Dank Literaturstipendium

Autor Felix Krakau verbringt zwei Monate in Friedewald

Das Bild zeigt Literaturstipendiat Felix Krakau (in der Mitte) mit Bürgermeister Dirk Noll und Madelyn Rittner vom Hessischen Literaturrat.
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Heimat auf Zeit: Felix Krakau (Mitte) verbringt als Literaturstipendiat zwei Monate in Friedewald. Bürgermeister Dirk Noll und Madelyn Rittner vom Hessischen Literaturrat stellten den Autor und Regisseur der Bevölkerung vor.

Felix Krakau lebt für zwei Monate in Friedewald – als Stipendiat des Projekts „Land in Sicht: Autorenresidenzen im ländlichen Raum“ des Hessischen Literaturrats.

Friedewald – Angst vor dem sprichwörtlichen „Kulturschock“ hat Felix Krakau nicht: „Ich bin in Ostwestfalen aufgewachsen und deshalb mit dem ländlichen Raum durchaus vertraut“, betont der Autor und Regisseur, als er im Schlosshotel Prinz von Hessen einem Kreis literaturinteressierter Friedewalder vorgestellt wird.

Für zwei Monate wird der 30-Jährige Düsseldorf mit der Dreienberggemeinde tauschen – als Stipendiat des Projekts „Land in Sicht: Autorenresidenzen im ländlichen Raum“ des Hessischen Literaturrats. Von 15. September bis zum 15. November lebt und schreibt Krakau am Fuße des Dreienbergs – was genau, steht noch nicht fest. „Ich fange erst mal an“, sagt der Autor pragmatisch. Als einer von 14 Bewerbern ist der gebürtige Hamburger für das Stipendium ausgewählt worden. Das letzte Wort habe dabei die Gemeinde gehabt, erklärt Madelyn Rittner vom Hessischen Literaturrat. An Friedewald habe ihn vor allem die Verbindung von Historie und Gegenwart fasziniert, an die er literarisch anknüpfen will.

Eine Ferienwohnung im ehemaligen Bürgermeisteramt – und damit in direkter Nachbarschaft zu Wasserburg und Schloss – wird während der zwei Monate sein Quartier sein. Zum Start wolle er sich zunächst von der Historie des Ortes inspirieren lassen, in Archiven recherchieren – um dann gezielt auf die Friedewalder zuzugehen. Aber auch zufällige Begegnungen auf der Straße seien nicht ausgeschlossen, sondern durchaus erwünscht.

Sich zwei Monate mit Text, Sprache, Ort und Menschen beschäftigen zu können, empfindet Felix Krakau als Geschenk. Denn die Zeit, um einfach nur zu schreiben, fehle im normalerweise hektischen Theaterbetrieb.

Bislang hat Felix Krakau vor allem Theaterstücke veröffentlicht. Für seine Zeit in Friedewald hat er sich einen Prosa-Text vorgenommen, dessen Handlung in der Dreienberggemeinde verortet ist. Dabei wolle er historisch starten, um dann zu schauen, „wo es hingeht“. Ob der Beginn eines Historiendramas, eines Schelmenromans oder eines Entwicklungsromans das Ergebnis seines Aufenthalts sein werden, entscheide sich im Entstehungsprozess. „Ich bin kein Historiker“ unterstreicht der Autor und nennt beispielhaft Shakespeares Königsdramen oder Die Jungfrau von Orleans, welche inhaltlich weit von historischen Fakten entfernt seien. Ihn reize die spekulative Geschichtsschreibung, die Vergangenheit in die Gegenwart oder die Gegenwart in die Vergangenheit zu holen. Als Autor und Regisseur ist Felix Krakau diesen Wandel zwischen den Welten gewohnt. Der 30-Jährige hat Kunst- und Medientheorie in Zürich, Theaterregie in Frankfurt und Szenisches Schreiben in Berlin studiert. In seiner Wahlheimat Düsseldorf feierte gerade seine Inszenierung „O Fortuna“ zum 125-jährigen Vereinsjubiläum im Fußballstadion von Fortuna Düsseldorf Premiere.

Zum Konzept des Projekts „Land in Sicht“ gehört auch, dass die Bevölkerung in das Wirken des Gastautors eingebunden werden. Ob das in Form von Workshops oder klassischen Lesungen geschehe, hänge letztendlich auch von der weiteren Entwicklung der Corona-Vorgaben ab, verdeutlicht Bürgermeister Dirk Noll.

Fest steht hingegen bereits der Termin für die Abschlussveranstaltung am 14. November, bei der erste Ergebnisse des Autoren-Aufenthalts präsentiert werden sollen. (jce)

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