Statt kirchlich bald kommunal

Gemeinde Friedewald übernimmt Friedhöfe in drei Ortsteilen

Trägerwechsel: Neben dem Friedhof in Lautenhausen (unser Bild) wird die Gemeinde Friedewald zum kommenden Jahr auch die Friedhöfe in den Ortsteilen Hillartshausen und Motzfeld von der evangelischen Kirche übernehmen.
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Trägerwechsel: Neben dem Friedhof in Lautenhausen (unser Bild) wird die Gemeinde Friedewald zum kommenden Jahr auch die Friedhöfe in den Ortsteilen Hillartshausen und Motzfeld von der evangelischen Kirche übernehmen.

Die Friedewalder Gemeindevertreter haben die Übernahme der kirchlichen Friedhöfe in Motzfeld, Hillartshausen und Lautenhausen in kommunale Trägerschaft beschlossen.

Friedewald - Obwohl die Friedewalder Gemeindevertreter die Übernahme der bislang kirchlichen Friedhöfe in Motzfeld, Lautenhausen und Hillartshausen in kommunale Trägerschaft zum Januar 2021 am Mittwochabend bei einer Enthaltung einstimmig beschlossen haben, waren sie über diese Entscheidung alles andere als glücklich.

Vielmehr sahen die Parlamentarier darin die einzige Möglichkeit, Verstorbene aus diesen Ortsteilen auch weiterhin in ihren Heimatdörfern bestatten zu können. Denn einem Beschluss der Landessynode der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck folgend, die flächendeckende Übergabe der kirchlichen Friedhöfe an die Kommunen anzustreben, sei auch die Kirchengemeinde am Dreienberg mit diesem Ansinnen an die politische Gemeinde herangetreten, berichtete Bürgermeister Dirk Noll.

Nach einer gemeinsamen Sitzung mit dem Kirchenvorstand im vergangenen Februar seien die Friedhofskommissionen der drei Orte zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen: Während sich die Gremien in Hillartshausen mehrheitlich und in Motzfeld sogar einstimmig für eine Übertragung ausgesprochen hätten, sei diese in Lautenhausen mehrheitlich abgelehnt worden.

Eine rechtliche Verpflichtung zur Übernahme gebe es nicht, da mit dem Friedhof im Kernort Friedewald bereits eine Begräbnisstätte in kommunaler Hand vorgehalten werde, verdeutlichte der Rathauschef. Die Folge wäre dann aber wohl die Entwidmung der kirchlichen Friedhöfe nach Ablauf der Ruhezeit der letzten Gräber. Um die Begräbnisorte jedoch als „erhebliche identitätsstiftende Faktoren für die Ortsteile“ zu erhalten, empfahl der Bürgermeister die Übernahme.

Die damit verbundenen Mehrkosten dürften nach Einschätzung des Verwaltungschefs vergleichsweise gering ausfallen, da die Kommune auch bisher schon die jährlichen Fehlbeträge von durchschnittlich 5300 Euro getragen habe. Unter Umständen würden jedoch Gebührenerhöhungen nötig, falls bislang von Ehrenamtlichen geleistete Tätigkeiten künftig von bezahlten Kräften erledigt werden müssten.

Bedauernd beziehungsweise enttäuscht äußerten sich sowohl Wilfried Möller (OL) als auch Bernd Iffland und Bernd Stahl (beide SPD) über den Rückzug der Kirche aus dem Friedhofswesen. Die Redner beider Fraktionen äußerten zudem die Hoffnung, dass die bislang bei Verwaltung und Pflege der Friedhöfe aktiven Einwohner ihr Engagement auch unter kommunaler Regie fortsetzen.

„Mega enttäuscht“ zeigte sich auch Bürgermeister Dirk Noll – allerdings darüber, dass sich unter den Zuhörern der Gemeindevertretersitzung kein Mitglied des Kirchenvorstandes befand: „Das wäre bei einer derartigen Entscheidung eigentlich das Mindeste gewesen.“

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