Schalterzeiten und Kontoauszugdrucker fallen weg

Friedewald: SPD kritisiert Raiffeisenbank in offenem Brief

Das Bild zeigt die Filiale der Raiffeisenbank Werratal-Landeck an der Hauptstraße in Friedewald.
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Künftig ohne Schalterbereich und Kontoauszugdrucker: Die Friedewalder SPD kritisiert in einem offenen Brief, dass die Raiffeisenbank Werratal-Landeck den Service in ihrer Filiale an der Hauptstraße zurückfährt.

Weil Schalterzeiten und Kontoauszugdrucker in Friedewald künftig wegfallen, kritisiert die SPD die Raiffeisenbank Werratal-Landeck.

Friedewald – In einem offenen Brief an Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisen Werratal-Landeck kritisieren der SPD-Ortsverein und die SPD-Fraktion in Friedewald, dass die Genossenschaftsbank ihr Service-Personal dauerhaft aus der Dreienberggemeinde abziehe.

„Mit großer Verwunderung mussten wir erfahren, dass ab 1. Dezember 2021 – also in wenigen Tagen – der Schalterbereich in der Filiale Friedewald dauerhaft eingestellt wird. Außerdem steht den Kunden in dieser Filiale kein Kontoauszugsdrucker mehr zur Verfügung. Der Wegfall dieser Serviceleistung ist für uns und insbesondere für unsere älteren Mitbürger nicht akzeptabel“, heißt es in dem vom Ortsvereinsvorsitzenden Dietmar Thoms und vom Fraktionsvorsitzenden Bernd Iffland unterzeichneten Schreiben.

Die Friedewalder Sozialdemokraten verweisen auf das Leitbild der Bank, laut dem das Institut den Menschen in der Region verpflichtet und nicht in erster Linie auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sei sowie der Qualitat Vorrang vor der Quantität einräume. In ihrer Geschäftsphilosophie weise die Bank zudem darauf hin, dass Kundennähe großgeschrieben werde.

„Für uns sind diesbezüglich Ihr Leitbild und Ihre Geschäftsphilosophie nicht nachvollziehbar! Wir erwarten von Ihnen als regional tätigem Kreditinstitut Glaubwürdigkeit und nachhaltiges Handeln. Die Alternative über Online-Banking bzw. über Postversand stellt für die älteren Bürger/Kunden keine akzeptable Lösung dar, sondern verursacht zusätzliche Kosten. Diese Handlungsweise schwächt die Infrastruktur unserer Zukunftsgemeinde Friedewald“, moniert die SPD. „Wir bitten Sie, sich an der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg zu orientieren, die an unterschiedlichen Tagen und Stunden genau diese Serviceleistungen mit mindestens einem/einer Fachangestellten in Friedewald inklusive Kontoauszugsdrucker anbietet“, heißt es in dem offenen Brief der Sozialdemokraten abschließend.

Michael Wollweber, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Werratal-Landeck, verweist auf Nachfrage unserer Zeitung darauf, dass es in der Filiale Friedewald pandemiebedingt seit etwa eineinhalb Jahren keine Schalteröffnungszeiten mehr gebe. Mit der fortschreitenden Digitalisierung verändere sich auch das Kundenverhalten, das klassische Schalter-Geschäft werde verstärkt per Online-Banking abgewickelt. Auch die ältere Generation sei zunehmend mit Smartphone und Computer vertraut.

In der Friedewalder Filiale würden auch weiterhin nach telefonischer Vereinbarung wochentags im Zeitraum zwischen 6 und 21 Uhr persönliche Beratungstermine angeboten. Zudem gehe dort in Kürze eine Videoservicekabine in Betrieb, über die zu festen Zeiten das Gespräch mit Bankberatern möglich sei. Auch einen Geldautomaten werde es weiterhin geben, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende.

Den Abbau des Kontoauszugdruckers begründet Wollweber damit, dass die Lebensdauer des Geräts erreicht sei. Ein Austausch sei sowohl mit Blick auf die Anschaffungs- als auch die Betriebskosten nicht wirtschaftlich. Hinzu kämen angesichts des verwendeten Thermopapiers und des Energieverbrauchs auch Nachhaltigkeitsaspekte. Mit dem Kontoauszug-Versand auf elektronischem Wege per PDF oder gegen überschaubare Gebühr per Post würden jedoch praktikable Alternativen angeboten, die den Kunden zugleich den Aufwand für den Fuß- oder Fahrweg in die Filiale ersparten, sagt Wollweber.

Neben der Hauptstelle in Heringen betreibt die Raiffeisenbank Werratal-Landeck noch regelmäßig mit Service-Personal besetzte Geschäftsstellen in Philippsthal und Schenklengsfeld. Die Filiale Vacha ist, wie künftig auch Friedewald, mit Selbstbedienungs-Terminal für Ein- und Auszahlungen sowie Videoberatungskabine ausgestattet. Seit vergangenem Juli gibt es auch in der Niederlassung im Hohenrodaer Ortsteil Ransbach ebenfalls keine regelmäßigen Öffnungszeiten mit Servicepersonal mehr. Aktuell werden noch Geldautomat und Kontoauszugdrucker vorgehalten, zum Jahresende fällt dieser Standort aber komplett weg. (Jan-Christoph Eisenberg)

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