Ein Sonntagskind feiert Geburtstag

Arthur Bock aus Hillartshausen wird 103 Jahre alt

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Hat es zeitlebens mit der goldenen Mitte gehalten: Der in Oberschlesien als Sonntagskind auf die Welt gekommene und seit sechs Jahren in Hillartshausen lebende Arthur Bock wird heute 103 Jahre alt.

Hillarthausen. Er überlebte zwei Weltkriege, führte ein traditionsreiches Unternehmen und kam viel rum in der Welt: Arthur Bock aus Hillarthausen wird heute 103 Jahre alt. 

Sein 103. Lebensjahr vollendet am heutigen Mittwoch der mitten im Ersten Weltkrieg in Klein Kottulin in Oberschlesien geborene Arthur Bock. Er war in Marburg als Kaufmann tätig und lebt seit sechs Jahren bei seiner Nichte Christa Jacob in Hillartshausen.

Bock kam als Sonntagskind, „mittags um 12 Uhr“, als zweites von drei Kindern der Eheleute Hedwig und Bartholomäus Bock auf die Welt und besuchte nach der Volksschule das Gymnasium Johanneum in Groß Strehlitz. Nach Reifeprüfung und Ausbildung zum Textilkaufmann rief die Wehrmacht, bei der er es, im Krieg mehrfach verwundet, bis zum Hauptmann brachte. 1944, nach der Invasion der Alliierten, geriet er allerdings in der Bretagne in Gefangenschaft. In gewisser Weise privilegiert verschlug es ihn dadurch sogar bis nach Amerika: „Ich habe den Mississippi und die Rocky Mountains gesehen und Mormonenfamilien bei der Kartoffel- und Rübenernte geholfen!“

Da ihm der Krieg sein Zuhause genommen hatte, gab er als Entlassungsadresse „Rotenburg“ an. Der Grund: 1940 hatte der Jubilar bei der Verlegung seiner Einheit in Richtung Frankreich die hessisch-thüringische Grenzregion und einige ihrer Menschen kennengelernt, sodass er hoffte, dass das Leben von hier aus weitergehen könnte. Und so geschah es dann auch. In der Fuldastadt lernte er darüber hinaus seine spätere Ehefrau Therese, geb. Keitel, kennen, mit der er von Niederhessen nach Oberhessen, nach Marburg an der Lahn, zog.

1948 heirateten die beiden, und zusammen führten sie das traditionsreiche, in der Marburger Oberstadt gelegene Tabakwarengeschäft Keitel. Von daher lag es nahe, dass sich Bock in der Oberstadtgemeinde engagierte, die ihr ältestes Mitglied inzwischen zum Ehrenmitglied ernannt hat, aber auch in der Kolpingfamilie.

Nach Verpachtung des Geschäfts, das als ältestes nordhessisches Fachgeschäft für Feuerwerkskörper galt, unternahmen die Eheleute zahlreiche Reisen. Viel Zeit verbrachten sie auch in ihrer Oberstdorfer Ferienwohnung, in der Therese Bock leider schon vor 22 Jahren verstarb.

Nach einigen Jahren des Alleinseins lebt der Hochbetagte seit 2012 bei seiner zweimal verwitweten Nichte Christa, die 1957 mit Mutter und Großmutter von Oberschlesien nach Hessen gekommen und bei ihm in die Lehre gegangen war. Bei ihr fühlt er sich sehr wohl.

Nach seinem Rezept für ein glückliches und langes Leben befragt, verweist er auf viel Bewegung und die „goldene Mitte“: „Man sollte nichts übertreiben, und es immer mit der Regel des Heiligen Benedikt halten: Ora et labora – bete und arbeite!“

Oder wie er es manchmal auch ausgedrückt hat: „Laufen, lesen, lachen, loben, lieben – den Nächsten, dich selbst und den Herrgott!“

Von Wilfried Apel

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