Ehrenamtliche am Steuer

Friedewald und Hohenroda haben jetzt einen Bürgerbus

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Soll die Einwohner mobiler machen: Die Bürgermeister Dirk Noll und Andre Stenda mit dem neuen Bürgerbus vor der Wasserburg in Friedewald.

Über ein Förderprogramm des Landes Hessen haben Friedewald und Hohenroda einen gemeinsamen Bürgerbus erhalten. Über dessen Einsatz informierten jetzt die Bürgermeister.

Voraussichtlich ab Januar soll das Fahrzeug die Ortsteile besser vernetzen und besonders älteren Einwohnern den Weg zum Arzt oder zum Einkaufen erleichtern. In zwei Informationsveranstaltungen in Ransbach und Friedewald stellten die Bürgermeister Andre Stenda und Dirk Noll das Konzept vor. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Wie wird der Bürgerbus finanziert?

Die Anschaffungskosten für den Neunsitzer in Höhe von knapp 30 000 Euro übernimmt das Land Hessen. Die laufenden Kosten für Betrieb und Unterhalt müssen die beiden Kommunen tragen. Auch ein Nachfolgefahrzeug müssten sie nach Ablauf der Nutzungsdauer selbst beschaffen. Gefahren wird der Bürgerbus von Ehrenamtlichen. Bezahlte Fahrer dürfen die Gemeinden nicht beschäftigen.

Wann und wie oft fährt der Bürgerbus?

Das hängt davon ab, wie viele ehrenamtliche Fahrer sich finden. Für den Start peilen die Bürgermeister zunächst zwei Betriebstage pro Woche – möglicherweise Dienstag und Donnerstag – an.

Steht der Bus an den übrigen Tagen ungenutzt herum?

Nein. Das Fahrzeug wird in Hohenroda wochentags morgens und mittags auch als Schul- und Kindergartenbus eingesetzt. In Glaam, Oberbreitzbach und Soislieden sowie aus den umliegenden Einzelhöfen und -siedlungen übernimmt die Beförderung der Schüler und Vorschulkinder zur nächsten regulären Linienbus-Haltestelle beziehungsweise zur Grundschule und zum Kindergarten nach Mansbach bislang ein Kleinbus der evangelischen Kirchengemeinde. Der fehlen jedoch Rücklagen für eine Neuanschaffung. Auch weiterhin werden bei diesen Touren jedoch die Fahrerinnen der Kirche am Steuer sitzen. Für die Zubringerdienste im Schülerverkehr zahlt der Landkreis eine Vergütung. Außerhalb der regulären Betriebszeiten, etwa am Wochenende, dürfen auch Vereine aus beiden Gemeinden das Fahrzeug für ihre Aktivitäten nutzen.

Fährt der Bürgerbus nach einem festen Fahrplan?

Zumindest in der Anfangsphase soll der Bus nach einem Fahrplan mit festgelegten Zeiten und Haltestellen fahren. Ein erster Routen-Entwurf führt von Soislieden über Mansbach, Oberbreitzbach, Glaam, Ransbach, Ausbach, Hillartshausen und Lautenhausen nach Friedewald. Nach Stopps an den Einkaufsmärkten am Ortsrand und am Dorfplatz, wo der Umstieg in die regulären Linienbusse Richtung Bad Hersfeld, Philippsthal/Bad Salzungen oder Heringen möglich wäre, ginge es weiter nach Motzfeld. Von dort soll der Bus die Rückfahrt in umgekehrter Reihenfolge antreten.

Pro Betriebstag sind zwei oder sogar drei Touren angedacht. In Stein gemeißelt sei das aber nicht, nach ersten Praxiserfahrungen könne der Fahrplan angepasst werden, betonte Andre Stenda. Grundsätzlich denkbar wäre auch ein individuelles Rufbussystem mit Abholung vor der Haustür. Der Koordinierungsaufwand dafür wäre allerdings deutlich größer, gaben die Rathauschefs zu bedenken – zumal das Fahrzeug mittags pünktlich zum Schülerverkehr zurück sein muss.

Was kostet die Fahrt im Bürgerbus?

Für den Bürgerbus-Verkehr dürfen die Gemeinden keinen Fahrpreis erheben, die Mitfahrt ist also kostenlos. Wollen Vereine den Bus ausleihen, zahlen sie neben der Tankfüllung eine Gebühr pro gefahrenem Kilometer, deren Höhe noch festgelegt wird.

Steuert der Bus auch Orte außerhalb von Friedewald und Hohenroda an?

In erster Linie soll der Bürgerbus die Ortsteile der beiden Gemeinden miteinander verbinden. Fahrten zum Arzt nach Philippsthal oder Heringen seien aber grundsätzlich denkbar, betonten die Rathauschefs. Allerdings darf der Bürgerbus keine Konkurrenz zum regulären Nahverkehr des NVV sein, sondern muss diesen ergänzen. Regelmäßige Fahrten in die Kreisstadt Bad Hersfeld seien deshalb nicht zulässig, so Noll und Stenda.

Welche Qualifikationen brauchen die ehrenamtlichen Fahrer?

Wer sich als ehrenamtlicher Fahrer engagieren möchte, benötigt neben einem „normalen“ Pkw-Führerschein (Klasse B – früher 3) einen sogenannten kleinen Personenbeförderungsschein. Die Kosten für die notwendigen ärztlichen Untersuchungen werden den Ehrenamtlichen erstattet. Bürgerbus, Fahrer und Fahrgäste seien selbstverständlich versichert, betonen die beiden Bürgermeister.

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