Wagen, mit denen die Zirkusfamilie Jahr für Jahr durchs Land zieht (Bild unten). Fotos: Lisa Hirdes

Sinkende Besucherzahlen machen dem Zirkus Bügler zu schaffen. Sein Winterquartier hat das Familienunternehmen nach einer Panne auf dem Sportplatzgelände in Motzfeld bezogen.

Einst lockte Zirkus Bügler mit seinen großen Wagen und bunt bemalten Anhängern zahlreiche Besucher an. Inzwischen sind die Farben des Zirkuszelts jedoch verblichen und wer sich dem kleinen Tross nähert, erkennt sofort, dass die Glanzzeiten des Schaustellerbetriebs schon lange vorbei sind. „Die Menschen zeigen nur noch wenig Interesse an der traditionellen Zirkuskultur“, bedauert Ricky Heilig, Sohn von Zirkuschef August Bügler. „Fernsehen und Computerspiele haben den Familienbesuch im Zirkus als Freizeitgestaltung abgelöst“, erzählt er.

Mit den sinkenden Besucherzahlen schwinden auch die Einnahmen, das wirtschaftliche Überleben werde so immer schwieriger. Vor allem während der Hitzemonate im vergangenen Jahr sei ein Großteil der Zuschauer ausgeblieben: „Die Leute gehen bei schönem Wetter lieber ins Freibad, als sich im stickigen Zirkuszelt unsere Darbietungen anzusehen“, fügt Ricky schulterzuckend hinzu.

Seit einigen Wochen schon gastieren die Büglers neben dem Sportplatz oberhalb der Ortschaft Motzfeld – ohne je eine Vorstellung gegeben zu haben. Die Familie war auf der Suche nach einem geeigneten Wirterquartier, als ein Defekt an der Zugmaschine die Weiterreise unmöglich machte. Zu allem Überfluss hat das Sturmtief Sabine schwere Schäden am Zeltdach der Tiere hinterlassen, sodass Ponys und Lamas mitten in der Nacht evakuiert und in ihre Anhänger gebracht werden mussten. Für eine neue Plane fehlen allerdings die finanziellen Mittel.

Wie aus einer anderen Zeit wirken die bunten Wagen, mit denen die Familie durchs Land zieht.

An einen Standortwechsel sei deshalb frühestens Anfang April zu denken, betont August Bügler. Dann, wenn das Wetter besser ist und die Wagen nicht mehr im Schlamm zu versinken drohen, lohne sich die Weiterfahrt.

„Zum Glück wurden wir von den Bewohnern im Dorf herzlich aufgenommen“, sagt Bügler. Aus seiner Stimme klingt Erleichterung. Nicht jede Gemeinde sei so hilfsbereit, weiß der erfahrene Zirkuschef. Bernd Schneider, Vorsitzender des SV Motzfeld, hatte der Familie das Sportplatzgelände spontan zur Verfügung gestellt. Nun kommen dort hin und wieder Eltern mit ihren Kindern vorbei, um die Ponys und Lamas zu streicheln.

Heute bangt die Zirkusfamilie um ihre Existenz. Dabei besteht das einstmals erfolgreiche Familienunternehmen schon in der siebten Generation. Wie in vielen traditionellen Familienbetrieben, übernehmen auch hier nach den Großeltern und Eltern irgendwann die Kinder das Zirkusgeschäft. So werden bereits die Jüngsten früh in den Zirkusalltag integriert: Ricky hatte seinen ersten Auftritt in der Manege mit sechs Jahren – damals allerdings noch als Kinderclown. Inzwischen begeistert er das Publikum als Feuerschlucker und nennt sich selbst „Herr der Flammen“.

Normalerweise stehen Lasso-Spiele, artistische Darbietungen und die Clownvorführung im Programm der Zirkusfamilie. In den Wintermonaten lohnt es sich jedoch kaum, das große Zelt aufzubauen. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, treten die Schausteller deshalb in Schulen und Kindergärten oder bei Dorffesten auf, um trotzdem über die Runden zu kommen.

Aufgeben ist für Ricky Bügler dennoch keine Option: „Ich bin im Zirkus geboren und aufgewachsen. Für mich kommt ein anderes Leben nicht infrage.“

Von Lisa Hirdes

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