Pfarrerin Julia Kaiser verschickt täglich eine Andacht

Gute Worte gibt es in Friedewald frei Haus

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Licht der Hoffnung : In Friedewald werden derzeit in vielen Häusern täglich um 18 Uhr Kerzen entzündet. Pfarrerin Julia Kaiser stellt den Bewohnern dazu täglich eine Andacht z ur Verfügung.

Während der Coronakrise wird in der evangelischen KirchengemeindeFriedewald eine Andacht gewissermaßen frei Haus geliefert – und zwar jeden Tag.

Angesichts der Einschränkungen durch die Pandemie stand wie viele ihrer Berufskollegen auch Pfarrerin Julia Kaiser gemeinsam mit dem Kirchenvorstand vor der Frage, wie das Gemeindeleben ohne gemeinsame Gottesdienste und persönliche Kontakte gestaltet werden soll.

Bei einer Übertragung per Livestream oder das Videoportal Youtube wären diejenigen außen vor, die keinen Zugang zu den neuen Medien haben, gibt die Pfarrerin zu bedenken. Zudem reiche gerade in Zeiten der Isolation ein wöchentliches Angebot nicht aus: „Es wichtig, ein gemeinschaftsstiftendes Ritual zu haben, zu beten, die Hoffnung nicht aufzugeben und – so gut es eben möglich ist – füreinander da zu sein“, ist Julia Kaiser überzeugt.

Julia KaiserPfarrerin Friedewald

„In einem Telefongespräch hat eine Frau gesagt, dass sich die Menschen über ein gutes Wort von mir freuen würden“, erinnert sich die Seelsorgerin. So sei die Idee für die tägliche Andacht zum Selbstlesen entstanden. Dafür haben die Pfarrerin und ihre Mitstreiter die Aktion „Licht der Hoffnung“ aufgegriffen: Täglich 18 Uhr zünden die Teilnehmer zuhause eine Kerze an, stellen sie, wenn möglich, ans Fenster und beten gemeinsam. In Friedewald wurde diese Idee um die täglich von der Pfarrerin verfasste Andacht erweitert.

Verbreitet werden die Texte per Whatsapp, Email oder Briefeinwurf. Um die Andachten in Papierform zuzustellen, sind die Pfarrerin und Mitglieder des Kirchenvorstandes täglich in der Gemeinde unterwegs, die neben dem Kernort Friedewald auch Hillartshausen, Lautenhausen und Motzfeld umfasst.

Die Aktion wurde am 22. März gestartet und hat inzwischen mehr als 100 Abonnenten. Darunter seien auch einige Haushalte mit mehrere Personen. „Es hängen also deutlich mehr Menschen dran“, freut sich Julia Kaiser über den guten Zuspruch.

Die täglichen Andachten erreichen somit auch Einwohner, die normalerweise nicht regelmäßig die Gottesdienste besuchen – junge Familien ebenso wie Senioren, die das Haus nicht mehr verlassen können.

Als Ergänzung zu den Texten verschickt die Pfarrerin auf elektronischem Wege auch passende Lieder, die Organisten und andere Musiker zuhause aufgenommen haben. Und auf der Homepage der Kirchengemeinde gibt es ein Tagebuch, in dem die Menschen aus Friedewald täglich Bilder, Gedanken und Ideen, aber auch das das, was sie in der aktuellen Situation bewegt, mit anderen teilen können.

Trotz der räumlichen Distanz sei die Kirchengemeinde in der aktuellen Krise näher zusammengerückt, berichtet Julia Kaiser. Die täglichen Andachten für Zuhause möchte sie solange fortsetzen, bis wieder gemeinsam Gottesdienst gefeiert werden kann.

Inwieweit das neue Format auch danach noch Eingang in die Gemeindearbeit finden wird, kann die Pfarrerin derzeit allerdings noch nicht einschätzen.

Gottesdienste to go gibt es inzwischen in den meisten Kirchengemeinden.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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