Autor Felix Krakau ist Stipendiat am Dreienberg

Friedewald aus einer literarischen Perspektive

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Zuhause auf Zeit: Als Stipendiat des Hessischen Literaturrats verbringt Felix Krakau zwei Monate in der Gemeinde Friedewald. Er wohnt und schreibt während dieser Zeit in einer Ferienwohnung im ehemaligen Bürgermeisteramt (im Hintergrund).

Der Autor Felix Krakau lebt als Stipendiat für zwei Monate in Friedewald und sieht die Gemeinde aus einer ganz eigenen, litaratischen Perspektive. 

Friedewald – Einige der geschichtsträchtigen Plätze in und um Friedewald hat Felix Krakau bereits auf eigene Faust erkundet, außerdem die Mitglieder des Seniorenbeirats auf einer Fahrt ins Wildecker Tal begleitet.

Ein Gästeführer in historischem Gewand habe dort nicht nur berichtet, was es dort gegeben habe, sondern auch was es hätte geben können. „Landschaft im Konjunktiv“, nennt das der Autor und Regisseur, der sich auf ähnliche Weise auch selbst seinem Aufenthalt in der Region literarisch nähern möchte. Als Stipendiat des Projekts „Land in Sicht: Autorenresidenzen im ländlichen Raum“ des Hessischen Literaturrats lebt und arbeitet der Autor aus Düsseldorf zwei Monate lang in einer Ferienwohnung im ehemaligen Bürgermeisteramt (unsere Zeitung berichte).

Eine wissenschaftlich fundierte Abhandlung über die Historie der Dreienberggemeinde wolle er während dieser Zeit nicht erstellen, stellt der 30-Jährige klar. Ihm gehe es vielmehr um eine neue, eigene Perspektive, um Fragen wie: „Was könnte hier gewesen sein? Wie könnte die Geschichte auch erzählt werden?“.

Domizil im Schloss

Vor rund vier Wochen hat Krakau sein Domizil in unmittelbarer Nachbarschaft von Schloss und Wasserburg bezogen. Für seinen Aufenthalt hat sich der gebürtige Ostwestfale den Anfang eines Romans vorgenommen. Eine fiktive Handlung also – jedoch eingebettet in einen historischen Kontext. Dabei schreibe er nicht chronologisch Kapitel für Kapitel, sondern eher nach einer Art Flickenteppich-Muster. Die Grundlage seien Notizen und Fragestellungen. „Inzwischen kristallisieren sich erste Handlungsstränge heraus“, beschreibt der 30-Jährige sein Vorgehen.

Ein bis zwei Jahre werde es wohl dauern, bis der komplette Roman fertig ist. Ein spannendes Experiment sei für ihn, wie sich ein komplett neues Umfeld – „rauszukommen aus dem eigenen Sud“ – auf den Entstehungsprozess auswirke. Die Ruhe und die unmittelbare Nähe zur Natur böten ihm dabei die optimalen Rahmenbedingungen für seine Kreativität.

Ganz ohne Auto 

Um möglichst viel Zeit in Friedewald zu verbringen, ist Felix Krakau mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist und verzichtet während seines Aufenthalts auf ein Auto. In der Gemeinde habe er schon vieles widerentdeckt, was ihm aus seiner Kindheit und Jugend in Ostwestfalen vertraut sei. Bei den Einheimischen hat der 30-Jährige eine große Offenheit und großes Interesse ihm gegenüber ausgemacht. Mehrfach sei er auf dem Weg zum Einkaufen oder in der Gaststätte auf seinen Aufenthalt angesprochen worden. Auf ursprünglich angedachte feste Formate zur Kontaktaufnahme habe er deshalb verzichtet. Zwei Schulworkshops stehen beim Gesprächstermin noch bevor.

Kleine literarische Einblicke, Gedanken und Alltagsbeobachtungen seines Aufenthalts veröffentlicht Felix Krakau regelmäßig unter dem Titel „Friedewald Report“ auf der Gemeindehomepage.

„Ein paar Asse im Ärmel“ will sich der 30-Jährige noch für die Abschlusslesung am 14. November aufsparen. Auf die Reaktionen der Friedewalder sei er schon sehr gespannt, verrät der Autor: „Jeder hat ja eine andere Erwartung“.

Zur Person: 

Felix Krakau (30) wurde in Hamburg geboren und ist in Detmold aufgewachsen. Er studierte Kunst- und Medientheorie an der Zürcher Hochschule der Künste und Theaterregie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt mit Aufenthalt im Studiengang Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Krakau lebt in Düsseldorf und arbeitet als freier Regisseur und Autor. Kürzlich feierte seine Inszenierung „O Fortuna“ zum 125-jährigen Vereinsjubiläum im Fußballstadion von Fortuna Düsseldorf Premiere.

(Jan-Christoph Eisenberg)

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