Entschärfung am Mittag

Großeinsatz in Friedewald: Weltkriegsbombe wird erfolgreich entschärft

Blindgänger: Diese Splitterbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde in Friedewald entschärft.
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Blindgänger: Diese Splitterbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde in Friedewald entschärft.

Der Fund einer Weltkriegsbombe sorgt in Friedewald am Mittwochabend für Aufsehen. Am Donnerstag wird die Bombe erfolgreich entschärft.

Friedewald - Der Kampfmittelräumdienst des RP Darmstadt hat am Donnerstag (04.11.2021) im Ortskern von Friedewald eine amerikanische Splitterbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Der 45 Kilogramm schwere Sprengkörper war laut Polizei am Mittwoch gegen 13.30 Uhr bei Gartenarbeiten auf einem Privatgrundstück an der Straße Große Hohle entdeckt worden. Nähere Angaben zu den Umständen des Bombenfundes machten die Beamten vor Ort nicht – im Fokus stehe zunächst die Gefahrenabwehr.

Die etwa 52-Zentimeter lange Bombe habe direkt an der Erdoberfläche gelegen, was bei einer Detonation für einen vergleichsweise großen Streuwinkel gesorgt hätte, erklärte Sprengmeister Alexander Majunke vom Kampfmittelräumdienst nach dem Einsatz.

Bombenfund in Friedewald: Evakuierte Personen wurden vom DRK versorgt

Deshalb war in einem Umkreis von 300 Metern um die Fundstelle eine Evakuierung angeordnet worden. Innerhalb dieses Radius befinden sich auch das DRK-Seniorenzentrum am Schloss, das Schlosshotel Prinz von Hessen sowie die Gemeindeverwaltung und die B 62, die zwischenzeitlich gesperrt wurde. Betroffen waren 500 bis 700 Personen. Rund 60 Bewohner und die Mitarbeiter des Seniorenzentrums wurden am Morgen mit Bussen in die Bürgerbegegnungsstätte nach Lautenhausen gebracht. Gegen 10 Uhr begannen Feuerwehrleute damit, die Sperrzone nach verbliebenen Bewohnern abzusuchen.

Lautsprecherwagen der Polizei forderten die Menschen zum Verlassen ihrer Wohnungen auf. Etwa 65 Personen, darunter auch Gäste des Schlosshotels, warteten in der Betreuungsstelle in der Festhalle auf das Ende der Sperrung. Die Evakuierten wurden von Einsatzkräften des Roten Kreuzes versorgt.

Nachdem der Gefahrenbereich gegen 11.05 Uhr vollständig geräumt und aus der Luft per Drohne des DRK Bebra abgesucht worden war, begann gegen 11.40 Uhr die Entschärfung. Laut Sprengmeister Alexander Majunke wurde der stark korrodierte Aufschlagzünder zunächst mit einer aus der Ferne ausgelösten Raketenklemme aus der Bombe gedreht, dann händisch entfernt und zur Sprengung in einen Steinbruch bei Motzfeld gebracht. Die Bombe wurde auf einen Lagerplatz nach Mittelhessen transportiert und soll von einer Fachfirma entsorgt werden. Gegen 12 Uhr war die Entschärfung abgeschlossen. Kurz darauf durften die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren.

Bomben-Entschärfung in Friedewald: „Hoffentlich geht alles gut“

Die erlösende Nachricht trifft gegen 12.15 Uhr im Lagezentrum gegenüber der Festhalle ein: Sprengmeister Alexander Majunke gibt Entwarnung, die amerikanische Splitterbombe aus den Zweiten Weltkrieg ist entschärft.

Im Fokus der Kameras: Alexander Majunke vom Kampfmittelräumdiest beantwortet nach seinem Einsatz die Fragen der Reporter.

Im sonst eher beschaulichen Ortskern von Friedewald herrscht am Donnerstag Ausnahmezustand: Einsatzfahrezuge säumen die Straßen, rund 300 Einsatzkräfte – neben Polizisten auch Feuerwehrleute und Rotkreuz-Bereitschaften aus dem gesamten Kreisgebiet sowie ein Team der Notfallseelsorge – sind auf den Beinen. Bereits am Morgen beginnt die Evakuierung des Seniorenzentrums am Schloss. Helfer begleiten die Bewohner zu den Bussen, die sie in die Bürgerbegegnungsstätte nach Lautenhausen bringen.

Lautsprecherwagen rollen durch den strömenden Regen, Feuerwehrleute klingeln an allen Türen und suchen nach verbliebenen Bewohnern. Die meisten Menschen haben da den gesperrten Bereich bereits verlassen. Viele sind an der Arbeit oder bei Verwandten untergekommen, aber auch das Betreuungszentrum in der Festhalle füllt sich. Dort warten auch Sigrun Mönike und Kurt Höll darauf, in ihre Wohnungen in der Nähe des Fundorts zurückkehren zu können. Von der Evakuierung habe sie am Vorabend von ihrer Tochter erfahren und seither kein Auge zugetan, sagt Sigrun Mönike – „hoffentlich geht alles gut“.

Hoffen, dass alles gut geht: Sigrun Mönike und Kurt Höll warten in der Festhalle auf die Rückkehr in ihre Wohnungen.

Friedewald: Entwarnung nach Bomben-Entschärfung kam am Mittag

Als die Kameradrohne des DRK Bebra gelandet ist, steht fest: niemand mehr im Gefahrenbereich. Kurz darauf ist vor der Festhalle ein leiser Knall zu vernehmen: Es ist die Treibladung des pyrotechnischen Schraubwerkzeugs, das den Zünder aus dem Blindgänger dreht. Der erste Schritt der Entschärfung, erklärt Bürgermeister Dirk Noll, der die Journalisten gemeinsam mit den Polizeisprechern Sandra Hanke und Patrick Bug über die aktuelle Lage informiert.

Weltkriegsbombe in Friedewald entschärft

Weltkriegsbombe in Friedewald entschärft.
Weltkriegsbombe in Friedewald entschärft.
Weltkriegsbombe in Friedewald entschärft.
Weltkriegsbombe in Friedewald entschärft.
Weltkriegsbombe in Friedewald entschärft

Gegen 12.15 Uhr trifft die erlösende Nachricht ein – und etwas später auch Sprengmeister Alexander Majunke, der umringt von Kameras und Mikrofonen die schnelle Evakuierung, den reibungslosen Ablauf und das gute Zusammenspiel von Kreis, Gemeinde, Polizei und Einsatzkräften lobt. (Jan-Christoph Eisenberg)

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