Betriebsstart noch 2018 geplant

Großbaustelle im Wald für den Windpark Roteberg

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Werkstatt unter freiem Himmel: Windrad-Komponenten wie Maschinenhaus, Nabe und Turmsegmente werden auf den Bauplätzen zusammengesetzt und für die Montage vorbereitet. Im Hintergrund ist die erste aufgestellte Anlage erkennbar.

Friedewald. Auf dem Roteberg zwischen Friedewald und Sorga sind in die ersten beiden Türme des geplanten Windparks in die Höhe gewachsen.

Nach den Plänen des Investors und künftigen Betreibers CPC Germania aus dem nordrhein-westfälischen Rheine sollen alle fünf Anlagen vom Typ Vestas 117 noch vor dem Jahreswechsel komplett montiert und in Betrieb genommen sein. Dieser Zeitplan wirke zwar auf den ersten Blick ambitioniert, sei aber durchaus realistisch, betont Projektleiter Matthias Hladky: Vom Aufsetzen des ersten Turmsegments auf das Fundament bis zur Montage der knapp 60 Meter langen Rotorblätter in 141 Metern Höhe benötigen die Monteure laut Hladky etwas weniger als drei Tage. Allerdings komme es immer wieder zu Zwangspausen – dann nämlich, wenn Windböen den rund 170 Meter hohen Ausleger des Raupenkrans zum Schwanken bringen, was die Millimeterarbeit in luftiger Höhe unmöglich macht.

Um die windstillen Zeiten effektiver nutzen zu können, sei jetzt ein zweiter Raupenkran an die Baustelle geordert worden, der mit einem niedrigeren Ausleger gewissermaßen als Vorabkommando die beiden unteren Turmsegmente in Position bringen soll, während das Spezialgerät mit dem höheren Gittermast weiterhin die Montage der übrigen Komponenten übernimmt. Mit ihren Raupenfahrwerken, in deren Ketten ein Mensch bequem aufrecht stehen könnte, fahren die Spezialgeräte auf einem Packlager aus Holzschwellen. Sie sind damit beweglicher als vergleichbare Autokrane, die durch Stützen stabilisiert werden müssen. Den Weg zwischen den nur wenige hundert Meter voneinander entfernten Bauplätzen können die Kettenfahrzeuge wegen ihrer enormen Größe jedoch nicht aus eigener Kraft zurücklegen. Für den Transport über die Waldwege werde der Kran jeweils in seine Einzelteile zerlegt und auch das Kettenfahrwerk abgenommen, berichtet der Projektleiter.

Millimeterarbeit in luftiger Höhe: Ein Spezialkran hebt die einzelnen Bauteile in Position.

Auch die Segmente für die Türme werden nicht am Stück, sondern in sogenannten Drittelschalen angeliefert und erst an Ort und Stelle zu Ringen verschraubt. Diese Praxis sei ebenfalls den Abmaßen geschuldet, verdeutlicht Hladky: Mit einem Durchmesser von rund 8,50 Metern am Fuß der Türme wären die Stahlröhren am Stück einfach zu groß für den Straßentransport. Weil die Fläche der Montageplätze begrenzt sei, würden viele Komponenten quasi „Just in Time“ angeliefert und direkt verbaut.

Von der Autobahnabfahrt Friedewald rollten die Schwertransporte über die B 62 in Richtung Malkomeser Brücke bis zur eigens durch den Wald gebauten Zufahrt. Die letzten Meter hinauf schaffen die Zugmaschinen allerdings nicht aus eigener Kraft: Ein Raupenschlepper eines Landwirts wird zur Unterstützung vorgespannt.

Das Ringen um eine Zufahrt hatte den Bau des seit 2015 genehmigten Windparks stark verzögert. Alle zuvor geprüften Varianten waren am Widerstand betroffener Grundstückseigentümer und -pächter gescheitert. Irritationen gab es jetzt noch einmal um die Arbeiten an der im Bau befindlichen Kabeltrasse zum Umspannwerk Hohe Luft: Dabei waren offenbar auch Grundstücke ohne Einwilligung der Eigentümer betreten und befahren worden.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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