Eine Garage fürs Wasser

Wasserbeschaffungsverband baut bei Friedewald, damit das Wasser den richtigen Druck hat

Neu und alt: Neben dem alten Druckunterbrecher-Schacht des Wasserbeschaffungsverbandes aus dem Jahr 1968 entsteht derzeit der Nachfolgerbau. Den Baufortschritt begutachten (von links) Friedewalds Bürgermeister Dirk Noll, Wassermeister Michael Reinmüller, Betriebsleiter Heiko Habermann und Verbandsvorsteher Daniel Iliev. Fotos: Eisenberg

Friedewald. Die Optik ähnelt einer schlichten Fertiggarage, tatsächlich hat der 55 Tonnen schwere Betonklotz, den die Mitarbeiter der Sontraer Baufirma Laudemann kürzlich unweit der Friedewalder Sängerhütte gesetzt haben, aber zentrale Bedeutung für die Trinkwasserversorgung der Stadt Heringen sowie der Gemeinden Friedewald und Philippsthal.

Der Wasserbeschaffungsverband Ostteil Kreis Hersfeld-Rotenburg (WBV) lässt einen Druckunterbrecherschacht neu errichten. Insgesamt drei solcher Anlagen gebe es im Netz des Verbandes, erläutert Heiko Habermann, Betriebsleiter der Heringer Stadtwerke, bei denen die Betriebsführung des Verbandes angesiedelt ist. In das Bauwerk an der Alten Hersfelder Straße wird das Trinkwasser aus dem verbandseigenen Wasserwerk an der Gießlingskirche gepumpt, welches von zwei Brunnen und einer Quelle gespeist wird. Außerdem mündet am Wasserwerk eine Leitung, aus der der Verband Wasser aus dem Bad Hersfelder Leitungsnetz beziehen kann.

Druck wäre zu hoch

Weiterer Investitionsbedarf: Derzeit reparieren die Mitarbeiter der Baufirma Räuber ein Leck in der Transportleitung am Wasserwerk Gießlingskirche.

„Würde das Wasser vom Wasserwerk direkt in unser Netz eingespeist, wäre im Tal der Druck in den Leitungen zu hoch, erklärt Habermann. Deshalb sei der Unterbrecher zwischengeschaltet: Das Wasser aus der Druckleitung sammelt sich im Inneren des Bauwerks in einer Kammer. Von dort fließt es – alleine durch den Höhenunterschied ohne weitere Pumpen – zum zentralen Hochbehälter des Wasserbeschaffungsverbandes am gegenüberliegenden Hang des Dreienbergs. Von dort aus werden alle drei Verbandskommunen mit Wasser versorgt. Lediglich zum etwas höher gelegenen Hochbehälter der Gemeinde Friedewald müsse dafür noch einmal gepumpt werden, erklärt Heiko Habermann. Zum Transport ins Werratal reiche das Gefälle aus. 900 bis 1600 Kubikmeter Wasser passieren den Druckunterbrecher in Friedewald jeden Tag. „Wenn er ausfällt, bleiben uns nur noch 700 Kubikmeter“, erklärt Wassermeister Michael Reinmüller. Die Anlage könne daher maximal 24 Stunden außer Betrieb genommen werden. Neben dem sanierungsbedürftigen Gebäude aus dem Jahr 1968 wird daher eine komplett neue Anlage errichtet. Per Schwertransport wurde das Bauwerk am Stück angeliefert. Derzeit läuft der Einbau der Armaturen. Anschließend wird die Anlage ans Netz angeschlossen und das alte Bauwerk abgebrochen. In den Neubau investiert der Verband rund 286 000 Euro. Bis Ende März sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Verband muss investieren

Der Wasserbeschaffungsverband wurde Anfang der 1960er Jahre gegründet, da die drei beteiligten Kommunen ihren Wasserbedarf nicht mehr aus eigenen Quellen und Brunnen decken konnten. Er verfügt über 62 Kilometer Transportleitungen. Die jeweiligen Ortsnetze gehören nicht dem Verband, ebenso verfügen die Mitgliedskommunen teilweise zusätzlich noch über eigene Quellen und Brunnen.

In den kommenden Jahren müsse der WBV rund 20 Millionen Euro in seine Anlagen Investieren, erklärt der Verbandsvorsteher, Heringens Bürgermeister Daniel Iliev. Deutlich werde das aktuell am zweiten Rohrbruch innerhalb weniger Tage an der Verbindungsleitung nach Bad Hersfeld. Da die Wassermenge der Quellen nachlasse, müsse der Verband außerdem auf Wassersuche gehen, ergänzt Heiko Habermann.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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