Einziger Kandidat für Wahl am Sonntag, 28. Oktober

Dirk Noll will Bürgermeister in Friedewald bleiben 

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Nimmt Kurs auf eine zweite Amtszeit: Zur Bürgermeisterwahl am 28. Oktober tritt Dirk Noll als einziger Bewerber an. Zu dienstlichen Terminen fährt der 48-Jährige häufig mit dem Elektroauto der Dreienberggemeinde, das an der Ladesäule vor der Wasserburg mit Energie versorgt wird.

Friedewald. Parallel zur Landtagswahl entscheiden die Einwohner von Friedewald auch über ihren Rathauschef. Einziger Kandidat ist Amtsinhaber Dirk Noll (SPD).

Wir sprachen mit ihm über die Bilanz seiner ersten Amtszeit und seine Zukunftspläne.

Sie sind der einzige Kandidat. Ist Ihr Job so unattraktiv, dass ihn sonst niemand machen will?

Dirk Noll: Ich finde nicht, dass der Job unattraktiv ist. Mir macht er großen Spaß. Ich glaube, dass sonst niemand angetreten ist, weil die Bürger mit meiner Arbeit zufrieden sind.

Wie fällt Ihre Bilanz der ersten Amtszeit aus?

Noll: Meine Bilanz fällt sehr positiv aus. Wir haben vieles auf den Weg gebracht: Die Dorferneuerung mit der Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses Hillartshausen und der Festhalle in Friedewald, die jetzt noch folgt. Das geplante Gesundheitszentrum ist ebenfalls ein wichtiger Part. Wir haben vieles angepackt, was von der Bevölkerung, der Gemeindevertretung, den Ortsbeiräten gewünscht war.

Gibt es auch etwas, mit dem Sie nicht zufrieden sind?

Noll: Da fällt mir im Großen und Ganzen nichts ein. Nicht zufrieden bin ich damit, dass viele Dinge von der Planung bis zur Umsetzung länger dauern, als es sich ein Bürgermeister wünscht.

Finanzielle Sorgen muss sich Friedewald aber offenbar nicht machen.

Noll: Wir müssen schon schauen, dass wir das Geld beisammenhalten. Mit knapp unter zehn Millionen Euro haben wir einen hohen Schuldenstand. Für eine Kommune mit 2400 Einwohnern ist das schon gewaltig. Dafür sind wir mit Kanal- und Wasserleitungsbau schon seit einigen Jahren durch. Es handelt sich aber um rentierliche Schulden, die irgendwann über Gebühren wieder hereinkommen. Was ansonsten das Finanzielle betrifft, können wir derzeit nicht meckern.

Das Gewerbegebiet rückt näher an den Kernort. Ist der Preis, den die Anwohner in Form von Lärm, Schmutz und Verkehrsbelastung zahlen, vertretbar?

Noll: Wir wissen um die Bedenken. Deshalb haben wir in die Planung ganz früh einen großen Erdwall aufgenommen. Wenn die Bauleitplanung konkret wird, werden wir noch verschiedene andere Schutzmaßnahmen einbringen. Auch vom Investor, der Interesse an der Fläche hat, wurde das bereits positiv aufgenommen.

Über den Namen des besagten Investors, der auf 13 Hektar Fläche mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen will, wird eifrig spekuliert. Wann brechen Sie Ihr Schweigen?

Noll: Wir haben da klare Absprachen. Wenn es soweit ist – sehr lange dauert es wahrscheinlich nicht mehr – wird sicherlich zuerst die Firma Informationen herausgeben – und nicht unbedingt wir.

Als Generalmieter des DRK trägt die Gemeinde das finanzielle Risiko für das geplante Gesundheitszentrum. Haben Sie keine Angst, irgendwann Miete für leere Räume überweisen zu müssen?

Noll: Nein. Es geht ja darum, die Gesundheitsvorsorge für die Zukunft zu sichern. Wir haben einen jungen Arzt und damit auch eine Perspektive. Eine weitere junge Ärztin wird hinzukommen. Wir werden vertraglich dafür sorgen, dass das Projekt langfristig gesichert ist. Selbst wenn ein Mieter aussteigen sollte, sind wir wegen der interessanten Lage optimistisch, schnell einen Nachnutzer zu finden.

Die Gemeindeverwaltung wurde ins Schloss verlegt, auch für die Rathäuser in Hohenroda und Schenklengsfeld gibt es Umzugspläne. Wäre das nicht der Zeitpunkt für eine gemeinsame Lösung gewesen?

Noll: Wir hätten ja hier noch zwei Etagen frei (lacht). Es ist meiner Meinung nach nicht der richtige Zeitpunkt, solche Überlegungen zu vertiefen. Jeder muss nach individuellen Lösungen suchen. Wer unsere alten Räumlichkeiten kennt, der weiß, dass der Umzug bei uns mindestens so notwendig war, wie in Schenklengsfeld oder Hohenroda. Mich freut besonders, dass die Bevölkerung damit zufrieden ist.

Auf der grünen Wiese entsteht ein zweiter Einkaufsmarkt. Treibt das nicht die Verödung der Ortskerne voran?

Noll: Das glaube ich nicht. Wir haben ja nach Alternativstandorten innerorts gesucht. Ein Einkaufsmarkt muss eine gewisse Größe haben und Parkflächen sind heute unausweichlich. Das war im Ortskern nicht machbar. Eine weitere Einkaufsgelegenheit ist für einen Ort unserer Größe keine Selbstverständlichkeit. Damit wird ein großer Wunsch der Bevölkerung verwirklicht.

Bei der von der Gemeinde beauftragten Zufriedenheitsumfrage wurden die Attraktivität für Touristen eher verhalten eingeschätzt. Müssen Sie noch eine Schippe drauflegen?

Noll: Auch dabei sind wir auf einem guten Weg. Durch die gemeinsame Internetplattform für die Kuppenrhöngemeinden haben wir einiges auf den Weg gebracht und stehen in engem Kontakt mit der Rhön-GmbH. Hinzu kommt der Premium-Wanderweg am Dreienberg. Die örtliche Gastronomie muss weiter unterstützt werden. Für Radfahrer soll der Weg zwischen Lautenhausen und Friedewald befestigt und der Schelbäumer Weg zwischen Hillartshausen und Motzfeld sukzessive erneuert werden.

Man soll auch an höherer Stelle auf Sie aufmerksam geworden sein. Wäre ein Posten an der Spitze des Landkreises oder einer größeren Stadt nichts für Sie?

Noll: Davon habe ich noch nichts gehört. Solche Überlegungen gibt es bei mir nicht. Außerdem hat das schon mal ein Bürgermeister aus Friedewald vergeblich versucht – deshalb habe ich daran kein großes Interesse.

Zur Person

Dirk Noll (48) ist in Hönebach aufgewachsen. Er hat eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Wildeck absolviert, wo er bis 2011 gearbeitet hat - zuletzt als Büroleiter. Nebenher studierte er Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsakademie in Erfurt und Wirtschaftsrecht an der FH Nordhessen in Kassel. 2011 wechselte Noll nach Gotha, wo er ein Jahr lang das Amt für Finanzen leitete. Bei der Bürgermeisterwahl am 16. September 2012 setzte sich der SPD-Kandidat mit 67,2 Prozent der Stimmen gegen Herausforderer Wolfgang Bax durch. Noll lebt in Friedewald, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er ist leidenschaftlicher Fußballer und Fan des 1. FC Kaiserslautern. (jce)

Von Jan-Christoph Eisenberg

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