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Hähnchenmastanlage in Hillartshausen soll wachsen

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Könnte doppelt so groß werden: Die Betreiber der Hähnchenmastanlage in Hillartshausen wollen die Kapazität von 53 500 auf 107 000 Tiere erweitern. Hinter dem bestehenden Stall (links) würde dafür ein baugleiches Gebäude entstehen. Foto: Eisenberg
Könnte doppelt so groß werden: Die Betreiber der Hähnchenmastanlage in Hillartshausen wollen die Kapazität von 53 500 auf 107 000 Tiere erweitern. Hinter dem bestehenden Stall (links) würde dafür ein baugleiches Gebäude entstehen. Foto: Eisenberg

Hillartshausen. Als vor rund fünf Jahren die Pläne für die Hähnchenmastanlage im Friedewalder Ortsteil Hillartshausen vorgestellt wurden, schlugen die Wellen hoch. Deutlich unaufgeregter verlief am Mittwochabend eine Infoveranstaltung zur Erweiterung des 2013 in Betrieb gegangenen Stalls. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

 Im voll besetzten Dorfgemeinschaftshaus diskutierten Einwohner, Kommunalpolitiker und Vertreter von Umweltverbänden die Pläne der Betreiberfamilie. Landwirt Jens Weitz erklärte anhand von Fotos den Mastzyklus und Wolfgang Weber vom Regierungspräsidium Kassel erläuterte das Genehmigungsverfahren.

Wie ist die aktuelle Situation?

In dem 27 mal 100 Meter großen Stall werden in einem Durchgang 53 500 Hähnchen gemästet. Die Küken werden direkt aus einer Brüterei zum Stall transportiert. Nach 42 Tagen haben die Tiere ein Gewicht von rund 2,9 Kilogramm erreicht. Dann verlädt sie eine Fänger-Kolonne in Transportboxen. Lastwagen bringen die Tiere zu einer Schlachterei in Niedersachsen. Etwa 10 000 Hähnchen eines Durchgangs werden früher geschlachtet, damit gegen Ende des Mastzyklus im Stall die maximal zulässige Besatzdichte von 39 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter nicht überschritten wird. Den Hühnermist verwerten die Landwirte in einer Biogasanlage.

Wie sehen die Erweiterungspläne aus?

Neben dem bestehenden Stall möchte Weitz eine baugleiche Halle errichten. Beantragt ist das bislang noch nicht. Die Zahl der Tiere würde sich auf 107 000 verdoppeln. Der vorhandene Technik- und Betriebsbereich, von dem aus Fütterung und Lüftung gesteuert werden, könnte für beide Ställe genutzt werden. Ein- und ausgestallt werde in beiden Hallen zum gleichen Zeitpunkt, erläuterte Jens Weitz.

Welche Einflussmöglichkeiten hat die Gemeinde?

Landwirtschaftliche Einrichtungen im Außenbereich sind sogenannte privilegierte Bauvorhaben, über die das Regierungspräsidium nach dem Bundesimmissionsschutz-Gesetz entscheidet. Die Gemeinde hat darauf kaum Einfluss. Voraussetzung ist allerdings, dass die Landwirte über genügend Fläche verfügen, um theoretisch mehr als die Hälfte des benötigten Futters selbst erzeugen zu können. Sie sind aber nicht verpflichtet, tatsächlich Futtergetreide anzubauen.

Für die geplante Erweiterung fehlen der Familie Weitz nach eigenen Angaben rund 100 Hektar. Deshalb müsste die Gemeinde vor dem Bau ein Sondergebiet ausweisen. Im Zuge des Bauleitverfahrens könnte sie Auflagen formulieren oder aber den Bau verweigern, erläuterte Wolfgang Weber vom Regierungspräsidium. Das verhindere aber nicht, dass möglicherweise ein anderer Landwirt mit genügend Flächen in unmittelbarer Nähe privilegiert baut. Das könnte auch Familie Weitz selbst tun – wenn sie genügend zusätzliche Flächen kaufen oder pachten würde.

Gibt es Bedenken gegen die Erweiterung?

Viele Hillartshäuser scheinen sich mit der Mastanlage arrangiert zu haben. Dennoch gibt es zur Erweiterung auch Bedenken: In erster Line mögliche Staub- und Geruchsbelastung sowie zunehmender Lkw-Verkehr.

Im Genehmigungsverfahren sei eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgesehen, erläuterte Wolfgang Weber. Eine Filteranlage sei derzeit nicht vorgeschrieben. 263 Lastwagen im Jahr würden laut Jens Weitz nach der Erweiterung den Stall anfahren, um Küken oder Futter anzuliefern und Schlachttiere abzuholen.

Hinsichtlich der mehrfach angesprochenen Geruchsbelästigung durch die Biogasanlage stellte Seniorchef Hans-Jochem Weitz zumindest eine gewisse Verbesserung durch neue Technik bei Aggregaten und Ausbringung der Gärreste in Aussicht.

Gibt es weitere Kritikpunkte?

Kritisch hinterfragt wurden die Haltungsbedingungen bei Großmästern vor allem von Vertretern des BUND und Hobby-Geflügelhaltern. Jens Weitz verwies auf umfangreiche Kontrollen. Antibiotika würden nur nach tierärztlicher Verordnung und entsprechender Befundstatistik verabreicht – dann allerdings allen Hähnchen über das Trinkwasser. Nicht bei jedem Mastdurchgang sei ihr Einsatz nötig. Die Verlustrate durch tote Tiere bezifferte der Landwirt auf 1,5 bis 2,2 Prozent.

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