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Friedewalder Gemeindeparlament: Gewerbegebiet soll weiter wachsen

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Möglicher Platz für neue Firmen: Das Friedewalder Gewerbegebiet könnte nach den Plänen des Gemeindeparlaments auf diesen Flächen erweitert werden.
Möglicher Platz für neue Firmen: Das Friedewalder Gewerbegebiet könnte nach den Plänen des Gemeindeparlaments auf diesen Flächen erweitert werden. © Jan-Christoph Eisenberg

Geht es nach dem Friedewalder Gemeindeparlament, soll das Gewerbegebiet der Dreienberggemeinde in östlicher Richtung weiter wachsen.

Friedewald – Die ersten dafür notwendigen planungsrechtlichen Schritte haben die Mandatsträger am Mittwochabend während ihrer Sitzung im Motzfelder Bürgersaal einstimmig angestoßen.

Konkret beauftragten sie das Büro Regiokonzept aus Wölfersheim zum Preis von insgesamt 78 500 Euro mit der Abwicklung entsprechender Abweichungsverfahren vom Regionalplan Nordhessen sowie mit der naturschutzfachlichen Bestandserfassung in den Gebieten „In den Sommerrödern“ und „Auf dem Schlag“.

Für das letztgenannte Areal wurde außerdem bereits ein Antrag auf Abweichung vom Regionalplan Nordhessen für ein Industriegebiet auf den Weg gebracht.

Hinter den Flurnamen verbirgt sich einerseits die erneute Erweiterung des Zentralhubs der Firma Hermes. Der Logistiker wolle Stückgut mit Übergröße künftig automatisiert statt händisch umschlagen und dafür eine entsprechende Anlage bauen, erklärte der Erste Beigeordnete Bernd Stahl (SPD).

Eine Neuansiedlung nimmt die Gemeinde hingegen für die Fläche Auf dem Schlag ins Visier: Während auf der ursprünglichen Tagesordnung noch ein Logistikzentrum des Discounters Lidl genannt wurde, ist in der durch den Haupt- und Finanzausschuss überarbeiteten Beschlussvorlage nun nicht mehr konkret von diesem Unternehmen die Rede, sondern lediglich von einem international tätigen deutschen Lebensmitteldiscounter der etwa 13 Hektar Fläche benötigt.

Der Ausweisung von Gewerbegebieten auf forstwirtschaftlichen Flächen hatte Hessens Umweltministerin Priska Hinz kürzlich eine Absage erteilt (unsere Zeitung berichtet).

Waldgebiet müsste allerdings nur für die Hermes-Erweiterung in Anspruch genommen werden, während sich die Neuansiedlung auf die Freiflächen zwischen Waldkante bestehendem Gewerbegebiet und der Landesstraße nach Hönebach beschränkt.

Dass Hermes als ortsansässiges Unternehmen die Möglichkeit zur Erweiterung bekommen soll, war für die Redner beider Fraktionen unstrittig. Differenzierter fiel hingegen die Bewertung der Neuansiedlung aus. So äußerte Bernd Iffland (SPD) zwar Verständnis für Vorbehalte gegen weitere Bodenversiegelung, merkte jedoch an, dass dafür aber ein naturschutzrechtlicher Ausgleich geleistet werde.

Auch bei späteren Bebauungen ließen sich ökologische Aspekte verstärkt berücksichtigen. Um ihre Infrastruktur aufrecht erhalten und die Bürger nicht weiter be- sondern entlasten zu können, sei die Gemeinde auf weitere Arbeitsplätze und Steuereinnahmen angewiesen, argumentierte der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten.

Uwe Hoche (OL) unterstrich, dass kein neues Industriegebiet aus dem Boden gestampft, sondern ein bestehendes erweitert und dabei die vorhandene Infrastruktur genutzt werde. Auch für seinen Fraktionskollegen Michael Joppich kommen grundsätzlich weitere Gewerbeflächen an der Autobahn infrage, weshalb er die ersten Planungsschritte grundsätzlich mittrug.

Gleichwohl gelte es, sich mit den konkreten Ansiedlungsplänen kritisch auseinanderzusetzen, da diese laut Joppich mit zusätzlichen 500 Lkw-Bewegungen am Tag verbunden seien. Diese Zahl treffe nicht zu, entgegnete der Erste Beigeordnete Bernd Stahl. Einig waren sich die Fraktionen darüber, dass die Projekte baldmöglich auch der Bevölkerung vorgestellt werden sollen.

Regierungspräsidium: Regionalplan lässt Gewerbegebiete auf Forstflächen nicht zu 

In einem Brief an das Bürgerbündnis Bodenschutz Waldhessen hatte Hessens Umweltministerin Priska Hinz betont, dass für Gewerbegebiete „allenfalls eine geringfügige Inanspruchnahme von Waldrandlagen, soweit dies forstfachlich und -rechtlich genehmigungsfähig wäre“ infrage komme (unsere Zeitung berichtete).

Hendrik Kalvelage, Pressereferent im Regierungspräsidium Kassel (RP) erklärt dazu auf HZ-Nachfrage, es handele sich dabei um „keine Freigabe dieser Möglichkeit, sondern ein Angebot, bei Vorliegen einer konkreten Planung unter Berücksichtigung der konkreten örtlichen Situation diese Möglichkeit zu prüfen.“ Eine allgemeine Angabe, bis zu welcher Größe es sich um geringfügige Waldrandflächen handele, sei daher nicht möglich. „Wenn überhaupt, könnte es sich hierbei nur um sehr kleine Arrondierungen handeln, also allenfalls sehr kleine Eingriffe, die sich am Waldrand aufgrund von Kriterien wie Landschaftseinbindung, sinnvolle Flächenabgrenzung, Landwirtschaft, Naturschutz, topografische Situationen andienen. Eine sinnhafte gewerbliche Inanspruchnahme von Wald kann dies nicht ermöglichen“, betont der RP-Sprecher.

Eine Zielabweichung für ein Gewerbegebiet zulasten des Vorranggebiets Forst ließen die Planvorgaben nicht zu, erläutert Kalvelage weiter. Denn dadurch würde ein Grundzug der Regionalplanung berührt. „Insofern stellt sich die Frage nach einer Entscheidung der Regionalversammlung über eine Zielabweichung nicht. Ergänzend sei angemerkt, dass die bisherige Entscheidungspraxis und die Einschätzungen, sowohl der Planungsbehörden als auch der Regionalversammlung und ihrer Ausschüsse, stets auch den schonungsvollen Umgang mit Flächen als prägende Diskussionsgrundlage hatte und ein diesbezüglicher Wertewandel nicht erkennbar ist“, so der Behördensprecher. 

(Jan-Christoph Eisenberg)

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