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Julian Kempka ist einziger Bürgermeisterkandidat in Friedewald

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Einziger Bewerber um den Chefsessel im Rathaus: Der 26-jährige Julian Kempka tritt als Kandidat der SPD zur Bürgermeisterwahl am 6. März in Friedewald an. Das Bild entstand auf dem Bergfried der Wasserburgruine mit Blick zum Dreienberg.
Einziger Bewerber um den Chefsessel im Rathaus: Der 26-jährige Julian Kempka tritt als Kandidat der SPD zur Bürgermeisterwahl am 6. März in Friedewald an. Das Bild entstand auf dem Bergfried der Wasserburgruine mit Blick zum Dreienberg. © Jan-Christoph Eisenberg

In Friedewald wird am 6. März ein neuer Bürgermeister gewählt. Einziger Bewerber ist Julian Kempka (SPD, 26). Wir sprachen mit ihm über seine Motivation und seine Ziele.

Friedewald - Außer Ihnen will offenbar niemand den Job als Rathauschef in Friedewald. Macht Sie das nicht misstrauisch?

Ich hätte mir für den Wahlkampf natürlich einen Gegenkandidaten gewünscht und es hat mich auch gewundert, dass sonst niemand antritt. Friedewald ist als Zukunftsgemeinde gut aufgestellt. Auf dieser Basis kann man aufbauen. Was den Job betrifft, habe ich deshalb keine Bedenken.

Was hat Sie dazu bewogen, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren?

Der Wunsch, Bürgermeister zu werden, ist bei uns im Familienkreis schon etwas länger Thema. Gerade weil es um meinen Heimatort geht, liegt es mir sehr am Herzen, Friedewald gemeinsam mit den Bürgern voranzubringen. Dirk Noll hat eine tolle Arbeit geleistet. Solange er im Amt war, stand eine Kandidatur nie zur Debatte. Als er dann zum Ersten Kreisbeigeordneten gewählt wurde, habe ich direkt meine Chance gesehen.

Kommunalpolitisch sind Sie bislang ein unbeschriebenes Blatt. Fehlt Ihnen damit nicht die notwendige Erfahrung?

Ich war bisher immer stiller Beobachter der Gemeindepolitik und habe die Entscheidungen mit Interesse verfolgt. Es ist aus meiner Sicht kein Nachteil, an manche Themen unvoreingenommen herangehen zu können.

Was entgegnen Sie Kritikern, die einen 26-Jährigen zu jung für dieses Amt halten?

Uns war bei der Nominierung bewusst, dass das ein Angriffspunkt sein wird. Man sieht aber an den umliegenden Gemeinden, dass die Bürgermeister immer jünger werden. Die Lebenserfahrung ist ein Aspekt. Es geht aber auch um die Frage, wie offen man durch die Welt geht und wie offen man Themen und Kritik gegenübersteht. Da ist manch Älterer, der mit Scheuklappen durch die Welt läuft, auch nicht viel weiter. Das ist weniger eine Frage des Alters.

Sie gehörten auch zu den Wunschkandidaten der Offenen Liste. Was war für Sie ausschlaggebend, als Bewerber der SPD und nicht als unabhängiger Kandidat anzutreten?

Es kam für mich von vorneherein nur in Frage, für die SPD anzutreten. Das hat auch familiäre Wurzeln. Als Bergmannsfamilie waren wir der SPD immer sehr treu. Unterm Strich muss am Ende aber immer das Gemeindewohl stehen, daran sollten wir gemeinsam arbeiten – unabhängig von der Partei.

Wie führt man Wahlkampf ohne Gegner – und wie wollen Sie die Friedewälder zum Urnengang mobilisieren, wenn der Ausgang ohnehin absehbar ist?

Unabhängig davon, ob es einen Gegenkandidaten gibt, möchte ich seriösen Wahlkampf machen, was durch die Corona-Pandemie natürlich erschwert wird. Ich würde gerne noch mehr Veranstaltungen anbieten, um mit den Menschen zusammenzukommen. Das muss man aber auch verantworten können. Aktuell stelle ich mich von Haustür zu Haustür vor, um mit den Bürgern mit Maske und Abstand ins Gespräch zu kommen. Auf Wahlplakate verzichte ich aus Umweltschutzgründen. Das Geld dafür ist als Spende beim Schul- und Kindergartenförderverein besser aufgehoben. Ich hatte schon viele intensive Gespräche, unter anderem auch mit der Feuerwehr, und hoffe natürlich auf eine hohe Wahlbeteiligung.

