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Uznamen: Friedewalds Bewohner wurden nach Zugvögeln benannt

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Von: Anna-Laura Weyh

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Friedewälder Wasserburg im Schnee.
Früher gab es noch mehr Schnee: Friedewald war mit seiner Wasserburg oft den gesamten Winter in Weiß gehüllt. © Archivfoto/Ludger Konopka

Fast jeder Ort hat ihn: einen Uznamen. Meist vergeben von benachbarten Dörfern sind die Spitznamen voller Spott. Aber wie sind diese Namen einst entstanden? Heute: Die Friedewälder Schneegänse.

Friedewald – Wie die Dörfer rings um den Dreienberg, haben auch die Friedewälder einen Uznamen. Sie sind die Schneegänse. Im Buch „Alte Geschichten rund um Friedewald“ ist Hans Pietsch vom Heimatverein dem Namen auf den Grund gegangen.

Der Spitzname für das Dorf mit der Wasserburg könnte von den niedrigen Temperaturen in dem Ort kommen. „In Friedewald ist es immer etwas kälter als in Bad Hersfeld oder im Werratal“, sagt Pietsch. Oder auf Platt: In Frewaald ist‘s kaald.

Schon der Pfarrer und Buchautor Werner Bötte soll Friedewald um 1900 in seinen Büchern als ein Dorf beschrieben haben, hoch oben in den Bergen, wo der Wind aus allen Ecken bläst, und wo der Schnee bis in den April liegen bleibt und schon im Oktober wieder da ist.

Genauso rau wie die Gegend beschrieb der Theologe auch ihre Bewohner. Friedewälder seien ein eigensinniges und widerborstiges Volk, das Pfarrern und Lehrern das Leben schwer mache. „Sie zanken sich stets untereinander, stehen aber nach außen zusammen“, heißt es in dem Text von Hans Pietsch.

Im Oktober fliegen zudem unzählige Kraniche über Friedwald hinweg in Richtung Süden. „Früher kannten die Menschen keine Kraniche. Sie dachten, es seien Gänse“, sagt Pietsch.

Weil die Zugvögel ein Vorzeichen für den Winter und damit auch den Schnee waren, nannten die Friedewälder sie Schneegänse – und schon bald wurden die Dorfbewohner auch von ihren Nachbarn nach den schnatternden Tieren genannt. (Anna Weyh)

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