Festschrift ohne Fest

Chronik zur 650-Jahrfeier in Wehrshausen ist fertig, doch das Fest wurde abgesagt

Historie auf über 100 Seiten: Autor und Festausschuss-Vorsitzender Werner Kümmel sowie Ortsvorsteherin Sigrid Erbe-Sampolski präsentieren die Festschrift „650 Jahre Wehrshausen“.
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Historie auf über 100 Seiten: Autor und Festausschuss-Vorsitzender Werner Kümmel sowie Ortsvorsteherin Sigrid Erbe-Sampolski präsentieren die Festschrift „650 Jahre Wehrshausen“.

Bereits zwei Jahre vor der 650-Jahrfeier ihres Dorfes, die am 4. und 5. Juni begangen werden sollte, hatten die Wehrshäuser mit den Vorbereitungen begonnen.

Wehrshausen – „Alles war fix und fertig geplant, das Programm mit Festkommers, stehendem Festzug und Gemeindefeuerwehrtag stand fest und die Aussteller waren bestellt“, erinnert sich der Festausschuss-Vorsitzende Werner Kümmel. Doch als sich im vergangenen Frühjahr abzeichnete, dass die Pandemielage keine Publikumsveranstaltung zulässt, beschloss der 15-köpfige Festausschuss schweren Herzens, die Jubiläumsfeier abzusagen. „Da erging es uns, wie vielen anderen Veranstaltern auch“, sagt Werner Kümmel bedauernd und Ortsvorsteherin Sigrid Erbe-Sampolski nickt zustimmend.

Vom Dorfjubiläum zeugt deshalb vorerst nur die nun fertiggestellte Ortschronik, für die der Festausschussvorsitzende seit dem Jahr 2019 Informationen und Fotos zusammengetragen hat. Wertvolle Unterstützung bei der Recherche im Staatsarchiv Marburg habe der Regionalhistoriker und Vorsitzende des Heimatvereins Landeck, Karl Honickel, geleistet. Zurückgreifen konnte Kümmel zudem auf die Aufzeichnungen eines Dorfschullehrers aus den 1930er Jahren. Und nicht zuletzt hätten auch zahlreiche Einwohner ihre Erinnerungen und Aufnahmen beigesteuert.

Entstanden ist ein reich bebilderter, über 100-seitiger Überblick über die Historie des 237-Seelen-Dorfes, von der ersten Besiedelung zwischen 400 und 800 vor Christus bis in die Gegenwart. Erstmals erwähnt wird der heutige Schnklengsfelder Ortsteil in einer Urkunde vom 6. November 1371, in der Wilhelm Hofmeister seine Anteile am Gut „Werichshusin“ und an der Burg Landeck für 30 Mark Silber an Otto von Romrod verkauft.

Hatten alles vorbereitet: Die Mitglieder des Festausschusses mussten die 650-Jahrfeier in Wehrshausen schweren Herzens absagen.

An längst vergangenes wie Schule, Bethaus, Viehwaage, Gaststätten und Geschäfte oder die Haltestelle der Hersfelder Kreisbahn erinnert die Chronik ebenso, wie an die Erfolge auf Bundes- und Landesebene im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ in den 1960er Jahren sowie die Eingemeindung nach Schenklengsfeld 1970. Dokumentiert wird auch die Geschichte der zum Ort gehörenden Höfe Kahlhausen, Rimmerode und Thalhausen sowie das rege Vereins- und Gemeinschaftsleben der „Lensebiddel“, wie die Wehrshäuser genannt werden, weil auf den kargen Böden einst vor allem Linsen gediehen.

Die Dorfchronik „650 Jahre Wehrshausen“ ist zum Preis von 6,50 Euro beim Festausschussvorsitzenden Werner Kümmel oder bei Ortsvorsteherin Sigrid Erbe-Sampolski erhältlich. Sie soll zudem am morgigen Mittwoch, 1. September, sowie am Donnerstag, 2. September, jeweils ab 18.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Wehrshausen vorgestellt und verkauft werden.

Die abgesagte 650-Jahrfeier wollen die Wehrshäuser im kommenden Jahr in kleinerem Umfang nachholen. (Jan-Christoph Eisenberg)

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