Gemeindeparlament

Altlasten in der Erde gefunden

+
Böse Überraschung im Boden: Bei den Bauarbeiten zur Erweiterung des Hermes-Zentralhubs in Friedewald wurden Altlasten des Autobahnbaus in der Erde gefunden.

Friedewald – Im Nachhinein ist man schlauer, lautete am Mittwochabend das Fazit der Friedewalder Gemeindevertreter in Bezug auf ein Grundstücksgeschäft im Gewerbegebiet.

Einstimmig – wenn auch zähneknirschend – stimmte das Gemeindeparlament während seiner Sitzung in der Bürgerbegegnungsstätte Lautenhausen einer Rückzahlung von 60 000 Euro an die Firma Logicor zu.

Von Privateigentümern hatte die Gemeinde im Frühjahr 2016 Flächen erworben und im darauffolgenden Dezember an das Unternehmen Logicor weiterveräußert, das dort im Auftrag für die Erweiterung des Zentralhubs eine 4500 Quadratmeter große Halle errichtet hat (unsere Zeitung berichtete).

Bei Probeschürfungen im Vorfeld der Bauarbeiten wurden im Boden Beton- und Asphaltbruch, Geotextilien sowie Astschnitt gefunden, die dort offenbar in früheren Jahrzehnten im Zuge von Autobahn-Bauarbeiten „versenkt“ worden waren. Von diesen Altlasten hatte laut Bürgermeister Dirk Noll keine der beteiligten Parteien gewusst. Mit dem Voreigentümer vereinbarte die Gemeinde daraufhin einen Nachlass von 10 000 Euro. Mit Logicor wurde wiederum vertraglich festgehalten, die Altlasten im Zuge der Bauarbeiten zu beseitigen. Der Kostenanteil des Käufers wurde dabei jedoch auf 15 000 Euro gedeckelt.

Die Dimensionen des Problems stellten sich allerdings als weit größer heraus, als zunächst angenommen: Rund 23 200 Euro für Sortieren und Verwertung der kontaminierten Böden seien unstrittig und die Gemeinde habe ihren Anteil von 9 800 Euro bereits beglichen, berichtete der Rathauschef. Zweifel habe die Kommune aber mit Blick auf 49 100 Euro für die Böschungssicherung zur A4 und den Bau einer Stützwand sowie weitere 88 300 Euro für Bodenverbesserung und -auffüllung angemeldet. Um einen langwierigen Rechtsstreit zu vermeiden, hätten sich die beteiligten Parteien schließlich auf die Pauschale von 60 000 Euro geeinigt, mit der alle Forderungen in dieser Angelegenheit abgegolten werden. Bürgermeister Dirk Noll sprach während der Sitzung von einer „ärgerlichen Angelegenheit“, wenngleich sich der Erschließungsaufwand in Grenzen gehalten und die Gemeinde damit unterm Strich dennoch nicht draufgezahlt habe. „Wir haben damals zugestimmt, also müssen wir heute auch die Kröte schlucken“, pflichtete ihm Frank Mindum (OL) bei. Die Gemeinde sei mit einem blauen Auge davongekommen, betonte auch Bernd Iffland (SPD): „Ein umfangreiches Bodengutachten wäre wohl ähnlich teuer geworden.“

Einig waren sich die Gemeindepolitiker, dass solche bösen Überraschungen in Zukunft vermieden werden sollen. „Wir lernen daraus, in Zukunft auch für uns einen Deckel in die Verträge einzubauen“, unterstrich Bürgermeister Dirk Noll.

Kommentare