Welche Themen und Projekte wollen Sie als Bürgermeister vordringlich angehen?

Weil Dirk Noll Friedewald während seiner laufenden Amtszeit verlässt, gilt es zunächst, die begonnenen Projekte erfolgreich abzuschließen: von der Fertigstellung des Krippenbaus über die Ansiedlung der Firma ACO, den Bau des Gesundheitszentrums bis zur Wasserverbindungsleitung nach Lautenhausen. In den nächsten Jahren wird die Abwasserentsorgung ein Thema werden. Diese vorgegebenen Themen müssen wir erst mal erfolgreich zu ende führen, bevor wir neue Baustellen aufmachen.

Welche eigenen Schwerpunkte wollen Sie über die Projekte Ihres Vorgängers hinaus setzen?

Die Wohnentwicklung liegt mir am Herzen. Als Zukunftsgemeinde müssen wir den Bürgern die Möglichkeit geben, sich in den Ortsteilen oder im Kernort auf einem Wohngrundstück niederlassen zu können. Dabei sollte der Fokus aber nicht nur auf Neubaugebieten liegen, sondern die Ortskerne dürfen nicht vergessen werden. Man könnte Baulücken füllen und die leer stehenden Häuser gut vermarkten. Wir sollten uns Gedanken über den Glasfaserausbau machen. Für unsere schöne Festhalle muss ein Vermarktungskonzept entwickelt werden. Nach der Sanierung gibt es da viele Möglichkeiten, angefangen vom Comedian über eine schöne Coverband bis hin zu kulturellen Veranstaltungen.

Das Gewerbegebiet ist für Friedewald Fluch und Segen zugleich. Wie viele Neuansiedlungen verkraftet die Gemeinde noch?

Irgendwann kommen wir geografisch an die Grenzen. Wo die Reise hingehen soll, möchte ich mit den Gremien erörtern und ein Zukunftskonzept erstellen. Was wollen wir und was ist noch machbar? Die Erweiterung bestehender Betriebe muss möglich sein. Ich könnte mir darüber hinaus auch ein ökologisches Gewerbegebiet vorstellen.

Was genau meinen Sie mit einem ökologischen Gewerbegebiet ?

Man kann beispielsweise über die Idee nachdenken, in Verbindung mit Windkraft den Grundbedarf an Energie zu decken. Für weitere Möglichkeiten bin ich offen.

Nach wie vor ist die Abwasser-Frage noch nicht abschließend geklärt. Welche Variante bevorzugen Sie und wie wollen Sie dieses Vorhaben ins Laufen bringen?

Ich halte einen Anschluss an die Kläranlage Bad Hersfeld mit Übergabestelle in Sorga für die sinnvollste Variante. Es wäre wünschenswert, dieses Vorhaben gemeinsam mit der Gemeinde Schenklengsfeld anzugehen. Da möchte ich noch mal das gemeinsame Gespräch suchen, um das Thema voranzubringen.

Als Mitarbeiter des Standesamts sind Sie Experte für Eheschließungen: Würde sich da nicht eine Gemeinde-Hochzeit mit einer der Nachbarkommunen anbieten?

(lacht) Wir müssen schauen, wo die Reise in den kommenden Jahren hingeht und welche Vorgaben die Landespolitik dabei macht. In den nächsten sechs Jahren wird das aber wohl erst mal kein Thema sein.

Zur Person: Julian Kempka (26) wurde in Bad Hersfeld geboren und ist in Friedewald aufgewachsen. Er hat eine Ausbildung zum Finanzwirt im Behördenzentrum der Frankfurter Finanzämter absolviert und nach seinem Abschluss in verschiedenen Bereichen der hessischen Finanzverwaltung gearbeitet. Um nicht jeden Tag nach Frankfurt pendeln oder aus seiner Heimatgemeinde wegziehen zu müssen, wechselte er in die Kommunalverwaltung und arbeitet seit 2017 bei der Kreisstadt Bad Hersfeld, aktuell im Standesamt. Für den Hessentag 2019 war er mit der Projektleitung für die Hessentagsstraße betraut. Julian Kempka ist verlobt und lebt in Friedewald. Der 26-Jährige beschäftigt sich in seiner Freizeit gerne mit dem Steuerrecht und leitet eine Beratungsstelle des Lohnsteuerhilfevereins. Außerdem steht er für die SG Ausbach/Friedewald im Fußballtor. 

Von Jan-Christoph Eisenberg

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