Windpark oder Gewerbe?

Grünen-Abgeordnete kritisiert Erweiterungspläne in Friedewald

Friedewalds Bürgermeister Dirk Noll
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Friedewalds Bürgermeister Dirk Noll

Friedewald – Eine Windvorrangfläche spricht nach Ansicht der Grünen-Landtagsabgeordneten Kaya Kinkel gegen die angedachte Erweiterung des Friedewalder Gewerbegebiets nach Osten. Bürgermeister Dirk Noll hält das Vorhaben hingegen dennoch für umsetzbar.

In einer Pressemitteilung merkt Kinkel an, dass eine Erweiterung nicht zulässig wäre, sofern sie in den Bereich der ausgewiesenen Windvorrangfläche HEF 26 käme. Auf Nachfrage im hessischen Ministerium für Wirtschaft und Energie ist der Sachverhalt aus Sicht der Abgeordneten eindeutig: „Das laut Sommerinterview von Friedwalds Bürgermeister Dirk Noll angedachte Gebiet im Wald des geplanten Gewerbegebiets Ost grenzt an ein ausgewiesenes Vorranggebiet zur Nutzung der Windenergie. Laut Aussage des Ministeriums dürfen auf diesem Vorranggebiet nur Windenergieanlagen errichtet werden. Die Entwicklung eines Gewerbegebiets in diese Flächen hinein ist daher faktisch nicht möglich“, argumentiert Kinkel.

In den rechtsgültig festgelegten Teilregionalplänen Energie Hessen seien zwei Prozent der Landesfläche als Windvorranggebiete ausgewiesen. „Diese Vorrangflächen dienen dazu, gezielt Windkraftanlagen auszubauen, denn im Kampf gegen die Klimakrise brauchen wir deutlich mehr Windkraft und nicht neue Gewerbegebiete, die mit ihrer Flächenversiegelung den Klimawandel zusätzlich verstärken. Der deutliche Ausbau der erneuerbaren Energien und damit auch der Windenergie ist eine tragende Säule im Kampf gegen den Klimawandel. Dafür gibt es die Teilregionalpläne und die ausgewiesenen Vorrangflächen für Windenergie. Ausnahmen können und dürfen dort keine gemacht werden“, so die Landtagsabgeordnete abschließend.

„Selbstverständlich ist uns bekannt, dass die Ausweisung von Gewerbeflächen auf einer regionalplanerisch dargestellten Windvorrangfläche nicht möglich ist“, entgegnet Friedewalds Bürgermeister Dirk Noll (SPD), auf Nachfrage unserer Zeitung. Rund 35 Hektar potenzielle Erweiterungsfläche lägen allerdings nicht im Windvorranggebiet. Eine Machbarkeitsstudie komme zum Ergebnis, dass dieser Bereich durchaus als Gewerbegebiet ausgewiesen werden könne. „Darüber hinaus können natürlich auch ausgewiesene Windvorrangflächen regionalplanerisch verändert werden, sofern der politische Wille gegeben ist“, meint Noll, der zudem anmerkt, dass in und um Friedewald weit mehr als zwei Prozent der Flächen für die Windkraft eingebracht worden seien. „Das dürfte auch Frau Kinkel sicherlich nicht entgangen sein.“

Der Anteil der regionalen Stromerzeugung am Gesamtverbrauch habe im Jahr 2019 in Friedewald 421,9 Prozent betragen. „Es gibt sicherlich ganz andere Kommunen, die ihren Beitrag zu dieser Thematik erst mal erbringen sollten“, merkt der Bürgermeister an.

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